Suchmaschinen bleiben für die Informationssuche in Deutschland der wichtigste Einstiegspunkt. KI-Assistenten gewinnen jedoch an Bedeutung und beeinflussen zunehmend, wie Verbraucher Produkte vergleichen, technische Fragen klären und lokale Anbieter finden. Für den stationären Handel erhöht sich damit die Bedeutung einer konsistenten digitalen Sichtbarkeit entlang der gesamten Informationssuche.
Suchmaschinen bleiben zentraler Zugang
Für den „Germany Web Search and AI Report 2026“ befragte YouGov zwischen dem 21. April und dem 29. Mai 2026 insgesamt 1.005 Erwachsene in Deutschland. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren.
Unter den Personen, die mindestens einmal pro Woche online nach Informationen suchen, nutzten 79 Prozent innerhalb der vergangenen 30 Tage eine Suchmaschine. KI-Assistenten und Chatbots folgten mit 39 Prozent auf dem zweiten Rang. Videoplattformen erreichten 27 Prozent, Nachrichtenangebote 26 Prozent, Karten- und Navigationsdienste 25 Prozent sowie soziale Netzwerke 24 Prozent.
Die Ergebnisse zeigen, dass die digitale Informationssuche nicht mehr über einen einzigen Kanal verläuft. Besonders jüngere Zielgruppen greifen parallel auf Suchmaschinen, KI-Anwendungen, soziale Netzwerke, Videoplattformen und Online-Communitys zurück.
Für den stationären Handel bedeutet dies, dass Auffindbarkeit nicht allein über klassische Suchmaschineneinträge hergestellt wird. Auch strukturierte Produktinformationen, aktuelle Standortdaten, Öffnungszeiten, Serviceangebote und nachvollziehbare Inhalte gewinnen an Bedeutung, wenn Verbraucher ihre Kaufentscheidung über mehrere Plattformen hinweg vorbereiten.
Die wichtigsten Ergebnisse für den stationären Handel
- Lokale Suche: 41 Prozent starten die Suche nach einem lokalen Ort über eine Suchmaschine, 35 Prozent über Karten- oder Navigationsdienste.
- Produktrecherche: 53 Prozent beginnen bei einer Suchmaschine, 14 Prozent auf Marktplätzen und zehn Prozent bei einem KI-Assistenten.
- Kaufvorbereitung: Beim Produktkauf sind Suchmaschinen für 42 Prozent und Marktplätze für 32 Prozent der erste Anlaufpunkt.
- Vertrauen: Karten- und Navigationsdienste erreichen 76 Prozent, Suchmaschinen 72 Prozent und KI-Assistenten 36 Prozent.
- Informationsprüfung: Nach einer KI-Antwort klicken 23 Prozent auf bereitgestellte Links, 20 Prozent vergleichen die Angaben mit anderen Quellen.
Für stationäre Fachhändler unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung aktueller Standortinformationen, verlässlicher Produktdaten und einer kanalübergreifenden digitalen Präsenz.
Lokale Suche bleibt für Fachhändler relevant
Bei der Suche nach einem lokalen Ort beginnen 41 Prozent der Befragten mit einer Suchmaschine. Weitere 35 Prozent nutzen zuerst eine Karten- oder Navigationsanwendung.
Damit bleiben lokale Suchergebnisse und Kartendienste wichtige digitale Kontaktpunkte für stationäre Händler. Verbraucher können dort Standorte, Erreichbarkeit und weitere Informationen prüfen, bevor sie ein Geschäft aufsuchen.
Die Studie zeigt zugleich einen Vertrauensvorsprung dieser Dienste. 76 Prozent der Online-Suchenden vertrauen Informationen aus Karten- und Navigationsanwendungen zumindest teilweise. Suchmaschinen erreichen 72 Prozent. Beide Werte liegen deutlich über dem Vertrauen in KI-Assistenten, das bei 36 Prozent liegt.
Für stationäre Fachhändler spricht dies dafür, Standortinformationen und Unternehmensprofile regelmäßig zu pflegen. Auch wenn die Studie keine direkten Aussagen zum späteren Ladenbesuch trifft, lässt sich aus der hohen Nutzung von Suchmaschinen und Kartendiensten ableiten, dass digitale Präsenz eine wichtige Voraussetzung für die lokale Auffindbarkeit bleibt.
Produktsuche beginnt überwiegend digital
Bei der Recherche nach Produkten starten 53 Prozent der Online-Suchenden mit einer Suchmaschine. 14 Prozent beginnen auf einem Marktplatz oder in einer Shopping-App, zehn Prozent bei einem KI-Assistenten.
Beim konkreten Produktkauf wählen 42 Prozent zunächst eine Suchmaschine, während 32 Prozent direkt auf einem Marktplatz oder einer Shopping-Plattform beginnen. KI-Assistenten sind in dieser Phase für vier Prozent der Befragten der erste Anlaufpunkt.
Für den stationären Elektrofachhandel zeigen diese Werte, dass die Informationsphase häufig vor dem eigentlichen Kaufkontakt beginnt. Produktdaten, Verfügbarkeitsangaben, Vergleichsinformationen und Serviceleistungen können damit bereits vor dem Besuch eines Geschäfts eine Rolle spielen.
Gerade bei beratungsintensiven Elektrogeräten kann der stationäre Handel an die digitale Recherche anknüpfen. Die Studie belegt zwar nicht, wie viele Online-Suchende anschließend ein Geschäft besuchen. Sie zeigt jedoch, dass Verbraucher Produkte online recherchieren und dabei unterschiedliche Informationsquellen kombinieren.
KI unterstützt Fragen und Problemlösung
KI-Anwendungen sind besonders bei konkreten Fragestellungen relevant. 30 Prozent der Befragten beginnen die Suche nach einer bestimmten Antwort mit einem KI-Assistenten. Bei Anleitungen und der Lösung technischer Probleme beträgt der Anteil 20 Prozent.
Unter den KI-Suchenden nutzen 64 Prozent die Anwendungen für direkte Antworten. 37 Prozent lassen Informationen zusammenfassen, 32 Prozent überprüfen Angaben aus anderen Quellen. Jeweils 26 Prozent verwenden KI für Vergleiche oder zur Problemlösung.
Für Händler ergeben sich daraus neue Anforderungen an die Bereitstellung von Produkt- und Serviceinformationen. Verständliche technische Daten, häufig gestellte Fragen, Bedienhinweise und klare Angaben zu Dienstleistungen können dazu beitragen, dass Informationen auch in KI-gestützten Suchprozessen auffindbar und nachvollziehbar bleiben.
KI ersetzt dabei nicht zwangsläufig weitere Informationsquellen. 34 Prozent der KI-Suchenden verwenden die Anwendungen parallel zu anderen Quellen. 19 Prozent greifen erst nach einer vorausgehenden Suche darauf zurück. Nur 18 Prozent bezeichnen KI als ihren primären Einstiegspunkt.
Vertrauen schafft Ansatzpunkte für persönliche Beratung
Beim Vertrauen liegen KI-Assistenten weiterhin hinter Suchmaschinen, Karten- und Navigationsdiensten sowie Nachrichtenangeboten. Unter allen Online-Suchenden vertrauen 36 Prozent den Informationen von KI-Assistenten. Bei regelmäßigen KI-Nutzern steigt der Anteil auf 67 Prozent.
Viele Nutzer überprüfen KI-Antworten weiter. 23 Prozent klicken nach einer Antwort auf bereitgestellte Links, 20 Prozent vergleichen die Angaben mit anderen Anwendungen oder Quellen. 21 Prozent beenden die Suche unmittelbar nach der KI-Antwort.
Für den stationären Fachhandel kann diese Unsicherheit eine Rolle spielen. Persönliche Beratung, nachvollziehbare Produktempfehlungen und die Möglichkeit, Geräte vor Ort zu vergleichen, bleiben Merkmale, die digitale Informationsangebote ergänzen können. Die Studie misst diesen Effekt nicht direkt, zeigt aber, dass ein erheblicher Teil der KI-Nutzer weiterhin zusätzliche Quellen zur Überprüfung heranzieht.
Transparenz ist dabei ein wesentlicher Faktor. Bestehende KI-Nutzer reagieren besonders auf Erklärungen zur Entstehung einer Antwort, Quellenangaben, offizielle Informationen und Hinweise auf Unsicherheiten. Für Händler spricht dies für klar belegte Produktangaben und eine eindeutige Trennung zwischen Information, Empfehlung und Werbung.
Autor infoboard.de (10104 Beiträge)
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