Der Neubau des expert Fulfillment Centers läuft nach Plan: Unser Foto zeigt Dr. Stefan Müller (r.) zusammen mit Edwin ten Voorde, Geschäftsbereichsleiter Logistik.
Der Neubau des expert Fulfillment Centers läuft nach Plan: Unser Foto zeigt Dr. Stefan Müller (r.) zusammen mit Edwin ten Voorde, Geschäftsbereichsleiter Logistik.
Story

„Wir brauchen die IFA, um Impulse zu setzen!“

Dr. Stefan Müller, Vorstandsvorsitzender der expert SE, im infoboard.de Interview mit Matthias M. Machan über die Bilanz der vergangenen Monate, eine IFA unter besonderen Rahmenbedingungen und die Herausforderungen für die Verbundgruppe in den kommenden Monaten.

„Mit Zuversicht die Zukunft gestalten“ war die Überschrift über Ihre diesjährige Bilanzpressekonferenz. Was genau macht Sie zuversichtlich?

Wir haben in der Tat lange darüber nachgedacht, welches Wort treffender ist: Zuversicht oder Optimismus. Denn die vollständigen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind auch für uns noch nicht absehbar, die latenten Risiken bleiben bestehen.

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Aber: Wir blicken mit Zuversicht in die Zukunft – und dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Bei allem Schrecken, allen Befürchtungen, die Corona ausgelöst hat, sind wir in unserem Szenario zunächst von einem dreimonatigen Shutdown ausgegangen. Wir hatten uns also darauf eingestellt, dass alles noch schlimmer hätte kommen können. Letztlich waren es dann je nach Standort vier bis sechs Wochen der verfügten Schließung.

Wir haben diese Zeit besser überstanden als befürchtet, und wir haben den Shutdown auch besser im Griff gehabt als die Großfläche. Ich habe bei unseren Unternehmern und ihren Mitarbeitern wie in unserer Zentrale eine wahnsinnige Kreativität erlebt, insbesondere wie die Möglichkeiten des Service und der Beratung genutzt wurden.

Die Umsatzentwicklung im Mai und Juni zeigt den Nachholbedarf der Kunden. Corona verändert zudem das Verhalten der Verbraucher über Home-Office und Homeschooling hinaus. Für viele findet der Urlaub dieses Jahr daheim statt und anstatt ins Restaurant zu gehen, wird daheim verstärkt gekocht. Alles Trends, die uns mit den passenden Sortimenten in die Karten spielen.

Wie stellt sich expert zur IFA 2020 Special Edition auf?

Dies vorweg: Die IFA ist für uns als internationale Leitmesse der Branche, als Innovations- und Kommunikationsplattform ein absolutes Muss. Auch wenn es in diesem Jahr nicht die IFA sein wird, die wir kennen, finden wir es toll, dass die Messe Berlin es dennoch versucht, ein attraktives Format auf die Beine zu stellen.

Wir freuen uns auf die Neuigkeiten der Branche und den Austausch mit unseren Partnern. Wir werden die IFA natürlich zur gemeinsamen Vorbereitung auf die bevorstehende Saison nutzen und erwarten uns einen Branchen-Impuls für das Weihnachtsgeschäft.

Expert-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Müller im infoboard.de-Gespräch: „Die IFA ist für uns als internationale Leitmesse der Branche, als Innovations- und Kommunikationsplattform ein absolutes Muss.“
Expert-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Müller im infoboard.de-Gespräch: „Die IFA ist für uns als internationale Leitmesse der Branche, als Innovations- und Kommunikationsplattform ein absolutes Muss.“

Für die Händler der Weißen Ware wird es eine IFA ohne AEG, Miele und Samsung. Aber auch eine Reihe weiterer prominenter A-Marken und viele Kleingeräte-Anbieter werden wohl fehlen. Macht da für Weiße Ware-Händler die Reise nach Berlin überhaupt einen Sinn?

Eine klare Aussage darüber, ob es sinnvoll ist, nach Berlin zu fahren, ist schwierig. Und ich gebe offen zu, dass wir uns da in einer Misere, einem regelrechten „Schwarzen-Peter-Spiel“ befinden. Letztlich muss jedes Unternehmen selbst für sich bewerten und entscheiden, ob es sinnvoll ist, nach Berlin zu reisen. Natürlich stellen sich neben den Gesundheitsaspekten auch Fragen wie: Sind meine wichtigsten Ansprechpartner überhaupt vor Ort, lohnt es sich für mich?

Man muss da Realist bleiben. Zumindest für die dem Handel vorbehaltenen „Business Lounges“ sieht es ja derzeit so aus, dass die Weiße Ware nicht nach Berlin kommt. Ich traue mir da keine Prognose zu. Wir müssen uns kurzfristig auf die jeweilige Situation einstellen. Und ich denke, dass da im Hintergrund auch die letzten Worte noch nicht gesprochen sind. Klar aber ist: Wir brauchen die IFA, um Impulse zu setzen!

Welche Kommunikationsmaßnahmen sind rund um die IFA in der Pipeline?

Auch wenn die IFA im diesjährigen Format natürlich nicht auf den Endkunden zugeschnitten ist, glauben wir fest an die Impulse der IFA mit Blick auf die Innovationen und Kaufanreize. Wir haben mit der Konzeption konkreter Kommunikationsinstrumente sofort begonnen, als das diesjährige Format der Messe bekannt gegeben wurde. Wir wollen mit der IFA einen möglichst starken Impuls für das Jahresendgeschäft setzen.

Und im Februar 2021 trifft sich ein Großteil der Branche wieder in Berlin zur KOOP-Messe von expert und Euronics. Corona wird bis dahin nicht verschwunden sein. Gibt es einen Plan-B? Euronics Vorstandssprecher Benedict Kober sagte vor wenigen Tagen mit Blick auf etwaige Alternativen: „Stand heute haben wir noch keinen Plan B. Wir werden uns auch für ein anderes Konzept wappnen müssen.“

Wir müssen aktuell davon ausgehen, dass auch die KOOP 2021 unter Corona-Bedingungen stattfinden wird. Da benötigen wir ganz sicher auch einen Plan-B. Würden wir aber jetzt einen Plan-B kommunizieren, würden sich alle nur dafür interessieren.

Wir setzten daher zunächst mal auf den Plan-A, denn die KOOP-Messe ist ja nicht mit der IFA zu vergleichen. Die KOOP 2021 wird ja zwei voneinander unabhängig Teile, also einen expert- und einen Euronics-Part haben. Unter Beachtung aller dann geltenden Vorschriften und mit vernünftigen Regularien sollten wir das hinbekommen.

Besiegelten im September 2019 die KOOP-Messe 2021 (v.l.): Benedict Kober (Euronics), Jens Heithecker (Messe Berlin) und Dr. Stefan Mülller (expert).
Besiegelten im September 2019 die KOOP-Messe 2021 (v.l.): Benedict Kober (Euronics), Jens Heithecker (Messe Berlin) und Dr. Stefan Mülller (expert).

Lassen wir Corona mal außen vor: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, denen sich expert in den kommenden Monaten stellen muss?

Auch ohne Corona haben sich die Herausforderungen der letzten Zeit nicht verändert. Wir müssen uns noch stärker in Richtung unserer Kunden positionieren, unseren Kunden zeigen, wie toll ein stationäres Geschäft, zu dem auch ein Online-Kanal gehört, ist. Und wir müssen die besten Produkte, die besten Dienstleistungen, den besten Service und die besten Mehrwerte anbieten, um unseren Kunden den Spaß an neuen Produkten zu vermitteln.

Wenn es, wie vom Handelsverband Deutschland prognostiziert, immer weniger Händler gibt, verlieren auch die Verbundgruppen über kurz oder lang Mitglieder. Ist da mittelfristig nicht auch ein Zusammenschluss etablierter Marktpartner unausweichlich? Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn expert mit Euronics …

… das Handelssterben gibt es ja seit Jahrzehnten und bekommt coronabedingt sicher noch mal einen Push. Aber unsere Branche ist ja bereits ziemlich konsolidiert. Ob da eine Kooperation der Kooperationen realistisch ist? Klar, die Phantasie darüber, die wird immer bleiben, die bekommt man nicht abgestellt.

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