Story

Das Albtraumjahr 2018 und die Folgen

Matthias M. Machan kommentiert.
Matthias M. Machan kommentiert.
Aktuell kommt es knüppeldick: Die Welt und mit ihr die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Handel gerät zunehmend aus den Fugen, die diversen Handelskrieg-Szenarien (Trump mal gegen China, mal gegen deutsche Autobauer) werden konkreter, ein Chaos-Brexit täglich wahrscheinlicher. Als wenn das schon nicht genug Ungemach wäre, schlägt die digitale Transformation im Handel (oft vorhergesagt) jetzt voll zu: ElectronicPartner leidet unter Medimax, Expert liegt mit 1,6 Prozent im Minus (wobei die Hausgeräte, insbesondere die Kleingeräte schlimmeres verhinderten) und bei Ceconomy, der Mutter von MediaMarkt und Saturn, fragt man sich nach dem Seuchen-Jahr 2018 wohl immer noch, wie das alles passieren konnte. Der Super-Sommer 2018, der für weite Teile des Handels eher zu unendlichen Hundstagen geriet, drückte die Kauflust quer durch die Republik gen Null.

Die Furcht der Anderen ^

Das hatte Folgen: Hier wie dort rollten Köpfe in einem nicht gekannten Ausmaß, hier wie dort wurden die Vorstände vom Hof gejagt. „Denn Sie wissen nicht, was Sie tun“, hieß es selbstkritisch bei ElectronicPartner, bei Expert sprach man von einer „ehrlichen Bestandsaufnahme“. Schlimmer noch: Normalerweise redet man ja nicht oder nur hinter vorgehaltener Hand über seine Mitbewerber. EP-Vorstand Friedrich Sobol tat dies beim jährlichen Branchentreff seiner Verbundgruppe vergangene Woche in Düsseldorf aber ganz offen: „Die Entwicklung der Ceconomy als Branchenprimus ist schlecht für die ganze Branche.“ Das zeigt, wie groß auch die Furcht der Anderen beim Blick in die Zukunft ist.

Die Probleme sind in der Tat überall vergleichbar: Sinkende Frequenzen in den Innenstädten, margenschwache Umsätze, zu große Filialen (die mit ihren Kosten wie Mühlsteine um den Hals hängen), vielerorts zu komplexe Strukturen und auch unterschätzte Kosten für die Digitalisierung. Wer seinen Online-Shop nicht wie eine weitere, eigene Filiale führt, braucht eigentlich erst gar nicht anfangen. Doch nur selten spielt die virtuelle Filiale auch die analogen, ganz realen Kosten wieder ein.

Zentralisierung. Zentralisierung. Zentralisierung. ^

Überall wird jetzt nach Rezepten gesucht und überall kommt man auch mehr oder weniger auf die gleichen Ideen. „Zentralisierung“ lautet das Gebot der Stunde. Die Bundesregierung liefert dabei die Blaupause. Mit der „Nationalen Industriestrategie 2030″ sollen deutsche Unternehmen künftig gezielter als bislang durch staatliche Maßnahmen unterstützt werden – um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Und so nimmt auch ElectronicPartner sein Sorgenkind „Medimax“ an die kurze Düsseldorfer Leine, setzt mit seiner Zentralisierung auf kurze Entscheidungswege und interne Synergien. Und natürlich setzt auch die Ceconomy künftig auf eine stärkere Zentralisierung ihrer beiden Konsumgüter-Töchter.

Steht der Fachhandel also vor der kollektiven Insolvenz? Quatsch! Ehrlich gesagt ist man bei Hausgeräten mit bis zuletzt zweistelligen Wachstumsraten in manchen Segmenten, sexy Stories und Produkten (Kaffee-Vollautomaten, Saugroboter etc.) erfolgsverwöhnt. Und Erfolg macht mitunter auch satt. It’s time for a change!

Was auffällt: Von der Krise sind eher die betroffen, die auf die jahrelang scheinbar unschlagbare Kombination aus aggressivem Preis und Sortimentsbreite gesetzt haben. Vorbei! Heute sind Einkaufserlebnisse gefragt. Was das ist, definiert ein jeder für sich anders. Das müssen keine Drohnen sein, die im Ladengeschäft umher fliegen, das muss auch nicht zwingend die Regalverlängerung via „Virtual Shelf“ oder eine Kochshow sein.

Manchmal reichen die ganz einfachen Dinge, alte Kaufmanns- und Händlertugenden eben: Top-Beratung, fundierter Service und eine kompetente Reparatur sind (nicht nur für mich) oftmals mehr wert, haben den sprichwörtlich Mehrwert, denn die technischen Gimmicks, die ein kooperierter Hochglanz-Händlers von der Stange offeriert.

Wenn es denn stimmt, dass nichts ohne sein Gegenteil wahr ist, dann wird der stationäre Handel trotz der digitalen Revolution reüssieren. Weil die Menschen und Konsumenten nach einer nicht austauschbaren Wohlfühlatmosphäre gieren, weil sie ohne die persönliche wie emotionale Ansprache gar nicht existieren können. Nicht umsonst positioniert sich das ambitionierte Kaffee-Konzept „esperto“ des Frechener Fachgroßhändlers Brömmelhaupt als „Kaffee-Experte von nebenan“, nicht umsonst sind erfolgreiche Händler wie beispielsweise Klaus-Dieter und Tobias Müller von EP: Müller in Ruppichteroth echte „local heros“, vielleicht für viele Bürger im Ort sogar bekannter als Bürgermeister Mario Loskill.

Echte Kümmerer & Problemlöser ^

„Der Fachhandel hat nach wie vor seine Existenzberechtigung“, sagt EP-Vorstand Karl Trautmann. Und: „Der Erfolg der Marke EP: ist klar der Qualitätsoffensive zuzuschreiben. Ein toller Laden, ein hochwertiger POS mit tollen Sortimenten, kompetente Beratung, motivierte Verkäufer und ein durchgängiger Auftritt an allen Kontaktpunkten zum Kunden zahlen sich aus.“ Ähnlich äußert sich der Expert-Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Müller: „Wir sind davon überzeugt, dass der Fachhandel trotz tiefgreifender Veränderungen auch in Zukunft von essenziellem Wert sowohl für Kunden sein wird. Gerade angesichts umfassender Vernetzungsmöglichkeiten und zunehmender Komplexität der Geräte wächst die Bedeutung unserer klassischen Stärken.“

So ist es. Für die Zukunft fit machen und die Kirche im Dorf stehen lassen. Denn der normale Kunde interessiert sich weder für die Bilanzen der Ceconomy noch die Turbulenzen bei Medimax. Aber er kommt gerne zu seinem Fachhändler, wenn der Preis fair, die Beratung erstklassig und der Service „rundum sorglos“ genannt werden kann. Gerade übrigens erst selbst erlebt bei Euronics XXL Johann+Wittmer in Ratingen. Bei meinem Siebträger vor einigen Monaten wie bei der Waschmaschine vergangene Woche waren echte Kümmerer und Problemlöser am Werk. Das ist für mich Einkaufserlebnis pur – so wird man zum Fan.

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