Omnichannel wird für den Elektrogerätehandel zum operativen Erfolgsfaktor

Marktforschung

Der „Omnichannel Trend Report“ von Digital Commerce 360 zeigt, wie stark stationäre Flächen inzwischen in digitale Kaufprozesse eingebunden sind. Für den Elektrogerätehandel ist das besonders relevant: Kundinnen und Kunden erwarten verfügbare Produkte, verlässliche Bestandsinformationen, schnelle Abholung und eine reibungslose Verbindung von Onlineshop, App und Filiale.

Filialen bleiben im digitalen Handel zentral

Der Report macht deutlich, dass physische Standorte für den Onlinehandel nicht an Bedeutung verlieren, sondern stärker in digitale Kaufprozesse eingebunden werden. Im Jahr 2025 boten 85,9 Prozent der führenden nordamerikanischen Handelsketten mindestens eine Omnichannel-Option an. Dazu zählen etwa die Abholung online bestellter Ware in der Filiale oder die Anzeige lokaler Warenbestände im Onlineshop.

Für den Elektrogerätehandel ist diese Entwicklung besonders relevant. Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, smarte Haushaltsprodukte und Zubehör sind häufig beratungs-, verfügbarkeits- und zeitkritische Sortimente. Wenn ein defektes Gerät ersetzt werden muss oder ein Produkt kurzfristig benötigt wird, kann die Kombination aus Onlineverfügbarkeit und stationärer Abholung einen entscheidenden Vorteil darstellen.

Laut der Befragung prüften 65,7 Prozent der Onlinekäuferinnen und Onlinekäufer in den vergangenen sechs Monaten online, ob ein Produkt in einer nahegelegenen Filiale verfügbar ist. Damit wird die Bestandsanzeige zu einer zentralen Funktion im digitalen Kaufprozess. Für Elektrogerätehändler bedeutet das: Der Onlineshop ist nicht nur Verkaufskanal, sondern auch Informationssystem für den stationären Handel.

Abholung ist ein etabliertes Nutzungsmuster

Die Studie zeigt, dass Abholservices inzwischen breit genutzt werden. Nur 2,5 Prozent der Befragten hatten in den zurückliegenden sechs Monaten keine Abholung im Geschäft oder am Bordstein abgeschlossen. 27,6 Prozent kamen auf drei bis fünf Abholungen, 28,9 Prozent auf sechs bis zehn. Weitere 27,4 Prozent hatten mindestens elf Abholungen abgeschlossen.

Die wichtigsten Gründe für die Nutzung dieser Services sind Zeitersparnis und Bequemlichkeit. 48 Prozent nannten Zeitersparnis, 43,3 Prozent eine höhere Bequemlichkeit. 32,2 Prozent wollten Versandkosten vermeiden, 32 Prozent wollten nicht in den Laden gehen. 24,6 Prozent benötigten das Produkt schneller, als es per Versand möglich gewesen wäre, 23,2 Prozent wollten es noch am selben Tag erhalten.

Für die Elektrogerätebranche lassen sich daraus klare Anforderungen ableiten. Kundinnen und Kunden möchten vor dem Kauf wissen, ob ein Gerät verfügbar ist, wann es abgeholt werden kann und ob der Prozess ohne Wartezeiten funktioniert. Gerade bei größeren oder dringend benötigten Produkten kann die Filiale als Fulfillment-Punkt den Ausschlag geben.

Elektrogerätehandel liegt im relevanten Mittelfeld

In der Kategorie Unterhaltungselektronik gaben 14,5 Prozent der Befragten an, in den vergangenen sechs Monaten eine Abholung abgeschlossen zu haben. Damit liegt diese Kategorie hinter großen Handelsformaten, Spezialanbietern, Gesundheit und Kosmetik sowie Baumarkt- und Heimwerkersegmenten.

Für Anbieter von Elektrogeräten ist dieser Wert ambivalent. Einerseits zeigt er, dass Abholung im Elektroniksegment bereits genutzt wird. Andererseits deutet er auf weiteres Potenzial hin, insbesondere wenn Sortimente wie Haushaltskleingeräte, Smart-Home-Produkte, Zubehör, Ersatzteile und Installationsprodukte stärker mit lokalen Verfügbarkeiten und schnellen Abholoptionen verknüpft werden.

Auch angrenzende Kategorien sind für die Branche relevant. Baumarkt- und Heimwerkeranbieter kamen auf 21,9 Prozent, Haushaltswaren und Wohneinrichtung auf 7,6 Prozent. Viele Produktgruppen im Elektrogeräteumfeld überschneiden sich mit diesen Sortimenten, etwa Einbaugeräte, Küchenkleingeräte, smarte Beleuchtung oder vernetzte Haustechnik.

Apps werden zum Bindeglied zwischen Shop und Filiale

Der Report zeigt, dass Apps eine wichtige Rolle im Abholprozess spielen. 40,7 Prozent der Befragten nutzen häufig die App des Händlers für die Bestellung oder Abholung, 31,6 Prozent nutzen sie ausschließlich. Besonders gefragt sind Benachrichtigungen, sobald eine Bestellung abholbereit ist. 53,9 Prozent nannten diese Funktion als wünschenswert. 42,1 Prozent schätzen Textbenachrichtigungen zur Bestellung, 34,5 Prozent die Möglichkeit, dem Händler mitzuteilen, dass sie unterwegs sind.

Für Elektrogerätehändler bedeutet das: Die App sollte nicht nur als Verkaufsoberfläche betrachtet werden. Sie ist Teil der Prozesssteuerung. Relevante Funktionen sind die Anzeige lokaler Bestände, Reservierung, Abholzeitfenster, Navigation zum Abholpunkt, Statusmeldungen und die Kommunikation bei Ankunft.

Auch im stationären Umfeld gewinnen mobile Funktionen an Bedeutung. 30,7 Prozent nutzten eine App, um ein Produkt im Geschäft zu finden. 19 Prozent verwendeten einen Barcode-Scanner auf dem Mobilgerät, um weitere Produktinformationen zu erhalten. 16 Prozent machten ein Produktfoto, um auf der Website oder in der App des Händlers nach einem passenden Artikel zu suchen. Gerade im Elektrogerätehandel können solche Funktionen helfen, technische Daten, Varianten, Zubehör und Kompatibilität direkt am Regal verfügbar zu machen.

Kundenzufriedenheit hängt an Verfügbarkeit und Ausführung

Die Bewertungen der Abholerfahrungen fallen insgesamt positiv aus. Beim Kauf online mit Abholung im Geschäft vergaben 52 Prozent der Befragten eine Bewertung von neun oder zehn auf einer Zehnerskala. Bei der Abholung am Bordstein waren es 50,7 Prozent.

Die wichtigsten Faktoren für diese Bewertungen zeigen, worauf Händler achten müssen. 39,1 Prozent nannten die Wartezeit bei Ankunft, 38,4 Prozent einen reibungslosen und verständlichen Ablauf. 33,2 Prozent nannten die Verfügbarkeit des benötigten Produkts für die Abholung am selben Tag. 25,9 Prozent verwiesen auf die Möglichkeit, ein gewünschtes Abholzeitfenster zu wählen.

Für Elektrogerätehändler ist das besonders bedeutsam, weil Produktverfügbarkeit und Prozesssicherheit eng mit der Kundenzufriedenheit verknüpft sind. Falsche Bestände, unklare Abholorte oder lange Wartezeiten können den Nutzen des Omnichannel-Angebots schnell relativieren. Umgekehrt kann eine präzise Verzahnung von Warenwirtschaft, Onlineshop, App und Filialprozessen die Abholung zu einem verlässlichen Servicebaustein machen.

Rabatte, Geschwindigkeit und Nähe beeinflussen die Nutzung

Auf die Frage, welche Faktoren eine Bestellung zur Abholung wahrscheinlicher machen würden, nannten 46,5 Prozent einen Rabatt für den Onlinekauf mit Filialabholung. 42,5 Prozent nannten die Geschwindigkeit, mit der eine Bestellung abholbereit ist. 42,2 Prozent verwiesen auf Produktverfügbarkeit, 40,5 Prozent auf die Nähe zu einer Filiale.

Diese Ergebnisse sind für den Elektrogerätehandel operativ relevant. Abholung muss nicht zwangsläufig über Preisnachlässe aktiviert werden. Geschwindigkeit, Bestandssicherheit und Standortnähe sind nahezu ebenso wichtig. Händler, die ihre lokalen Bestände zuverlässig digital sichtbar machen und Abholprozesse eng takten, können damit einen konkreten Servicevorteil schaffen.

Ausblick für die Elektrogerätebranche

Die Mehrheit der Befragten erwartet für 2026 ein ähnliches Abholvolumen wie 2025. 34,6 Prozent rechnen mit mehr Abholungen, nur 6,6 Prozent mit weniger. Damit bleibt Omnichannel kein Zusatzangebot, sondern entwickelt sich weiter zu einem festen Bestandteil des Handelsbetriebs.

Für die Elektrogerätebranche liegt der Schwerpunkt künftig auf konsistenten Daten, integrierten Katalogsystemen und verlässlichen Filialprozessen. Der Report verweist zudem darauf, dass künstliche Intelligenz, vereinheitlichte Daten und Katalogsysteme künftig stärker beeinflussen werden, wie Produkte auf neuen Plattformen auffindbar werden.

Entscheidend bleibt jedoch die operative Umsetzung. Für Elektrogerätehändler zählt nicht allein, ob ein Omnichannel-Angebot vorhanden ist, sondern ob es im Alltag zuverlässig funktioniert: aktuelle Bestände, schnelle Bereitstellung, klare Kommunikation, mobile Unterstützung und geschulte Mitarbeitende in der Filiale. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob digitale Nachfrage in stationäre Stärke übersetzt werden kann.


Den Omnichannel Trend Report 2026 gibt es hier zum freien download.

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