Daniel Hager übernimmt die Spitze des ZVEI. Der Verband der Elektro- und Digitalindustrie stellt damit zentrale industriepolitische Themen wie Wettbewerbsfähigkeit, künstliche Intelligenz, Mikroelektronik und Energiepreise in den Mittelpunkt seiner aktuellen Positionierung.
Daniel Hager für drei Jahre zum Präsidenten gewählt
Der ZVEI bekommt eine neue Verbandsspitze: Daniel Hager ist am 20. Mai 2026 vom Vorstand für drei Jahre zum Präsidenten gewählt worden. „Die Digital- und Elektroindustrie ist eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen unseres Landes“, sagte Hager unmittelbar nach seiner Wahl.
In seiner Eröffnungsrede zum eSummit erklärte er, die hohe Bedeutung der Branche für technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland im politischen Dialog stärker verankern zu wollen. Bundeskanzler Merz forderte Hager auf der wichtigsten Veranstaltung der Branche dazu auf, den politischen Stillstand zu überwinden und Reformen bei Rente, Arbeitszeit und Sozialkosten einzuleiten.
„Wir müssen wieder stärker darauf schauen, was unseren Standort wirklich trägt: Leistung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.”
Mehr Spielraum für industrielle künstliche Intelligenz
Deutschland und Europa stünden vor großen Transformationsherausforderungen, sagte Hager. Dies gelte insbesondere für die Entwicklung und Nutzung künstlicher Intelligenz. Während die Usa und China Tempo machten, würden in Deutschland und Europa Regeln diskutiert, die Innovation ausbremsen könnten.
„Eine Stärke der deutschen Elektro- und Digitalindustrie liegt in der Entwicklung von KI für industrielle Anwendungen – für Roboter, Prozessindustrie, Stromnetze oder Gebäude und vieles mehr. Um sie auszuspielen, brauchen wir mehr Gestaltungsfreiräume.”
Nach Einschätzung Hagers müsse sich jede Regulierung an der Frage messen lassen, ob sie Industrie und Wirtschaft unterstütze oder Innovation behindere. Der im Trilog gefundene Kompromiss zum Ki-Omnibus sei eine erhebliche Verbesserung, erfasse aber noch nicht alle relevanten Anwendungen. „Auch bei Medizinprodukten gehört Doppelregulierung abgeschafft”, so Hager.
Europa soll Mikroelektronik-Ökosystem stärken
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Resilienz Europas. „In geopolitisch schwierigen Zeiten ist Europa unsere ‚Lebensversicherung‘. Nur ein starkes Europa hält uns im Spiel, das kaum noch anerkannten Regeln folgt. Wir müssen den Binnenmarkt ausbauen und die EU zu einem Industriebeschleuniger machen, der auf Innovation und unternehmerische Initiative fokussiert und ein faires Wettbewerbsumfeld schafft.“
Eine besondere Rolle komme technologischer Exzellenz zu, unter anderem in der Mikroelektronik. Diese sei eine Schlüsselbranche, die gefördert werden müsse. Einer neuen ZVEI-Studie zufolge verdoppelt sich der Halbleiterbedarf in Europa bis 2040.
„Auf die steigenden Bedarfe muss Europa schnell reagieren und sein Mikroelektronik-Ökosystem stärken”, fordert Hager. „Bei Schlüsseltechnologien darf Europa nicht in einseitige Abhängigkeiten rutschen.”
Strompreis als Faktor für Elektrifizierung
Auch auf der Energieseite müssten Abhängigkeiten abgebaut werden. Hager verwies darauf, dass elektrische Anwendungen in Mobilität und Gebäuden an Bedeutung gewinnen.
„Die Zukunft ist elektrisch – egal ob im Auto oder im Gebäude“, sagte Hager.
Nach Angaben des ZVEI zeigen Umfragen, dass die Attraktivität von elektrischer Mobilität und elektrischer Wärme eng mit dem Strompreis zusammenhängt. Aus Sicht des Verbands führt deshalb kein Weg daran vorbei, die Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß zu senken, wie es im Koalitionsvertrag angekündigt und von der EU-Kommission gefordert worden sei.
Langjähriges Engagement im Verband
Daniel Hager ist 54 Jahre alt und seit 15 Jahren im ZVEI aktiv. Er war unter anderem Vorsitzender des Fachverbands Elektroinstallationssysteme sowie Vorsitzender der Plattform Gebäude. Hager ist Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hager Group.
Neu zu Vizepräsidenten gewählt wurden Dr. Peter Körte von Siemens, Dr. Frank Meyer von Bosch und Dr. Peter Weckesser von Schneider Electric. Dem Engeren Vorstand gehören Dr. Markus Bergholz von Kostal, Christian O. Erbe von Erbe Elektromedizin, Philip W. Harting von Harting, Tim Holt von Siemens Energy, Ulrich Leidecker von Phoenix Contact, Philipp Steinberger von Wöhner und Andreas Urschitz von Infineon an.
