Mehreren Medienberichten zu Folge zeigt JD.com Interesse an der britischen The Very Group. Foto: The Very Group
Wie „Sky News“ berichtet, könnte der Kaufpreis für The Very Group bei rund zwei Milliarden Pfund beziehungsweise etwa 2,3 Milliarden Euro liegen. Weder JD.com noch The Very Group haben die laufenden Spekulationen bislang offiziell kommentiert.
JD.com würde damit den nächsten Schritt seiner europäischen Wachstumsstrategie gehen. Bereits 2025 hatte der Konzern die Übernahme von Ceconomy angekündigt, die jedoch noch nicht endgültig vollzogen ist wegen des Vorbehalts regulatorischer Freigaben. Mit Ceconomy würde sich JD.com Zugriff auf die europaweiten Vertriebs- und Logistikstrukturen von MediaMarkt und Saturn sichern. Für den chinesischen Handelsriesen wäre dies ein entscheidender Baustein, um seine Technologie- und Plattformkompetenz mit etablierten europäischen Handelsmarken zu verbinden.
Die mögliche Übernahme der britischen The Very Group würde das europäische Portfolio gezielt erweitern. Das Unternehmen erzielt nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von über zwei Milliarden Pfund und verbindet Onlinehandel mit eigenen Finanzierungslösungen über die Plattform „Very Pay“. Zum Sortiment gehören unter anderem Elektronik, Wohnen und Haushaltsprodukte. Rund 4,2 Millionen Kunden nutzen die Plattform.
Besonders attraktiv dürfte für JD.com das vollständig digitale Geschäftsmodell sein. Während Ceconomy vor allem stationäre Präsenz und Omnichannel-Strukturen liefert, würde The Very Group die Position im britischen E-Commerce stärken und zusätzliche Kompetenzen im Bereich datenbasierter Kundenfinanzierung einbringen.
Laut „Boerse-Express“ hatte JD.com bereits in den vergangenen Jahren Interesse an europäischen Handelsunternehmen wie Currys und Argos gezeigt, war dort jedoch gescheitert. Mit der geplanten Ceconomy-Übernahme und dem Start der Plattform „Joybuy“ in mehreren europäischen Ländern verfolgt der Konzern seine Expansion nun deutlich konsequenter.
Im Gesamtkontext deutet vieles darauf hin, dass JD.com in Europa ein integriertes Handelsökosystem nach chinesischem Vorbild etablieren möchte – bestehend aus stationärem Handel, Plattformgeschäft, hochautomatisierter Logistik, KI-gestützter Datenanalyse und eigenen Payment-Lösungen.
Für die Elektro- und Hausgerätebranche könnte diese Entwicklung den Wettbewerbsdruck deutlich verschärfen. JD.com verfügt über erhebliche finanzielle Ressourcen sowie umfassende Erfahrung im datengetriebenen Handel und in automatisierten Lieferketten. Europäische Händler befinden sich vielerorts noch mitten in der digitalen Transformation, während JD.com bereits auf stark integrierte Plattform- und Logistikmodelle setzt.
Gleichzeitig zeigt die Entwicklung, dass internationale Investoren den europäischen Elektronik- und Haushaltsgerätemarkt weiterhin als attraktiven Wachstumsmarkt betrachten – insbesondere Unternehmen mit starken Marken, großer Kundenbasis und funktionierenden Omnichannel-Strukturen.
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