Fest installierte Klimaanlagen sind in deutschen Haushalten bislang wenig verbreitet. Nach einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag von Galaxus verfügt nur etwa jeder zwanzigste Haushalt über ein solches Gerät. Gleichzeitig gehen drei von vier Befragten in Deutschland davon aus, dass Klimaanlagen angesichts zunehmender Hitze künftig notwendiger werden. Für rund die Hälfte sprechen jedoch die laufenden Stromkosten gegen eine Anschaffung.
Haushalte setzen auf Lüften und Beschattung
Für die Untersuchung wurden 2.616 Personen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Italien und Österreich befragt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede beim Umgang mit hohen Temperaturen in Wohnräumen.
In Deutschland und der Schweiz dominieren passive Kühlmethoden. Vier von fünf Befragten in der Schweiz geben an, morgens zu lüften und die Fenster während des Tages geschlossen zu halten. Zwei Drittel nutzen Rollläden, Jalousien oder Markisen zur äußeren Beschattung. Auch in Deutschland gehören Lüften und Verdunkeln zu den häufig genutzten Maßnahmen.
Fest installierte Klimaanlagen spielen in beiden Ländern bislang eine geringe Rolle. In Italien verfügt dagegen rund die Hälfte der befragten Haushalte über ein solches System. Ventilatoren werden in fast allen untersuchten Ländern von etwa der Hälfte der Befragten eingesetzt. In der Schweiz liegt der Anteil bei rund einem Drittel.
Kosten und Umweltbedenken beeinflussen die Anschaffung
Die Gründe gegen eine Klimaanlage unterscheiden sich zwischen den Ländern. In Frankreich und Deutschland nennen jeweils etwa vier von zehn Befragten die Anschaffungskosten als Hindernis. In Deutschland werden zudem vor allem die laufenden Stromkosten als Grund für den Verzicht angegeben.
In der Schweiz stehen stärker ökologische Bedenken im Vordergrund. Mehr als jede dritte befragte Person führt Umweltaspekte als Argument gegen eine Klimaanlage an. Nur etwa jede fünfte Person hält den Einsatz von Klimaanlagen in Wohnräumen dort für ökologisch vertretbar. Damit weist die Schweiz unter den fünf untersuchten Ländern den niedrigsten Zustimmungswert auf.
Bürokratische oder bauliche Einschränkungen haben in der Schweiz eine geringere Bedeutung. Rund jede fünfte Person gibt an, keine Klimaanlage installieren zu dürfen oder nicht über den erforderlichen Platz zu verfügen. In Italien spielen ökologische Erwägungen bei der Entscheidung gegen ein Klimagerät die geringste Rolle.
Gleichzeitig nimmt die wahrgenommene Notwendigkeit von Klimatisierung zu. Vier von zehn Befragten in der Schweiz erwarten, dass Klimaanlagen angesichts häufigerer Hitzewellen wichtiger werden. In Italien vertreten acht von zehn Befragten diese Einschätzung.
Unterschiedliche Strategien für heiße Nächte
Auch bei der Kühlung von Schlafräumen zeigen sich regionale Unterschiede. In Deutschland und der Schweiz lassen jeweils etwa zwei Drittel der Befragten nachts die Fenster geöffnet. Rund die Hälfte nutzt leichtere Bettwäsche oder verdunkelt das Schlafzimmer tagsüber.
In Italien läuft bei vier von zehn Befragten die Klimaanlage nachts oder bereits vor dem Schlafengehen. Der Anteil ist damit fast doppelt so hoch wie in Frankreich, das im Ländervergleich an zweiter Stelle liegt.
Die Temperaturgrenze, ab der Hitze in Innenräumen als unangenehm wahrgenommen wird, liegt in vier der fünf untersuchten Länder überwiegend bei 26 bis 27 Grad Celsius. In Italien fällt die Toleranz höher aus: Dort empfindet etwa jede vierte Person Raumtemperaturen erst ab 28 bis 29 Grad Celsius als störend.
Absatz von Klimageräten steigt
Ob passive Kühlmaßnahmen in Deutschland und der Schweiz auch bei künftig höheren Sommertemperaturen ausreichen, bleibt offen. Nach Angaben von Galaxus erreichten die Verkäufe von Klimageräten im Juni 2026 einen neuen Monatsrekord.
Die Umfrageergebnisse deuten damit auf ein Spannungsfeld zwischen wachsendem Kühlbedarf, Investitionskosten, Energieverbrauch und ökologischen Anforderungen hin. Für Hersteller und Handel dürfte neben der Anschaffung insbesondere die Energieeffizienz der Geräte an Bedeutung gewinnen.
Autor infoboard.de (10054 Beiträge)
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