JD.com-Gründer Richard Liu hat erklärt, dass Roboter die Zustellung bei dem chinesischen E-Commerce-Konzern langfristig übernehmen werden. Damit würden die derzeit rund 700.000 Kuriere des Unternehmens „früher oder später“ nicht mehr benötigt.
Automatisierung in der Zustellung
Richard Liu, Vorsitzender von JD.com, äußerte sich beim Apec China CEO Forum in Shenzhen zur Zukunft der Logistik im Unternehmen. Nach Angaben des Ausgangstextes sagte Liu, dass Roboter künftig Pakete ausliefern und damit die heutigen Zusteller ersetzen würden.
„In the future, when robots are delivering parcels, sooner or later, there will be a day when couriers are basically no longer needed,” Liu said, according to the Financial Times. “But I really do not want our 700,000 brothers to go without meals, without jobs.”
Einen konkreten Zeitpunkt, ab wann robotergestützte Lieferungen in großem Umfang eingesetzt werden sollen, nannte Liu nicht.
Umschulungsprogramm für Beschäftigte
JD.com hat nach den Angaben ein internes Programm mit dem Namen Nirvana gestartet. Ziel ist es, Kuriere vor einer stärkeren Automatisierung in neue Tätigkeitsfelder zu überführen. Das Unternehmen hat dafür Verträge mit rund 120 Schulen in China geschlossen.
Die Beschäftigten sollen unter anderem für Tätigkeiten rund um Reparatur und Wartung der Maschinen qualifiziert werden, die künftig Teile ihrer bisherigen Arbeit übernehmen könnten. Als neue Rollen werden etwa Wartungsingenieure für Roboter und KI-Trainer genannt.
„I don’t want our 700,000 employees to be left without jobs or income,” Liu said.
In einer internen Rede, über die Bloomberg laut Ausgangstext berichtet hatte, soll Liu zudem zugesagt haben, dass JD.com keinen Frontline-Beschäftigten entlassen werde, der durch Maschinen ersetzt wird.
Offene Fragen zur Umsetzbarkeit
Die Aussagen verdeutlichen eine zentrale Spannung: Einerseits geht Liu davon aus, dass die klassische Kurierarbeit langfristig verschwindet. Andererseits stellt er in Aussicht, die bestehenden Beschäftigten durch Umschulung abzusichern.
Entscheidend wird sein, ob die Qualifizierung schneller voranschreitet als die Automatisierung. Offen bleibt auch, ob in Bereichen wie Roboterwartung oder KI-Training annähernd so viele Arbeitsplätze entstehen können, wie heute in der Zustellung bestehen. Die weitere Entwicklung der Beschäftigtenzahlen bei JD.com dürfte daher ein wichtiger Indikator für die tatsächlichen Auswirkungen sein.
JD.com treibt Logistikautomatisierung voran
JD.com beobachtet die Automatisierung nicht nur von außen, sondern setzt sie bereits in der eigenen Logistik ein. Das Unternehmen betreibt nach Angaben des Textes eine der am stärksten automatisierten Logistikstrukturen in China.
Getestet werden unter anderem unbemannte Lager, Drohnenzustellung, selbstfahrende Lieferfahrzeuge und automatisierte Abholstationen. In Shenzhen transportieren Roboter demnach Mahlzeiten zu Abfluggates am Flughafen. Andere Systeme werden eingesetzt, um Convenience-Stores über Pendlerzüge nachzubestücken.
Die Technologien, mit denen JD.com sein Logistiknetz effizienter machen will, betreffen damit zugleich die größte Beschäftigtengruppe des Unternehmens.
Bedeutung für den chinesischen Arbeitsmarkt
Die Aussagen fallen in eine Phase erhöhter arbeitsmarktpolitischer Aufmerksamkeit in China. Der Text verweist darauf, dass politische Entscheidungsträger die Auswirkungen von KI und Robotik auf Beschäftigung zunehmend beobachten.
Nach Angaben des China New Employment Forms Research Center soll die Zahl der Gig-Worker in China in diesem Jahr bei rund 320 Millionen liegen, nach 200 Millionen vor fünf Jahren. Das entspräche etwa 40 Prozent der städtischen Beschäftigung. Zugleich lag die Jugendarbeitslosigkeit im April bei 16,3 Prozent.
Vor diesem Hintergrund hätte eine stärkere Automatisierung in der Kurierbranche erhebliche arbeitsmarktpolitische Relevanz. Für die rund 700.000 Kuriere von JD.com stellt sich damit vor allem die Frage, ob neue Qualifizierungswege rechtzeitig und in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen.
Originalbeitrag: JD.com robots will replace its 700,000 couriers
