Marktforschung

Technikmarkt wächst trotz hoher Preissensibilität

Der weltweite Markt für Consumer Tech und technische Gebrauchsgüter soll 2026 nach Einschätzung von NIQ auf ein Umsatzvolumen von 1,4 Billionen US-Dollar wachsen. Das entspricht einem Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig wägen Verbraucher Anschaffungen genauer ab: Preis, Langlebigkeit, Energieeffizienz und ein klar erkennbarer Produktnutzen bestimmen zunehmend die Kaufentscheidung.

Die aktuellen NIQ-Zahlen zur IFA 2026 zeigen damit ein zweigeteiltes Bild. Einerseits wächst der Technikmarkt wertmäßig weiter. Andererseits bleibt die Preissensibilität hoch. Weltweit haben 56 Prozent der Verbraucher den Kauf eines Technikprodukts bereits verschoben, weil das Produkt zu teuer war oder sie auf ein günstigeres Angebot warteten. Insgesamt stuft NIQ 63 Prozent der Käufer von Consumer Tech und technischen Gebrauchsgütern als stark preissensibel ein.

Der niedrigste Preis entscheidet jedoch nicht allein. 60 Prozent der weltweit Befragten bevorzugen Marken, die aus ihrer Sicht ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. In der zugrunde liegenden Studie „Consumer Tech Trends 2027“ stehen bei der Bewertung des Produktwerts Langlebigkeit, hohe Qualität, Alltagserleichterung und Vertrauen in die Marke vor einem möglichst niedrigen Preis. „Preisgünstig“ landet in dieser Rangfolge erst auf Platz acht.

Deutschland setzt auf Langlebigkeit und Energieeffizienz

Auch in Deutschland bleibt der Preis ein wesentlicher Faktor. Nach Angaben von NIQ haben 50 Prozent der Befragten den Kauf von Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräten oder anderen Technologieprodukten bereits verschoben, weil ihnen das Produkt zu teuer war oder sie auf Rabatte warteten.

Gleichzeitig spielen langfristige Produkteigenschaften eine wichtige Rolle. 81 Prozent der deutschen Verbraucher bewerten die Langlebigkeit eines Produkts als wichtiges Kriterium bei der Kaufentscheidung. 77 Prozent nennen Energieeffizienz beziehungsweise niedrigere laufende Kosten als relevant.

Die Studie bestätigt die steigende Bedeutung der Energieeffizienz auch anhand der Marktentwicklung. Bei Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräten, Geschirrspülern und Trocknern stieg der Umsatzanteil von Geräten der besten Energieeffizienzklasse A in Europa von 23 Prozent im Jahr 2024 auf 30 Prozent 2025. Von Januar bis März 2026 lag er bereits bei 35 Prozent.

Damit rückt für Hersteller und Handel neben dem Anschaffungspreis stärker die Frage der Betriebskosten in den Vordergrund. Gerade bei großen Hausgeräten sieht NIQ Energieeffizienz, Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Bedienkomfort und Gesamtbetriebskosten als zentrale Argumente im Ersatzgeschäft.

Kleingeräte wachsen überdurchschnittlich

Für 2026 erwartet NIQ insbesondere in den Bereichen Telekommunikation und Elektrokleingeräte überdurchschnittliches Wachstum. Der Telekommunikationsmarkt soll wertmäßig um 8 Prozent zulegen, Small Domestic Appliances um 7 Prozent. Für Großgeräte prognostiziert NIQ ein Plus von 3 Prozent. Consumer Electronics sowie Information Technology sollen jeweils um 2 Prozent wachsen.

Bei Elektrokleingeräten sieht NIQ das Wachstum vor allem dort, wo Produkte konkrete und nachvollziehbare Vorteile bieten. Verbraucher seien trotz ihrer zurückhaltenden Ausgabenbereitschaft bereit, für Geräte mehr auszugeben, wenn diese Zeit sparen, Arbeitsaufwand reduzieren oder Abläufe im Alltag vereinfachen.

Die Verkaufsdaten der Studie verdeutlichen diesen Effekt. Während der Umsatz mit Staubsaugern insgesamt um 9 Prozent zulegte, erreichten Saugroboter ein Plus von 37 Prozent und Nass-Trockensauger 33 Prozent. Klassische Pumpen-Espressomaschinen wuchsen um 20 Prozent, während die Kategorie Heißgetränkezubereiter insgesamt um 3 Prozent zulegte.

Auch bei Großgeräten entwickeln sich Produktsegmente mit konkreten Zusatzfunktionen überdurchschnittlich. Kochfelder mit integriertem Dunstabzug und flexibler Induktion verzeichneten ein Umsatzplus von 21 Prozent gegenüber 8 Prozent bei Einbaukochfeldern insgesamt. Waschmaschinen mit Dampffunktion kamen ebenfalls auf 21 Prozent Wachstum, während die gesamte Kategorie um 6 Prozent zulegte.

Mehrwert muss den höheren Preis rechtfertigen

NIQ fasst die veränderte Konsumhaltung unter dem Begriff „justified consumption“ zusammen. Verbraucher prüfen demnach stärker, ob ein Produkt seinen Preis nicht nur beim Kauf, sondern auch langfristig rechtfertigt. Das kann zu verschobenen Käufen und längeren Ersatzzyklen führen, eröffnet zugleich aber Möglichkeiten für höherpreisige Produkte, wenn deren Nutzen klar erkennbar ist.

„Verbraucher wollen nach wie vor Innovation, benötigen aber zunehmend einen überzeugenden Grund zum Kauf“, so Alexander Dehmel, Experte für Tech & Durables bei NIQ. „Die Käufer von heute fragen sich: ‘Welche Vorteile und welchen Mehrwert bietet mir dieses Produkt?’ Im Jahr 2027 werden die Marken am erfolgreichsten sein, die diese Vorteile auf verständliche Weise vermitteln und Verbrauchern so das Leben erleichtern.“

Die Studie zeigt zugleich, dass Unsicherheit über Qualität und Produktauswahl Kaufentscheidungen bremsen kann. 39 Prozent der Befragten haben einen Kauf bereits verschoben, weil sie sich hinsichtlich Qualität oder Zuverlässigkeit unsicher waren. Für 71 Prozent haben Garantien oder Rückgaberegelungen einen starken beziehungsweise sehr starken Einfluss auf die Kaufentscheidung, für 70 Prozent gilt dies für die Markenreputation und für 65 Prozent für Nutzerbewertungen.

Für Hersteller und Handel folgt daraus nach Einschätzung von NIQ, dass Innovation stärker über nachvollziehbare Vorteile vermittelt werden muss. In der Studie werden insbesondere Langlebigkeit, laufende Kosten, Energieeffizienz, Bedienkomfort und eine transparente Darstellung von Produkteigenschaften als relevante Faktoren genannt. Bei künftigen Anschaffungen interessieren sich beispielsweise 83 Prozent der Befragten für langlebigere Produkte, 76 Prozent für ein besseres Energiemanagement und ebenso viele für einfache Bedienmöglichkeiten.

Umsatzwachstum teilweise durch Währungseffekte geprägt

Das prognostizierte weltweite Umsatzwachstum von 5,1 Prozent muss allerdings auch vor dem Hintergrund von Preis- und Währungseffekten betrachtet werden. Im ersten Quartal 2026 stieg der weltweite Umsatz mit Consumer Tech und technischen Gebrauchsgütern in US-Dollar um 9 Prozent, in lokalen Währungen dagegen lediglich um 3 Prozent. Gleichzeitig ging die verkaufte Stückzahl um 1,2 Prozent zurück.

NIQ führt die Differenz unter anderem auf die Schwäche des US-Dollar sowie höhere Produktpreise infolge gestiegener Energie-, Rohstoff- und Komponentenkosten zurück. Das wertmäßige Marktwachstum ist somit nicht ausschließlich auf eine stärkere Nachfrage nach höherpreisigen Produkten zurückzuführen.

Dennoch zeigen die Daten, dass Premiumisierung in ausgewählten Segmenten funktioniert. Voraussetzung ist laut Studie, dass zusätzliche Funktionen einen konkret erkennbaren Nutzen bieten. Für Hersteller und Handel dürfte damit weniger die Zahl neuer Funktionen entscheidend werden als die Frage, ob sich deren Mehrwert für Verbraucher nachvollziehbar darstellen lässt.


Hier geht es zur ganzen Studie: Consumer Tech Trends 2027: Tech & Durables Report | NIQ

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