Euronicschef Benedict Kober äußerte sich gegenüber dpa zum Thema JD.com und MediamarktSaturn.
Kober erwartet, dass sich durch den Einstieg von JD.com die Sortimentsstruktur bei MediaMarktSaturn verändern könnte. Sollte der Flächenanteil nicht wachsen, müssten bestehende Produkte ersetzt werden – eine Entwicklung, von der Euronics profitieren will. Hersteller, die Umsätze beim Branchenprimus verlieren, könnten diese verstärkt über alternative Kanäle generieren. Parallel rechnet Kober mit einer stärkeren Präsenz asiatischer Produkte: Es sei eine „fundierte Mutmaßung, dass chinesische Fabrikate einen deutlich stärkeren Fokus bekommen werden“.
Diese Verschiebung dürfte den ohnehin spürbaren Preisdruck im Markt weiter erhöhen. Im TV-Segment zeigt sich laut Kober bereits, wie stark günstige Anbieter aus China die Durchschnittspreise drücken. Ein ähnlicher Effekt könnte sich auch auf andere Warengruppen übertragen – mit Folgen für die gesamte Branche. Denn sinkende Preise bedeuten nicht automatisch nachhaltige Profitabilität. Genau hier setzt die Strategie von Euronics an: Statt in den Preiskampf einzusteigen, will der Verbund gezielt den Premiumanteil im Sortiment hochhalten, um stabile Margen zu sichern und die Wirtschaftlichkeit stationärer Flächen zu gewährleisten.
Gleichzeitig zeichnet sich ein grundlegender Strukturwandel ab. JD.com steht für hochoptimierte Logistik und schnelle Lieferketten – Themen wie Same-Day-Delivery könnten stärker in den Fokus rücken. Doch Kober stellt infrage, ob sich dieses Modell eins zu eins auf den deutschen Markt übertragen lässt. Viele Kundinnen und Kunden seien weiterhin daran gewöhnt, Produkte direkt im Geschäft mitzunehmen. Ob eine Lieferung „in sechs Stunden“ tatsächlich als Mehrwert wahrgenommen werde, sei offen.
Für den Fachhandel ergibt sich daraus eine klare Positionierung: Nähe zum Kunden, persönliche Beratung und Servicequalität. Gerade in komplexeren Produktkategorien wie Elektrohausgeräten bleiben diese Faktoren entscheidend. Sie bieten Differenzierungsmöglichkeiten, die digitale Plattformen nur schwer abbilden können. Unterstützt wird diese Einschätzung durch Branchenexperte Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, die stationären Anbietern zusätzliche Chancen zuschreiben – nicht zuletzt, weil ein erheblicher Teil der Konsumenten Vorbehalte gegenüber Plattformen aus Fernost hat.
Für die Elektrohausgerätebranche insgesamt verdichten sich damit zwei gegenläufige Trends: Auf der einen Seite steigt der Druck durch international skalierende Plattformen und preisaggressive Anbieter, auf der anderen Seite wächst die Bedeutung von Beratung, Vertrauen und hochwertigen Sortimenten. Kobers Aussagen machen deutlich, dass sich der Wettbewerb künftig weniger über Fläche und Preis allein entscheiden wird – sondern über die Fähigkeit, Kunden ein überzeugendes Gesamtpaket aus Produkt, Service und Einkaufserlebnis zu bieten.
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