Die Europäische Kommission hat eine eingehende Untersuchung der geplanten Übernahme der Ceconomy AG durch den chinesischen E-Commerce- und Technologiekonzern JD.com eingeleitet. Grundlage der Prüfung ist die Verordnung über drittstaatliche Subventionen (Foreign Subsidies Regulation, FSR), die seit Juli 2023 in der Europäischen Union gilt.
Nach Angaben der Kommission bestehen derzeit vorläufige Bedenken, dass JD.com möglicherweise von staatlich zurechenbaren finanziellen Vorteilen aus China profitiert haben könnte. Dazu zählen nach Auffassung der Behörde unter anderem Finanzierungen zu Vorzugsbedingungen, Steuervergünstigungen und Zuschüsse. Diese könnten den Wettbewerb im europäischen Binnenmarkt verzerren und JD.com bei den Verhandlungen zur Übernahme von Ceconomy einen Vorteil verschafft haben.
Die Kommission will nun insbesondere untersuchen, ob mögliche drittstaatliche Subventionen JD.com in die Lage versetzt haben, ein besonders attraktives Übernahmeangebot vorzulegen und das zukünftige Wachstum von Ceconomy durch eigene technologische und logistische Kompetenzen zu unterstützen. Darüber hinaus soll geprüft werden, ob sich daraus nach dem Zusammenschluss Wettbewerbsverzerrungen im europäischen Markt ergeben könnten.
Ceconomy mit Sitz in Deutschland ist die Muttergesellschaft der Elektronikhändler MediaMarkt und Saturn und zählt zu den führenden Anbietern von Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräten in Europa. JD.com betreibt in China einen der größten Online-Marktplätze und bietet darüber hinaus Logistik- und Technologiedienstleistungen an.
Die Übernahme war am 17. April 2026 bei der Europäischen Kommission angemeldet worden. Die Behörde hat nun bis spätestens 2. Oktober 2026 Zeit, ihre vertiefte Prüfung abzuschließen und eine Entscheidung zu treffen. Das Verfahren wird nach Angaben der Kommission ergebnisoffen geführt. Mögliche Ergebnisse reichen von einer Freigabe ohne Auflagen über die Annahme von Verpflichtungszusagen bis hin zu einer Untersagung des Zusammenschlusses.
JD.com weist Vorwürfe zurück
JD.com betont, dass die geplante Transaktion nicht durch staatliche Fördermittel finanziert werde und kooperiert nach eigenen Angaben umfassend mit den europäischen Behörden.
„Wir stehen weiterhin in engem und konstruktivem Austausch mit der Europäischen Kommission im Rahmen des laufenden FSR-Prüfverfahrens. Wir sehen eine vertiefte Prüfung als einen üblichen Verfahrensschritt für eine Transaktion dieser Größe an. Die geplante Übernahme der Ceconomy AG durch JD.com wird nicht durch staatliche Subventionen aus China oder einem anderen Nicht-EU-Mitgliedstaat finanziert, sondern durch externe private Bankkredite und verfügbare Barmittel aus der regulären Geschäftstätigkeit.“
Und weiter heißt es in dem Statement gegenüber infoboard.de: „JD.com hat im Zusammenhang mit der Transaktion keine staatlichen Subventionen erhalten, die zu einer Wettbewerbsverzerrung in der EU führen könnten. Wir arbeiten während dieses gesamten Prozesses unverändert mit der Kommission zusammen und sind zuversichtlich, dass die Transaktion die übergeordneten Ziele Europas in Bezug auf Innovation und Wettbewerbsfähigkeit unterstützen wird.“
Die eingeleitete Untersuchung ist bereits das vierte vertiefte Fusionsprüfverfahren der Europäischen Kommission im Rahmen der FSR-Verordnung. Mit dem Instrument will die EU sicherstellen, dass Unternehmen, die von staatlichen Unterstützungen aus Nicht-EU-Ländern profitieren, keine ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteile im europäischen Binnenmarkt erlangen.
