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Handel 2030+: Wie KI, Plattformen und Preisstrategien die Elektrobranche voranbringen

Der deutsche Einzelhandel startet weiterhin unter schwierigen Vorzeichen ins Jahr 2026. Wirtschaftliche Unsicherheiten, steigende Lebenshaltungskosten und eine anhaltend fragile Konsumstimmung führen dazu, dass viele Verbraucher ihre Ausgaben stärker priorisieren. Insbesondere bei größeren Anschaffungen wird genauer abgewogen – der Preis bleibt dabei das zentrale Entscheidungskriterium. So die Ergebnisse des ECC Webtalks mit Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, und Jochen Schnell, Geschäftsführer Schnell Consult.

Hudetz macht deutlich, dass sich diese Entwicklung weiter zuspitzen dürfte: Viele Konsumenten planten gezielte Einsparungen im Nonfood-Bereich, während gleichzeitig die Sorge vor weiteren Preissteigerungen hoch bleibe.

Dr. Kai Hudetz, Geschäftsführer IFH Köln, sagt, dass Einzelhändler ihre Strategien aufgrund von KI anpassen müssen. Foto: IFH Köln

Die Daten zeigen entsprechend: Ein erheblicher Teil der Konsumenten plant gezielte Einsparungen im Nonfood-Bereich, während gleichzeitig die Angst vor weiteren Preissteigerungen hoch bleibt. Diese Entwicklung führt zu einer klaren Verschiebung hin zu notwendigen Käufen und verstärkt den Druck auf margenträchtige Sortimente.

Elektrobranche als Stabilitätsanker im Nonfood-Segment

Trotz der insgesamt angespannten Lage zeigt sich die Elektro- und Consumer-Electronics-Branche vergleichsweise robust. Während viele Nonfood-Segmente real rückläufig sind, gelingt es dem Elektrobereich als einzigem Segment, ein leichtes reales Wachstum zu erzielen.

Das unterstreicht die besondere Rolle von Elektrohausgeräten: Sie gelten für viele Haushalte als funktional unverzichtbar. Vor allem Ersatzkäufe und Investitionen in energieeffiziente Geräte stabilisieren die Nachfrage. Dennoch bleibt das Wachstum fragil – und stark vom Preisniveau abhängig.

Onlinehandel etabliert sich – stationärer Handel verliert weiter

Die strukturelle Verschiebung hin zum Onlinehandel setzt sich fort, auch wenn die Wachstumsdynamik nach den Boomjahren abflacht. Der Onlineanteil ist in vielen Branchen hoch und liegt im Bereich Consumer Electronics bereits bei über 40 Prozent.

Parallel dazu stehen stationäre Handelsflächen zunehmend unter Druck. Sinkende Besucherfrequenzen in Innenstädten und eine wachsende Unzufriedenheit mit dem Angebot schwächen die Attraktivität vieler Standorte. Für den Elektrofachhandel bedeutet das: Ohne klare Differenzierung über Beratung, Service und Einkaufserlebnis wird es zunehmend schwer, Kunden in die Filialen zu ziehen.

Plattformökonomie verschärft den Wettbewerb

Schon aktuell geben 31 Prozent an, Produktrecherchen über KI-Chatbots durchzuführen. Klassische Suchmaschinen verlieren. Quelle: ECC Köln

Der Wettbewerb im Onlinehandel wird zunehmend von großen Plattformen geprägt. Amazon bleibt der dominierende Akteur, während gleichzeitig neue Player wie Temu oder Shein vor allem im Preiseinstiegssegment Marktanteile gewinnen.

Diese Entwicklung erhöht den Preisdruck erheblich und verschärft den Wettbewerb auch für etablierte Anbieter. Für die Elektrobranche wird es damit entscheidend, die eigene Plattformstrategie zu schärfen – sei es über Marktplätze oder durch den gezielten Ausbau eigener Vertriebskanäle.

KI verändert die Customer Journey nachhaltig

Chatgpt steht an der Spitze der KI-Chatbots wenn es um die Bekanntheit und Nutzung geht. Quelle: ECC Köln

Ein zusätzlicher Umbruch zeichnet sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Kaufprozess ab. Bereits heute nutzt ein wachsender Anteil der Konsumenten KI-Chatbots zur Produktrecherche – mit steigender Tendenz.

Dr. Kai Hudetz betont, dass Händler ihre Strategien grundlegend anpassen müssen: Es gelte zu analysieren, wie sich Customer Journeys durch KI verändern und wie man entlang aller Touchpoints sichtbar bleibt. „Hier muss zwischen Bestandskunden und Neukunden unterschieden werden. Fachhändler haben bislang viel Geld für die Auffindbarkeit in Suchmaschinen investiert, von SEA (mittels Anzeigen) bis SEO (mittels eigenen Contents). Jetzt ändern sich die Spielregeln und die Frage ‚Wie werde ich bei entsprechenden Anfragen über ChatGPT & Co. gefunden?‘ rückt in den Vordergrund“, sagt Hudetz.

30 Prozent der Befragten geben an, schon einmal Unterhaltungselektronik im TikTok-Shop gekauft zu haben. Quelle: ECC Köln

Gleichzeitig sollten Fachhändler stärker auf Kundenbindung setzen, damit Kunden gezielt zu ihnen kommen und nicht ausschließlich auf KI-gestützte Auswahlprozesse zurückgreifen.

Auch der Einsatz von KI-Agenten werde die Branche weiter verändern. Laut Hudetz ersetzen oder ergänzen sie zunehmend die klassische Google-Suche und unterstützen Konsumenten vor allem im Auswahl- und Entscheidungsprozess. „Agentensysteme sind schon jetzt im Einsatz, allerdings geht es im B2C im Gegensatz zum B2B in den meisten Fällen nicht um vollautomatische Systeme, sondern um eine Unterstützung im Auswahl- und Entscheidungsprozess“ betont Hudetz. „Es wird ganz entscheidend sein, wo diese Agenten genutzt werden, ob übergreifend über Systeme wie Gemini, ChatGPT, Claude oder Perplexity oder im Shop eines Anbieters wie beispielsweise Rufus bei Amazon. Im ersten Schritt wird dies vor allem die Online-Angebote betreffen, aber auch die Auswahl von stationären Geschäften wird sich so verändern. Wie genau muss sich aber erst noch zeigen.“

Fazit: Polarisierung und Differenzierung entscheiden über den Erfolg

Die unterschiedlichen Szenarien zeigen auf, dass der Wachstumskorridor in den nächsten Jahren für den Einzelhandel schmal ist. Quelle: ECC Köln

Der Blick nach vorn zeigt einen Einzelhandel mit begrenzten Wachstumschancen und gleichzeitig steigenden strukturellen Herausforderungen. Die Mitte gerät zunehmend unter Druck, während sich Chancen vor allem im Premium- und Preiseinstiegssegment eröffnen.

Für die Elektrohausgerätebranche bedeutet das: Erfolg wird künftig weniger über den reinen Vertriebskanal entschieden, sondern über eine klare strategische Positionierung. Wer es schafft, Preisattraktivität mit Servicequalität, Markenstärke und digitaler Kompetenz zu verbinden, kann sich auch im Krisenmodus behaupten.

Rita Breer

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