Deutscher Nonfood-Handel bleibt 2025 unter Druck

Marktforschung
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Die am 26. August 2026 veröffentlichte Studie „Einzelhandel Europa 2025 und 2026“ von NIQ Geomarketing zeigt ein differenziertes Bild des europäischen Einzelhandels. Während die Kaufkraft 2025 weiter gestiegen ist, verliert der Einzelhandel innerhalb der privaten Konsumausgaben an Bedeutung. Für die Elektrogerätebranche sind insbesondere die schwache Entwicklung des deutschen Nonfood-Handels und die Zurückhaltung bei nicht notwendigen beziehungsweise größeren Anschaffungen relevant. Der Redaktionsschluss der Studie lag im Juli 2026.

Die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft in den 27 EU-Mitgliedstaaten erreichte 2025 nach Berechnungen von NIQ Geomarketing 22.425 Euro. Damit lag sie nominal 3,3 Prozent über dem revidierten Vorjahreswert. Insgesamt standen den Einwohnern der EU-27 rund 10,1 Billionen Euro für Lebensmittel, Einzelhandelseinkäufe, Wohnen, Dienstleistungen, Energie, Versicherungen, Reisen und Mobilität zur Verfügung.

Deutschland verfügt weiterhin über ein überdurchschnittlich hohes Kaufkraftniveau. Mit 29.566 Euro je Einwohner belegte die Bundesrepublik 2025 Rang fünf unter den EU-27-Staaten und erreichte einen Kaufkraftindex von 131,8 bei einem EU-Durchschnitt von 100. Zugleich zählt laut Studie keine deutsche Region zu den wachstumsstärksten Regionen Europas, während alle deutschen Regionen weiterhin unter den 100 kaufkraftstärksten Regionen des Kontinents liegen.

Einzelhandelswachstum bleibt hinter der Kaufkraft zurück

Der Einzelhandelsumsatz in den EU-27 erreichte 2025 rund 3,15 Billionen Euro und stieg gegenüber dem Vorjahr nominal um 2,1 Prozent. Damit verlangsamte sich das Wachstum nach 3,0 Prozent im Jahr 2024 und 5,5 Prozent im Jahr 2023 weiter. NIQ führt diese Entwicklung unter anderem auf höhere Ausgaben für Dienstleistungen und andere Bereiche außerhalb des Einzelhandels sowie auf ein selektiveres Kaufverhalten bei nicht zwingend notwendigen Anschaffungen zurück.

Deutschland entwickelte sich dabei schwächer als der EU-Durchschnitt. Der Einzelhandelsumsatz legte 2025 lediglich um 1,2 Prozent zu. NIQ verweist in diesem Zusammenhang auf das geringe Wirtschaftswachstum und das verhaltene Verbrauchervertrauen. Viele Haushalte gingen demnach bei nicht zwingend notwendigen Ausgaben weiterhin vorsichtig vor.

Gleichzeitig beobachtet die Studie auch gegenläufige Effekte. Niedrigere Zinsen und nachgeholte Anschaffungen, die zuvor aufgeschoben worden waren, sorgten in Deutschland für eine gewisse Belebung des Konsums. Nach Angaben von NIQ zeigte sich dieser Effekt besonders bei größeren Anschaffungen. Eine eigene Auswertung für Elektrogeräte oder Hausgeräte enthält die Studie allerdings nicht. Die Aussage kann daher lediglich als Hinweis auf das Umfeld langlebiger Konsumgüter verstanden werden und nicht als konkreter Branchenwert für Elektrogeräte.

Deutscher Nonfood-Umsatz sinkt um 1,4 Prozent

Für den Elektrogerätehandel ist vor allem die Entwicklung des Nonfood-Segments von Interesse. EU-weit legte der Nonfood-Einzelhandel 2025 nominal um 2,6 Prozent zu, während FMCG um 1,5 Prozent wuchs. Die Entwicklung unterscheidet sich jedoch deutlich zwischen den europäischen Märkten.

In Deutschland zeigt sich das umgekehrte Bild zum EU-Durchschnitt. Während die FMCG-Umsätze um 3,9 Prozent stiegen, ging der Nonfood-Umsatz um 1,4 Prozent zurück. NIQ wertet dies als Hinweis darauf, dass viele Haushalte weiterhin Ausgaben des täglichen Bedarfs priorisieren und bei nicht notwendigen Anschaffungen zurückhaltender bleiben. Sämtliche in der Studie ausgewiesenen Veränderungsraten beziehen sich auf nominale Werte und sind nicht inflationsbereinigt.

Für die Elektrogerätebranche ist diese Entwicklung ein relevanter übergeordneter Marktindikator. Eine direkte Gleichsetzung mit den Umsätzen von Hausgeräten, Consumer Electronics oder anderen Elektrogerätekategorien ist jedoch nicht möglich, da NIQ diese Warengruppen in der vorliegenden Studie nicht separat ausweist.

Deutschland mit niedrigstem Einzelhandelsanteil in der EU

Parallel zur Umsatzentwicklung verliert der Einzelhandel innerhalb der privaten Konsumausgaben weiter an Bedeutung. In den EU-27 sank sein Anteil 2025 auf 31,9 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 32,7 Prozent, 2021 lag der Wert beim pandemiebedingten Höchststand von 35,3 Prozent. Damit ging der Einzelhandelsanteil bereits das vierte Jahr in Folge zurück.

Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Deutschland. Mit einem Anteil von 22,2 Prozent weist die Bundesrepublik 2025 den niedrigsten Wert aller 27 EU-Mitgliedstaaten auf. 2024 hatte der Anteil noch bei 25,1 Prozent gelegen. Damit fließt inzwischen weniger als ein Viertel des privaten Konsums in den Einzelhandel.

In Ost- und Südosteuropa ist der Einzelhandelsanteil dagegen deutlich höher. Kroatien führt innerhalb der EU mit 48,3 Prozent, gefolgt von Litauen mit 45,7 Prozent, Bulgarien mit 44,0 Prozent und Ungarn mit 43,2 Prozent. NIQ führt die Unterschiede unter anderem darauf zurück, dass Haushalte in Märkten mit niedrigerem Einkommensniveau einen größeren Anteil ihrer Ausgaben für Güter des täglichen Bedarfs verwenden.

Kaufentscheidungen werden selektiver

Die Studie beschreibt zugleich einen strukturellen Wandel bei den Konsumprioritäten. Mit steigendem Wohlstand fließt ein größerer Anteil der Haushaltsbudgets in Dienstleistungen wie Reisen, Freizeit, Gesundheitsversorgung, Wohnen oder digitale Angebote. Die relative Bedeutung des Einzelhandels nimmt dadurch ab.

Nach Einschätzung von NIQ bedeutet dies jedoch keinen generellen Konsumverzicht. Verbraucher entscheiden vielmehr bewusster, wofür sie ihr verfügbares Einkommen einsetzen. Neben einem attraktiven Preis gewinnen demnach Qualität, Komfort, Funktionalität und vertrauenswürdige Marken an Bedeutung. Auch Sonderangebote spielen eine größere Rolle, während die Loyalität gegenüber einzelnen Händlern abnimmt.

Für den Elektrogerätehandel ergibt sich daraus ein Marktumfeld, in dem eine hohe Kaufkraft nicht automatisch zu höheren Ausgaben für langlebige Konsumgüter führt. Die NIQ-Daten zeigen für Deutschland vielmehr eine Kombination aus überdurchschnittlichem Kaufkraftniveau, rückläufigem Nonfood-Umsatz und einer Verschiebung der privaten Konsumausgaben zugunsten anderer Bereiche. Punktuelle Impulse durch nachgeholte größere Anschaffungen stehen damit einer weiterhin zurückhaltenden Konsumentwicklung gegenüber.

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