Marktforschung

Das Konsumklima in Deutschland bleibt trotz höherer Anschaffungsneigung auf niedrigem Niveau

Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt im Juli 2026 kaum Bewegung. Während die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen moderat zunimmt und sich die Konjunkturerwartungen etwas aufhellen, belasten schwächere Einkommenserwartungen und eine höhere Sparneigung das Konsumklima. Für August wird ein Wert von minus 29,6 Punkten prognostiziert.

Verbraucherstimmung gibt geringfügig nach

Das NIM Konsumklima powered by GfK sinkt gegenüber dem revidierten Vormonatswert um 0,3 Punkte. Für August 2026 wird ein Indikatorwert von minus 29,6 Punkten erwartet. Im Juli hatte der Wert bei minus 29,3 Punkten gelegen.

Damit bleibt die Verbraucherstimmung auf einem niedrigen Niveau. Die einzelnen Indikatoren entwickeln sich allerdings unterschiedlich: Während die Anschaffungsneigung und die Konjunkturerwartungen zulegen, verschlechtern sich die Einkommenserwartungen. Gleichzeitig nimmt die Sparneigung wieder zu.

Die Daten basieren auf rund 2.000 Verbraucherinterviews, die zwischen dem 2. und 13. Juli 2026 im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurden. Das Konsumklima gilt als Frühindikator für die Entwicklung des privaten Konsums im Folgemonat.

Die Tabelle zeigt die Werte der einzelnen Indikatoren im Juli 2026 im Vergleich zum Vormonat und Vorjahr.

Einkommenserwartungen trüben sich ein

Nach einer leichten Aufhellung in den vergangenen Monaten gehen die Einkommenserwartungen wieder zurück. Der entsprechende Indikator verliert 2,3 Punkte und erreicht minus 14,5 Punkte.

Damit beurteilen Verbraucherinnen und Verbraucher die voraussichtliche finanzielle Lage ihrer Haushalte in den kommenden zwölf Monaten weiterhin überwiegend pessimistisch. Im Juli 2025 hatte der Indikator noch bei 15,2 Punkten gelegen.

Gleichzeitig steigt die Sparneigung um 3,1 Punkte auf 17 Punkte. Im langfristigen Vergleich ist dieser Wert hoch. Der Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag nach Angaben des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen bei etwa minus 24 Punkten.

Der Anstieg deutet darauf hin, dass viele Haushalte das Sparen angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage weiterhin für sinnvoll halten. Die zu Jahresbeginn beobachtete rückläufige Sparneigung setzt sich damit vorerst nicht fort.

Bereitschaft zu größeren Anschaffungen steigt moderat

Die Anschaffungsneigung verbessert sich im Juli um 3,5 Punkte auf minus 9,9 Punkte. Verbraucherinnen und Verbraucher bewerten den Zeitpunkt für größere Anschaffungen damit etwas günstiger als im Vormonat.

Der Indikator bleibt jedoch im negativen Bereich und signalisiert weiterhin eine zurückhaltende Konsumbereitschaft. Zu den abgefragten größeren Anschaffungen zählen unter anderem Möbel sowie elektrische und elektronische Geräte.

Für die Elektrogerätebranche bedeutet der Anstieg daher noch keine grundsätzliche Trendwende. Er kann jedoch als Hinweis darauf verstanden werden, dass sich die Konsumzurückhaltung gegenüber dem Vormonat leicht abgeschwächt hat.

„Die Verbraucherstimmung bleibt weitestgehend unverändert“, erklärt Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM. „Die Anschaffungsneigung verzeichnet zwar einen moderaten Anstieg, bleibt aber nach wie vor sehr verhalten. Die Einkommensaussichten verzeichnen wieder einen leichten Rückgang und die Sparneigung zieht wieder moderat an. Die anhaltende Verunsicherung führt dazu, dass viele Haushalte beim Konsum nach wie vor zurückhaltend bleiben“.

Konjunkturerwartungen verbessern sich zum dritten Mal in Folge

Die Konjunkturerwartungen steigen im Juli zum dritten Mal hintereinander. Der Indikator legt um 2,4 Punkte auf minus 6,3 Punkte zu. Der wirtschaftliche Pessimismus nimmt damit weiter ab.

Die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher rechnet dennoch weiterhin mit einer Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage in den kommenden zwölf Monaten. Im Juli 2025 hatte der Indikator noch bei 10,1 Punkten gelegen.

Auch die Inflationssorgen nehmen wieder etwas zu. Nach dem Auslaufen des Tankrabatts Ende Juni stiegen die Preise an den Zapfsäulen spürbar. Der Indikator für die Preiserwartungen erhöht sich um 0,8 Punkte auf minus 2,1 Punkte.

Insgesamt ergibt sich damit ein uneinheitliches Bild. Die verbesserten Konjunkturerwartungen und die leicht gestiegene Anschaffungsneigung stabilisieren das Konsumklima. Niedrigere Einkommenserwartungen und eine höhere Sparneigung verhindern jedoch eine deutlichere Erholung.

Bei den Ergebnissen handelt es sich um subjektive Stimmungsindikatoren und nicht um direkte Verhaltensdaten. Tatsächliche Käufe und Sparentscheidungen hängen zusätzlich von Faktoren wie Liquidität, Preisen, Bedarf und individuellen Lebensumständen ab.

infoboard.de

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