Eurocucina: Von der Schmuddelecke zur festen Größe

Franke präsentiert seine Vorstellungen von der Zukunftmusik mit Smart Cooking.
Franke präsentiert seine Vorstellungen von der Zukunftmusik mit Smart Cooking.
Während die Kölner LivingKitchen vor allem dadurch Schlagzeilen macht, wer am Rhein im Januar 2019 nicht ausstellt, schafft die Eurocucina als wieder erstarkte Leitmesse der Küchenbranche Fakten.

Als Neuheiten-Show dient die Eurocucina und mit ihr die FTK (Technology for the Kitchen) mit rund 70% Architekten, Innenarchitekten, Designern und Wohninteressierten als Besucher sicher eher nicht. Doch es ist eine veritable Kontaktbörse und Marketing-Veranstaltung. Eben Grande Show und Theater, das mögen die Italiener – und ganz offensichtlich auch das internationale Publikum.

Kontaktbörse und große Show ^

Die Mailänder Veranstaltung I Saloni + Eurocucina + FTK im Zweijahresrhythmus hat mit fast einer halben Million Zuschauer (435.0000) erneut alle Rekorde gesprengt und damit die Kölner LivingKitchen auf die Plätze verwiesen. Folge für die Besucher: Schlange stehen allerorten.

Zur ersten Ausgabe der Eurocucina 2006 war die Geräteschau FTK (Technology for the Kitchen) noch in der Schmuddelecke eines lausig belüfteten Zeltes untergebracht und mehr Forschungs- und Entwicklungsstudien vorbehalten. Daran hat sich zwölf Jahre später eine Menge geändert. Mittlerweile ist die FTK eine feste Größe zur Eurocucina. Manch ein Beobachter meint sogar, die FTK nehme langsam aber sicher den Küchenbauern immer mehr Raum weg, was nicht nur gefühlt den Realitäten entspricht: Die Küchenbauer mit 117 Unternehmen durften eine Ausstellungsfläche von 22.000 qm belegen, während sich die Gerätebauer der FTK mit 48 Ausstellern auf einer Fläche von 22.192 qm breit machen durften.

Für den Messeveranstalter COSMIT hingegen bedeutet die großzügige Raumverteilung an die Gerätehersteller eine durchaus lukrative Einnahmequelle. Bekanntlich ist die Eurocucina mehr eine (subventionierte) italienische Küchen-Leistungsschau, die die zumeist oberitalienischen Manufakturen potenter dastehen lässt als sie letztlich sind. Veritable Neuentwicklungen der Gerätebauer sind auf der Geräteschau FTK eher die Ausnahme. Deren Präsentation ist klar der Berliner IFA vorbehalten.

Bildgalerie Eurocucina ^

Heimspiel für Whirlpool ^

Größter Aussteller der FTK auf insgesamt 1.700 qm war Whirlpool mitsamt den Marken KitchenAid, Hotpoint und Indesit. Der amerikanische Gerätehersteller hat in Mailand quasi ein Heimspiel dank der oberitalienischen Produktion in der Nähe von Varese. Insofern richtete sich die Ansprache auch in erster Linie an das italienische Publikum. Internationalen Besuchern wurde von KitchenAid eine Weiterentwicklung des Multifunktionsofens Twelix 4 Artisan gezeigt.

Electrolux hat zwar eine italienische Tochter namens Zanussi, doch ist ohne diese in Mailand angereist. Wenig professionell: dieInformationen waren ausschließlich in der Landessprache der Messe abgefasst.

Siemens zweite Geige hinter Bosch ^

Auch die BSH hatte überwiegend die italienische Klientel im Blick und die italienische Köchin Rosanna Marziale für Kochshows verpflichtet. Siemens-Marken Geschäftsführer Roland Hagenbucher konnte ganz entspannt dem bunten Treiben zur Messe zuschauen: „Neuheiten zeigen wir auf der IFA“. Gezeigt hat sich auf dem Stand freilich der neue Siemens-Einbaugeräte-Key Accounter und Nachfolger von Marco Tümmler, der bekanntlich als Geschäftsführer zu Gaggenau wechseln darf, Daniel Engelhard. Abgesehen davon spielt Siemens auf der Stiefel-Halbinsel nur die zweite Geige hinter Bosch.

Fest in der Hand von Bosch und Siemens waren die Plakatwände der Metrolinien M1 (führt zum Messegelände Rho, außerhalb der Stadtgrenzen Mailands) und M2. Die Markenschwester Gaggenau hatte sich – hübsche Idee, aber nicht unproblematisch in der Umsetzung – das „Gaggenau Home“ auf relativ kleiner Fläche gestalten lassen, was dazu führte, dass in der Enge wegen der massenhaften Besucher die Geräte kaum in Augenschein genommen werden konnten.

Bora behielt Recht ^

Willi Bruckbauer, Erfinder der Downdraft-Absaugung hat sich zum 4. Mal in Mailand blicken lassen und weiß sich seit zwei Jahren unter der Markenleitung von Hansgeorg Derks, den er noch aus seiner Zeit als Bulthaup-Verkäufer kennt. Derks war damals Bulthaup Geschäftführer. Der sanfte Zeitgenosse Bruckbauer hat sich bekanntlich gegen alle Widerstände durchgesetzt und letztlich nahezu die gesamte Geräteindustrie dazu gezwungen, ihm nachzueifern. Mancher Hersteller hat seine Variante besser hinbekommen, mancher weniger gut.

Insofern freut sich Bruckbauer, trotz der massenhaften Konkurrenz, darüber, „dass Bora letztlich recht gehabt hat. Das steht quasi über allen diesen Messeständen.“ Keinen einzigen Patentstreit mit seinen Nachbauern fechtet der erfindungsreiche Bruckbauer aus, der übrigens vor gut zehn Jahren als Küchenplaner nicht weniger wollte, als die für ihn störenden Hauben weg zu bekommen und durch integrierte Absauggeräte zu ersetzen. Dass daraus letztlich eine Erfolgsgeschichte wurde und ein neues Gerät auf den Markt kam, hat er selber am allerwenigsten geglaubt. Schärfster Konkurrent ist unterdessen Miele.

Miele: Hausaufgaben gemacht ^

Miele hat sich den Auftritt zur Eurocucina wie bereits vor zwei Jahren richtig was kosten lassen. Allein die beiden Standorte, einmal auf dem Messegelände und der andere in der Nähe der Bahnstation Porta Genova, in der so genannten Zona Tortona, dürften einiges an Barmitteln verschlungen haben. Dort hatte Miele für ausgesuchte internationale Gäste eine Riesen-Show zum Dialog Garer inszenieren lassen. In Sachen Downdraft hat Miele die Hausaufgaben gemacht und mit dem TwoInOne im letzten Jahr bereits ein Kochfeld mit integriertem Abzug auf den Markt gebracht.

Zukunftsmusik bei Franke und Grundig ^

Wie auch schon bei der Vorveranstaltung 2016 gab es auch diesmal wieder einige Hersteller, die sich dem Spielen von Zukunftsmusik gewidmet haben. Sowohl Franke als auch Grundig hatten multifunktionale integrierte Arbeitsplatten-Kochfelder mit WLAN-Anschluss, Hauben-Beamern, Induktionsladeflächen für Smartphones oder Tablets als Show-Areale inszeniert. Ob diese Geräte jemals in Produktion gehen, steht noch in den Sternen.

Und ob der von Grundig gezeigte Backofen mit eingebauter Spülfunktion – Entwicklung aus dem Gastro-Profi-Bereich – jemals in Produktion gehen wird, bleibt ebenso fraglich. Die Energiewerte würden vermutlich den Rahmen der privaten Geräte komplett sprengen. Denn bekanntlich werden im Profi-Bereich ganz andere Effizienzklassen und Werte angesetzt als bei den normalen Hausgeräten.