Markt & Branche

Oliver Dassinger (Rüther): „Weg vom ‚nackten‘ Produkt, hin zur Komplettlösung“

Der Besuch bei Oliver Dassinger ist in diesen Tagen ein Muss. Weil er eine ganze Menge kluger Gedanken zum Wohl und Wehe des Handels in den Block diktiert. Vor allem aber, weil sein neu gestaltetes Fachgeschäft Rüther am Hauptkanal im Herzen von Papenburg eine Benchmark für die Branche setzt.


Durchgängiges Premium-Konzept: Ein Blick auf die Verkaufsfläche von electroplus Rüther.
Durchgängiges Premium-Konzept: Ein Blick auf die Verkaufsfläche von electroplus Rüther.

So viel Premium, so viel stylische wie durchdachte Inszenierung wie hier, haben wir so noch nicht gesehen. Der 600 Quadratmeter große electroplus Markenstore der EK ist nach aufwendigen Umbaumaßnahmen nicht nur in Punkto Sortiment und Gestaltung auf einem hohen Level.

Erst am 3. Januar 2022 hatte Dassinger das traditionsreiche Unternehmen Rüther von der Papenburger Gründerfamilie Hermann Nehe übernommen. Neuland hat er dabei nicht betreten, denn als früherer Geschäftsführer der MediaMarkt-Filialen in Papenburg, Leer und Emden bringt er jede Menge Branchen-Erfahrung aus dem Handel mit. Wir sind gespannt auf die offizielle Rüther-Eröffnung Ende März, wenn auch die Bereiche „Licht“ und „Living“ Premium pur atmen. Vorher bleibt aber noch Zeit für ein Interview.

Herr Dassinger, was ist für Sie und Ihr Unternehmen aktuell die größte Herausforderung?

Ganz klar die qualifizierte Personalgewinnung. Auf den Punkt gebracht: Menschen, die Verantwortung übernehmen möchten.

„Unsere Herausforderung ist es, die Tradition zu modernisieren, um neue Geschäftsfelder und Zielgruppen zu erschließen, ohne dabei unsere Stammkunden aus den Augen zu verlieren“, Oliver Dassinger (Rüther).
„Unsere Herausforderung ist es, die Tradition zu modernisieren, um neue Geschäftsfelder und Zielgruppen zu erschließen, ohne dabei unsere Stammkunden aus den Augen zu verlieren“, Oliver Dassinger (Rüther).

Mit dem Wandel zum Erlebniseinkauf, der digitalen Transformation, aber vor allem auch dem Fachkräftemangel stehen Sie vor gleichsam spannenden wie herausfordernden Aufgaben …

Stillstand darf es in unserer Branche nicht geben. Die Ansprüche der Kunden verändern sich schnell, die technischen Entwicklungen sind rasant. Unsere Herausforderung ist es, die Tradition zu modernisieren, um neue Geschäftsfelder und Zielgruppen zu erschließen, ohne dabei unsere Stammkunden aus den Augen zu verlieren.

Der Erlebniseinkauf und die digitale Transformation scheitern oft am „Wollen“ und an der nachhaltigen Umsetzung. Hier habe ich als Unternehmer die Zügel selbst in der Hand – das ist also lösbar.

Der Fachkräftemangel im Handwerk beruht nicht nur auf der Anzahl der verfügbaren Menschen, sondern auch darauf, wie die aktuelle beziehungsweise die nachfolgenden Generationen ihre eigene Zukunft sieht und plant. Hier kommen vermeintlich „einfache“ Themen wie Arbeitsteilung und Teilzeitmodelle, aber auch Elternzeit, Sabbatical und Freizeitmodelle zum Tragen.

Auch eine attraktive Grundausstattung unserer Fahrzeuge inklusive Regalierung, Werkzeuge und Basics wie Arbeitskleidung sind wichtig. Wir werden dabei nicht umhinkommen, die Führungskräfte von morgen selbst auszubilden. Dies alles geht aber nur mit einer positiven Außenwirkung und Wahrnehmung.

Ohne ein schlüssiges POS-Konzept, vor allem aber einen Point of Emotion, gibt es für Kunden immer weniger Gründe, den stationären Handel aufzusuchen. Welche Gründe liefern Sie, die den Besuch bei Rüther lohnend und zum Erlebnis machen?

Sie haben sich die Frage schon selbst beantwortet: Entscheidend ist ein schlüssiges POS-Konzept, dass emotional aufgeladen ist. Anfassen, erleben, ausprobieren, schmecken – gepaart mit der Fachkompetenz des Fachhandels und marktgerechten Preisen, die auch einem Onlinevergleich standhalten können.

Bei uns bekommen Sie das „Rundum-Sorglos-Paket“, von der Idee bis zum Anschluss ihres Wunschgerätes – alles aus einer Hand von ausgebildeten Fachkräften.

Wie lässt sich der traditionelle Handel dauerhaft mit online kombinieren?

Das Zauberwort heißt Sichtbarkeit. Eine starke Webpräsenz mit Online-Anbindung, Social Media und natürlich Google Advertising. Aktuell testen wir das Thema Addressable TV und Web-Radio um zielgerichtet sichtbar zu sein.

Wie verändern sich Ihre Sortimente, um für die Kunden relevant zu bleiben?

Wir fokussieren uns auf attraktive Sortimente, die emotional aufgeladen werden können, beispielsweise Napoleon Grills inklusive passenden Grill-Seminaren und Events oder unseren Weinkeller mit den entsprechenden Weinproben.

In den klassischen Sortimenten wie beispielsweise Licht bieten wir das Komplettpaket inklusive Lichtplanung und Installation – also weg vom „nackten“ Produkt und hin zur Komplettlösung. Dies wenden wir auch in allen anderen Warenbereichen an.

Wir wollen unserem Geschäft in Papenburg nicht nur ein neues Gesicht geben. Es geht neben dem völlig neuartigen Erscheinungsbild vor allem um den Mehrwert für unsere Kunden. Da ein bisschen Farbe an die Wand zu schmieren, reicht heute nicht mehr aus.

Mein Vorbild sind die Apple Stores, die echte Fachhandelsqualität atmen. Dort werden die Produkte zum UVP verkauft, da gibt es keine Preis-Diskussionen mit den Kunden.

Ein Top-Thema für den Handel ist Direct2Consumer. Wie sehen Sie diese Entwicklung? Eine Gefahr für den stationären Handel oder vielleicht sogar eine sinnvolle Ergänzung?

Wir tun doch in der Darstellung im Laden auch nicht anderes mit unserem Miele-, Siemens- und WMF-Shop-Systemen. Das ist geballte Kompetenz und Auswahl auf einer Fläche. D2C-Shops wecken aus meiner Sicht eher Begehrlichkeit für die Marke als dass sie Umsätze verhindern.

Die digitale Transformation stellt die gewachsenen Strukturen des stationären Handels auf den Kopf und immer öfter auch in Frage. Wie kann eine Innenstadt wie Papenburg dennoch attraktiv bleiben?

Hierzu könnte man ganz Bücher schreiben. Kurzgefasst: Eine Innenstadt ist keine Einkaufsstraße mehr, sondern ein Ort zum Verweilen, Spaß haben und eben auch um zu konsumieren. In Innenstädten werden zukünftig wieder mehr Menschen leben, arbeiten, Freizeit verbringen, ihre Kinder zur Kita bringen und eben auch Dinge einkaufen. 

Fakt ist: Mit der richtigen Idee und wenn Einkaufen wirklich zum Erlebnis wird, dann kann der Handel wachsen. Die Zukunft beginnt jetzt und wir wollen ganz vorn mit dabei sein!

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