Marktforschung

NIQ: Refurbished-Produkte werden zum Wachstumstreiber im Elektronikmarkt

Der Markt für wiederaufbereitete Elektronikgeräte entwickelt sich zunehmend vom Nischensegment zum zentralen Wachstumstreiber der Branche. Laut aktuellen Marktdaten von NIQ legten refurbished Smartphones, Tablets, Wearables und Notebooks im Jahr 2025 sowohl im Absatz als auch im Umsatz jeweils um mehr als 30 Prozent zu – und übertrafen damit die Entwicklung von Neugeräten deutlich.

Besonders im Smartphone-Segment zeigt sich die Verschiebung der Marktkräfte: Während der Absatz neuer Geräte 2025 um 5 Prozent zurückging (Umsatz: –3 Prozent), wuchs das refurbished Segment um 38 Prozent im Absatz und 36 Prozent im Umsatz. Die Dynamik setzte sich auch 2026 fort – im ersten Quartal lag das Absatzplus bei 39,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt erreichte der Refurbished-Markt im ersten Quartal 2026 ein Umsatzwachstum von 47,9 Prozent.

Auch in anderen Produktkategorien zeigt sich ein ähnliches Bild: Wearables verzeichneten 2025 ein Absatzplus von 53 Prozent, Tablets von 46 Prozent und Laptops von 45 Prozent. Parallel dazu steigt die Bedeutung von Geräten, die refurbished sind, innerhalb der jeweiligen Märkte kontinuierlich. So erhöhte sich der Anteil bei Smartphones von rund 7 auf 10 Prozent, bei Tablets von 8 auf 11 Prozent.

Preisvorteile und Premium-Nachfrage als zentrale Treiber

Ein wesentlicher Wachstumsmotor bleibt der Zugang zu hochwertiger Technik zu reduzierten Preisen. Refurbished-Produkte sind im Schnitt 15 bis 25 Prozent günstiger als vergleichbare Neugeräte, teilweise auch deutlich darunter. Entsprechend konzentriert sich die Nachfrage vor allem auf Premium-Modelle und ehemalige Flaggschiffe. Rund ein Drittel der verkauften refurbished Smartphones entfällt auf aktuelle oder direkt vorherige Modellgenerationen.

Im volumenstarken Smartphone-Segment dominieren Geräte im Preisbereich zwischen 200 und 400 Euro, die 2025 rund 54 Prozent des Absatzes ausmachten. Im Tablet-Markt zeigt sich hingegen eine klare Präferenz für höherpreisige Geräte: Hier lag der durchschnittliche Verkaufspreis refurbished Tablets mit 463 Euro sogar über dem von Neugeräten (402 Euro).

Online-Kanäle dominieren – stationärer Handel holt auf

Der Vertrieb refurbished Produkte erfolgt weiterhin überwiegend online: Rund 90 Prozent der Käufe werden über digitale Kanäle abgewickelt. Hersteller bauen zunehmend eigene Refurbishment-Angebote auf und vermarkten diese direkt über ihre Onlineshops.

Im stationären Handel zeigen sich jedoch erste Wachstumsimpulse. Insbesondere im Notebook-Segment hat sich der Absatz zwischen 2024 und 2025 mehr als verdoppelt, der Marktanteil stieg von 4,5 auf 8 Prozent.

Nachhaltigkeit und Regulierung stärken den Trend

Neben Preisargumenten gewinnt der Nachhaltigkeitsaspekt weiter an Bedeutung. „Refurbished-Produkte bedienen den Zeitgeist. Geräte werden länger benutzt, das schont die Umwelt“, erklärt Julia Kalkowski, Expertin für technische Konsumgüter bei NIQ. „Gleichzeitig sparen Konsumenten Geld beim Kauf, profitieren aber trotzdem von modernster Technik.“

Zusätzlichen Rückenwind erhält der Markt durch regulatorische Vorgaben. Mit der Umsetzung der EU-Richtlinie „Right to Repair“ in deutsches Recht ab Juli 2026 wird der Zugang zu Reparaturen erleichtert. Hersteller müssen künftig Ersatzteile über mehrere Jahre vorhalten und umfassende Reparaturinformationen bereitstellen – ein Vorteil auch für Refurbisher.

Ausblick: Verfügbarkeit wird zum Engpass

Die Perspektiven für den Refurbished-Markt bleiben positiv. Steigende Preise für Neugeräte und eine wachsende Akzeptanz bei Konsumenten dürften die Nachfrage weiter antreiben. Gleichzeitig könnte die Verfügbarkeit geeigneter Gebrauchtgeräte zum limitierenden Faktor werden: Längere Nutzungszyklen reduzieren das Angebot an vergleichsweise jungen Geräten, die sich besonders gut für eine Wiederaufbereitung eignen.

Rita Breer

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