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Euronics Summer Convention: „Kooperieren oder krepieren?“

Familientreffen mit 950 „Angehörigen“: Euronics Summer Convention im Son Amar auf Mallorca.
Familientreffen mit 950 „Angehörigen“: Euronics Summer Convention im Son Amar auf Mallorca.
Rekordbeteiligung bei der Euronics Summer Convention am vorvergangenen Wochenende in Palma de Mallorca: 950 Fachhändler, so viele wie noch nie, hatten sich auf die Reise zur Balearen-Insel gemacht, um von Vorstandssprecher Benedict Kober und seiner Führungsmannschaft aus erster Hand zu erfahren, wie sich die Verbundgruppe Euronics unter dem Motto „Mehr Wissen. Mehr Können. Mehr Umsetzen.“ für die Jahre 2020 bis 2025 aufstellen wird.

An drei Tagen gab es reichlich Gelegenheit, um das 50-jährige Jubiläum zu feiern und den Spirit der Euronics-Familie mit Emotionen und Begeisterung aufzuladen. Und dennoch war es keine Jubel-Arie: Zwischen dem Eröffnungsvortrag von Günter Althaus (Präsident des Mittelstandsverbundes), der den Gedanken der Kooperation feierte und dennoch deutliche, mahnende Worte fand und dem furiosen Finale mit Top-Speakerin Daniela Ben Said, die der Branche auf den Punkt gebracht den Spiegel vorhielt („Rabatt ist nur was für schwache Verkäufer“), standen geballte Informationen und Fachvorträge zu Strategie der Euronicer in Zeiten der digitalen Transformation. Kober: „Wir haben einen Plan!“ Und dieser Plan sieht vor, sich zu einer System- und Dienstleistungszentrale zu entwickeln, um die Mitglieder zu entlasten.

Bildgalerie Euronics Summer Convention 2019 ^

Für mehr Verkaufserfolg ^

Schon auf dem Euronics Kongress in Leipzig waren exklusive Einblicke in Zukunftspläne der Verbundgruppe für Mallorca angekündigt worden. So profitierten die Teilnehmer im Son Amar nicht nur von einigen, wenigen Produkt-Previews (es war keine Werbeverkaufsveranstaltung für Multikocher & Co. wie in den vergangenen Jahren), sondern vor allem von branchenübergreifenden Keynote-Sessions und Netzwerkveranstaltungen zwischen Handel und Industrie mit Mehrwert.

Über das Tagungsprogramm hinaus zog die Euronics Geschäftsführung eine Zwischenbilanz für das Jubiläumsjahr (läuft laut Kober ordentlich, jedoch muss in einigen Bereichen die Taktfrequenz erhöht werden. Insbesondere die Loewe-Insolvenz und die Diskussion um Huawei bereiten Bauchschmerzen) und diskutierte mit den Teilnehmern die strategische Weiterentwicklung der Verbundgruppe.

Besonders hilfreich für die anwesenden Händler waren die Praxistipps für mehr Verkaufserfolg: Angefangen bei Kommunikationstricks über Informationen zum Thema Elektromobilität (stark nachgefragt wurde die Teststrecke zum Thema e-Mobility) bis hin zur Branchenentwicklung im Trendmonitor (Verknüpfen mit Marktforschung). Das Programm der Euronics Summer Convention 2019 macht eines deutlich: Die Branche ist auf Seiten des Handels wie der Industrie mächtig in Bewegung – und Euronics reitet mit seinen Ideen, Impulsen und Innovationen (u.a. neues Logo, neues Ladendesign) auf der Welle ganz oben mit.

Knallharter Darwinismus ^

Das war auch der Tenor der Keynote-Speaker, die interessante Impulse für alle Teilnehmer zuhauf gaben und die Vorteile des Kooperations- und Genossenschaftsgedanken klar herausarbeiteten. „Wenn viele das Gleiche wollen, ist der Erfolg vorprogrammiert“, sagte eine wie immer bestens aufgelegte Judith Rakers als Moderatorin der Euronics Summer Convention. Günter Althaus sprach als Präsident des Mittelstandsverbundes gleich zu Beginn darüber, welchen Mehrwert die Arbeit im Verbund auch in der Zukunft liefern kann: „Vor uns liegt eine Marktbereinigung. Das ist knallharter Darwinismus.“ Dass Einzelhändler einzeln handeln, sei heute grundlegend falsch.

Wie die katholische Kirche ^

Für Althaus haben die Händler nur eine Wahl: „Kooperieren oder krepieren“. Eine Genossenschaft agiere wie eine Familie, sie schließe in Zeiten wie diesen ihre Reihen. Doch sind Verbundgruppen nicht vom Aussterben bedrohte Dinos? „Genossenschaften sind wie die katholische Kirche. Sie brauchen lange für ihre Entscheidung. Das macht sie dann aber stabiler“, so Althaus. Und: „Wir werden überleben, weil wir wandlungsfähig und wandlungswillig sind.“

Auf Hilfe aus Berlin brauche der Mittelstand indes nicht warten: „Die Bundesregierung versteht nicht, was der Mittelstand ist. Wir müssen uns selbst organisieren. Wir müssen selbst zum Infrastrukturgeber werden!“ Dazu gehöre u.a. eine vertikale Infrastruktur von der Produktion bis zum Kunden, die eine auskömmliche Marge generieren müsse sowie eine Finanzierungsplattform.

Harter Verdrängungswettbewerb ^

Konkrete Szenarien mit Tipps, wie man sich als Händler auf die digitale Zukunft vorbreiten kann, bekamen die Teilnehmer von Prof. Dr. Guido Baltes (Hochschule Konstanz). Auch Baltes verwandte den Begriff des Darwinismus: „Wir leben in der Zeit des digitalen Darwinismus. Es gibt einen harten Verdrängungswettbewerb.“ Einen Lösungsweg sieht Baltes darin, wenn der stationäre Handel sich seiner Plattformrolle, insbesondere in einer Verbundgruppe, begreift: „In der Zentrale lassen sich digitale Fähigkeiten aufbauen, die in der Summe der vielen Handelsflächen einen wertvollen Datenschatz ergeben. Den Einzelnen würde das Überfordern.“

Auf dem Weg zur Systemzentrale ^

So sehen das auch Benedict Kober und Jochen Mauch. Mauch hat als Bereichsleiter Marketing die Marke Euronics und die Onlinestrategie des Unternehmens in den vergangenen Jahren maßgeblich vorangetrieben. Vergangenen Herbst ist Mauch als neuer Chief Digital Officer (CDO) in die Euronics-Geschäftsleitung aufgerückt und verantwortet zusätzlich zu seinen bisherigen Aufgaben die IT-Strategie von Euronics.

Kober und Mauch haben sich – zusammen mit den Vorständen Michael Niederführ und Thomas Jacob – drei Top-Themen für die kommenden Jahre auf die Fahne geschrieben: Wertschöpfung, Kundenorientierung und Prozessvereinfachung. Kober: „Wir verbringen zu viel Zeit mit Dingen, die nicht wertschöpfend sind.“ Alleine die IT-Systeme erforderten ein hohes Maß an individueller Pflege. Der Euronics-Vorstand sieht sich daher auf dem Weg zu einer System- und Dienstleistungszentrale. Kober: „Wenn jeder Händler eine Finanzbuchhaltung hat, warum können das nicht auch 20 Leute in Ditzingen zentral übernehmen? Wir müssen den Händlern mehr Zeit für den Kunden geben.“

Neben noch mehr Qualität, noch mehr Service und noch mehr Dienstleistung will Euronics mit einem modernen Auftritt nach außen (Umflaggung aufs neue Logo und Umbau der Läden mit einem auf die jeweilige Betriebsgröße zugeschnittenen Sortiments- und Ladenbaukonzepts ab Anfang 2020) auch für mehr Transparenz und Verbindlichkeit beim Cross-Channel-Retail-Konzept (CCR) sorgen.

Die neuen Spielregeln sehen vor, nicht konzeptkonformes Verhalten mit einem Malus-System – vergleichbar der Flensburger Verkehrssünderkartei – zu ahnden. Wer sich nicht um die Datenpflege kümmert oder gar Exklusivgeräte auf Trittbrett-Plattformen (letzteres macht 30 Strafpunkte) anbietet, muss bei 100 Strafpunkten mit Kündigung seines CCR-Vertrages rechnen – ohne Ansehen von Name und Funktion bei Euronics. „Das gilt für alle“, so Kober.

Impulsgeber ^

Um auch nach einem halben Jahrzehnt ein zukunftsweisender Impulsgeber zu bleiben, setzt die Euronics in den kommenden fünf Jahren verstärkt auf strategische Weiterentwicklung. Dabei wird der bereits eingeschlagene Weg mit geschärftem Fokus weiterverfolgt, um die Zukunft des Handels aktiv mitzugestalten. Ziel ist es, umfassende Antworten auf die Herausforderungen der Branche zu liefern und Mitgliedern so schlüsselfertige Lösungen an die Hand zu geben.

Kober: „Wir werden weiterhin unsere Zukunft aktiv gestalten und die Extrameile für unsere Kunden gehen. Dafür haben wir konkrete Projekte definiert, die uns dabei helfen, die beste Verbrundgruppe Deutschlands zu bleiben.“ Von der Euronics Neuausrichtung profitiert jeder im Unternehmen – vom Auszubildenden bis zum CEO, von der Zentrale bis zum Fachhändler vor Ort.

Für Benedict Kober ist die Euronics Summer Convention jedes Jahr ein absolutes Highlight: „Wir haben hier ein Format geschaffen, welches nicht nur durch seine mediterrane Kulisse besticht, sondern vor allem einen echten inhaltlichen Mehrwert für alle Beteiligten liefert.“ Für reichlich Motivation und Mehrwert sorgte Top-Speakerin Daniela Ben Said: Ihre zwei Kernaussagen „packten“ wohl jeden (stationären) Händler: „Hören Sie auf, in Ihrer Branche zu denken. Dann sind Sie vergleichbar. Seien Sie anders, seien Sie eine echte Marke.“ Und vor allem mit Blick auf Social Media: „Wenn Du offline keinen Content hast, hast Du online nichts zu posten.“

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