Markt & Branche

Chaos-Tage bei Ceconomy: Haas hat fertig

Seit dem Wochenende nicht mehr in Amt und Würden: Pieter Hass, CEO der Ceconomy AG.
Seit dem Wochenende nicht mehr in Amt und Würden: Pieter Hass, CEO der Ceconomy AG.
Die Nachricht kam tief in der Nacht auf Samstag: Mit Blick auf die desaströse wirtschaftliche Entwicklung bei der MediaMarktSaturn Retail Group hat der Aufsichtsrat der Muttergesellschaft Ceconomy AG Knall auf Fall die Trennung von CEO Pieter Haas mit sofortiger Wirkung beschlossen. Damit nicht genug: Auch CFO Mark Frese wird das Unternehmen verlassen – allerdings wurde er noch nicht vom Hof gejagt und bleibt noch bis zur Berufung eines Nachfolgers vorerst im Amt.

Manchmal schlägt das Leben die (kühnste) Phantasie: Samstagmorgen ist der Finanzteil der FAZ und der Blick auf die Börsenwoche Pflichtlektüre. Verlierer der Woche (mit deutlichem Abstand vor Wirecard) und einem dicken Minus von 18,08 Prozent: Ceconomy. Wenig überraschend, wenn man die Woche gedanklich rekapituliert. Mit der dritten Gewinnwarnung innerhalb eines Jahres am vergangenen Dienstag war das Vertrauen in die Führung von Ceconomy aufgebraucht. Warum eigentlich, so der Gedanke anschließend unter der Dusche, hat das auf die Führung des Unternehmens keinerlei Auswirkung? Bei jedem Fußball-Bundesligisten wäre der Trainer längst gewechselt worden!

Ceconomy Logo
Das ist CECONOMY
CECONOMY ist mehr als ein Handelsunternehmen. Wir sind die führende europäische Plattform für Unternehmen, Konzepte und Marken im Bereich Consumer Electronics. Die Welt wird zunehmend digitaler – und wir bieten die Lösungen an, die den Alltag von Kunden erleichtern. Quelle: entnommen der Ceconomy AG Webseite.

Vertrauen verspielt ^

Aber es hatte Auswirkungen, wie der dann folgende Blick auf die E-Mails der Nacht zuvor zeigte – nur das es, anders als im Fußball, noch keinen Nachfolger gibt, der das Ceconomy-Chaos befrieden könnte. Um 3.09 Uhr heißt es in der Veröffentlichung einer offiziellen Insider-Information:

„In einer außerordentlichen Sitzung haben der Aufsichtsrat der Ceconomy AG und Pieter Haas, Vorsitzender des Vorstands (CEO), im gegenseigen Einvernehmen beschlossen, sich mit sofortiger Wirkung zu trennen. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers übernehmen Mark Frese, Finanzvorstand (CFO), und Dr. Dieter Haag Molkenteller, Mitglied des Vorstands (CLCO), interimistisch die Aufgaben von Pieter Haas. Aufgrund einer Verständigung mit dem Aufsichtsrat hat sich Mark Frese entschlossen, bis zur Berufung eines Nachfolgers seine Aufgaben als Mitglied des Vorstands weiterhin wahrzunehmen und sich auf eine einvernehmliche Aufhebung seines Arbeitsvertrags zu verständigen. Der Vorstand hat beschlossen, dass Ferran Reverter Planet, Chief Operating Officer (COO) der Media-Saturn-Holding GmbH (MSH), das bisher von Pieter Haas ausgeübte Mandat als von Ceconomy entsandter Geschäftsführer der MSH wahrnehmen soll.“

Bereits am vergangenen Freitag gab es Gerüchte über einen möglichen Umbau im Ceconomy-Vorstand, nicht zuletzt ausgelöst durch den neuen Großaktionär Freenet, für den die Ceconomy-Beteiligung aktuell einer Geldverbrennungsanlage gleicht. Freenet CEO Christoph Vilanek muss sich düpiert fühlen. So geriet vor allem CFO Mark Frese unter Druck. Ihm wird offenbar die Verantwortung für die erlittenen Vertrauensverluste am Kapitalmarkt und die offensichtlichen Schwächen im Planungs- und Reporting-Prozess angelastet.

Zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge haben den Ceconomy-Unternehmenswert mal eben um rund 1 Milliarde Euro gedrückt. Für die Aktionäre, neben dem neuen Investor Freenet auch Haniel, dürfte der fortgesetzte Absturz der Ceconomy-Aktie ein Desaster sein. Gemessen an der Bewertung von Anfang Januar hat das Unternehmen zum Ende der vergangenen Woche mehr als 60 % seines Wertes eingebüßt.

Den Mund zu voll genommen? ^

Fakt ist: Das Vertrauen in Ceconomy ist erst einmal gänzlich verspielt. Wer innerhalb eines Jahres dreimal die Prognose kappt, kann das natürlich auf den Super-Sommer im Juni und August schieben – oder hat den Mund einfach zu voll genommen. Denn wahr ist auch: Das Geschäftsmodell von MediaMarkt und Saturn ist, freundlich formuliert, in die Jahre gekommen. Die großen Flächen als Ankermieter in besten City-Lagen werden im Zuge der digitalen Transformation eher zu Mühlsteinen um den Hals. Was im neuen Flagship-Store in Köln in Top-Lage funkelt und fasziniert und funktioniert, hat nichts mit einem Saturn von der Stange, sagen wir in Hilden, gemeinsam.

Und vielleicht rächt sich jetzt auch – obwohl man inzwischen viele kluge Köpfe hat, die viel Wegweisendes für die gesamte Branche aufs Gleis setzten -, dass man den Multichannel-Handel bis vor rund zwei, drei Jahren schlichtweg verpennt hatte. Den stationären Handel noch besser mit dem E-Commerce verknüpfen, das breitgefächerte Dienstleistungsangebot von der Garantieverlängerung bis zum Reparaturservice als Kundenbindungsinstrumente noch mehr forcieren? Alles richtig und enorm wichtig, doch offenbar hapert es mit dem Tempo bei der Umsetzung der strategischen Initiativen.

Kopflos ^

Da wartet viel Arbeit auf den neuen Großaktionär Freenet. Gut möglich, dass der Telekom- und Internetkonzern Freenet der eigentliche Gewinner der Ceconomy-Malaisse wird, auch wenn derzeit horrende Verluste mit der Aktie eingefahren werden und schnellere Besserung auch erst einmal nicht in Sicht ist. Denn seien wir ehrlich: Ceconomy wirkt trotz verkündeter Interimslösungen derzeit kopflos. Für den Aufsichtsrat dürfte es jedenfalls unter den gegebenen Umständen nicht einfach werden, gleichwertigen Ersatz für die geschasste Ceconomy-Führung zu finden. Branchen-Insider spekulieren bereits: Bei einer schnellen Fusion von Ceconomy mit Freenet könnte man sich die Suche gleich sparen und Media Saturn direkt unter der Freenet-Ägide aufhängen.

Die aktuellen Daten spiegeln das wider: So erwartet das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 630 Mio. EUR. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 714 Mio. EUR, und noch Mitte September war man von einem Wert in der Spanne zwischen 680 und 710 Mio. EUR ausgegangen. Von einem ursprünglich propagierten Umsatzwachstum von 3 Prozent (gerechnet wird währungs- und portfoliobereinigt nun mit einem mageren Plus von 0,2 %) und einer spürbaren Verbesserung der Marge von 5 % ist man angesichts der Hiobsbotschaften, die seit dem verkorksten letzten Weihnachtsgeschäft nicht mehr abreißen, meilenweit entfernt. Kommentar der Commerzbank: Das Vertrauen sei schwer angeschlagen. „Zahltag“ ist am 19. Dezember, dann will Ceconomy die endgültige Bilanz vorlegen.

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