Hausgeräte-Markt: Viel Licht – aber Wolken am Horizont

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Miele-Chef Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Elektro-Haushalt-Großgeräte: „Deutschland bleibt ein sehr wettbewerbsintensiver Markt. Die hohe Kaufkraft und die immer noch gute Konsumstimmung motiviert Anbieter, im deutschen Markt aktiv zu werden oder ihr Angebot hierzulande auszuweiten.“
Miele-Chef Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Elektro-Haushalt-Großgeräte: „Deutschland bleibt ein sehr wettbewerbsintensiver Markt. Die hohe Kaufkraft und die immer noch gute Konsumstimmung motiviert Anbieter, im deutschen Markt aktiv zu werden oder ihr Angebot hierzulande auszuweiten.“

Was für eine Erfolgsstory: Der deutsche Markt für Hausgeräte kennt nur einen Weg: nach oben! In 2015 wächst er zum achten Mal in Folge und auch für 2016 stellt sich die Branche auf Wachstum ein. Der Herstellerumsatz mit Groß- und Kleingeräten wird sich zum Jahresende 2015 auf insgesamt 8,2 Mrd. EUR belaufen, so Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektro-Haushalt-Großgeräte und Vorstandsmitglied des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie Ende November in Frankfurt. Dies entspricht einem Anstieg von vier bis fünf Prozent und überspringt locker die optimistischen Prognosen, die vor einem Jahr aufgestellt wurden. Für 2016 schätzt Zinkann, dass zwei bis drei Prozent Wachstum sowohl im Inland als auch bei den Ausfuhren erreichbar sind.

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Kaffee+ im Text

Großgeräte: Smarte Technologie im Trend

Die Großgeräte tragen zum Inlandsumsatz 5,6 Mrd. EUR bei, was einem Plus von ca. vier Prozent entspricht. Zinkann: „Die Entwicklung hin zum Kauf höherwertiger Geräte hält an. Energieeffizienz ist weiterhin ein starker Trend. Die Verbraucher wünschen sich aber nicht nur sparsame Geräte, sondern sie legen auch großen Wert auf gute Gebrauchseigenschaften und hohen Bedienkomfort.“ Die letzte IFA habe zudem gezeigt, dass smarte, vernetzbare Hausgeräte auf dem Vormarsch sind. Es stelle sich, so Zinkann, nicht mehr die Frage, wann smarte, vernetzbare Geräte kommen. Nahezu jeder Anbieter habe diese inzwischen im Portfolio.“

Auch politisch gibt es Rückenwind. Kürzlich hat das Bundeswirtschaftsministerium einen „Gesetzentwurf zur Digitalisierung der Energiewende“ vorgelegt. Damit wird der Einsatz von Smart Metern vorangetrieben. Die digitalen wie intelligenten Stromzähler bilden die technische Basis für eine Vielzahl von Anwendungsfällen, auch im Bereich „Smart Home“. Davon werden smarte Hausgeräte profitieren.

Besonders gut verkauften sich laut Zinkann die Waschvollautomaten. Einschließlich September 2015 vermeldet diese Produktgruppe ein Absatzplus von fünf Prozent. Aber auch Einbaugeschirrspüler, Einbaubacköfen und Induktionskochfelder waren sehr gut nachgefragt. Das mengenmäßige Wachstum betrug jeweils etwa sieben Prozent, bzw. fünf Prozent bei Induktionskochfeldern. Zinkann: „Diese Produktgruppen profitieren besonders vom anhaltend starken Trend Kochen und von der Bereitschaft der Kunden, durchaus auch höherwertig zu kaufen.“

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Beurer Geschäftsführer Georg Walkenbach, Vorsitzendes des ZVEI-Fachverbandes Elektro-Haushalt-Kleingeräte: „Mit dem Energielabel für Staubsauger sind wir nach mehr als einem Jahr Praxis durchaus zufrieden.“
Beurer Geschäftsführer Georg Walkenbach, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Elektro-Haushalt-Kleingeräte: „Mit dem Energielabel für Staubsauger sind wir nach mehr als einem Jahr Praxis durchaus zufrieden.“

Kleingeräte: Gespür für Trends

„Seit elf Jahren in Folge wächst der Kleingerätemarkt in Deutschland stabil und zuverlässig“, sagte Georg Walkenbach, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektro-Haushalt-Kleingeräte. Die Kleingeräte-Branche erzielt nach ZVEI-Angaben im Jahr 2015 ein Wachstum des Inlandsmarkts von sechs Prozent. Erwartet wird insgesamt ein Umsatz von etwa 2,6 Mrd. EUR. Der Kleingeräte-Export legt um etwa vier Prozent zu auf 3,3 Mrd. EUR.

Was steckt hinter diesem Erfolg? „Damit Kleingeräte über eine so lange Zeit stabil und erfolgreich sein können – braucht es ein Gespür für Trends und gute Produkte. Die Kombination aus Wachstums-Klassikern und innovativen „WoW“-Produkten – das bringt den Erfolg“, so Walkenbach. Zudem sei bei Kleingeräten das Design für den Verbraucher wichtig. „Kleingeräte sind hoch funktional und smart.“

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Die Zugpferde 2015

Die Wachstums-Zugpferde des Jahres 2015 stammen aus den Segmenten Kaffee, Personal Care und Foodpreparation. Insbesondere die Geräte zur Kaffeezubereitung bilden einen wichtigen Baustein im Markt. Hochwertige Espressomaschinen, die die Kaffeezubereitung auf Knopfdruck ermöglichen, weisen ein Wertwachstum von etwa zehn Prozent auf. Aber auch die traditionelle Filterkaffeemaschine ist immer noch eine der Kern-Produktgruppen im Kleingerätemarkt mit einem Wertwachstum von

sechs Prozent. Gut nachfragt sind zudem hochwertige Toaster mit zehn Prozent Umsatzplus sowie Alleschneider mit einem Plus von etwa zwölf Prozent. Shoting-Star indes sind – der Smoothie lässt grüßen – Standmixer mit einem exorbitanten Umsatzwachstum von über 70 %!

Und 2016? Günstige Rahmenbedingungen im Hinblick auf verfügbares Einkommen, Beschäftigungsniveau, Zinsniveau sowie die Baukonjunktur werden erneut ein positives Umfeld für den Hausgerätemarkt schaffen. „Andererseits müssen wir uns in 2016 mit einem erfolgreichen Jahr 2015 messen. Die Zuwachsraten werden deswegen wohl nicht mehr ganz so hoch ausfallen. Schließlich bewegen wir uns in einem hoch gesättigten Markt“, so Zinkann. Beim ZVEI geht man von einem Plus von zwei bis drei Prozent bei den großen Hausgeräten aus, wobei die Einbaugeräte erneut etwas besser abschneiden sollten als die freistehenden Geräte. Jede Menge Optimismus auch bei den Kleingeräten, bei denen man für 2016 mit drei Prozent Wachstum rechnet.

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Brüssel mit falschem Ansatz?

Alles gut also? Nicht ganz. Zum einen bereitet der Branche die Revision und mithin Reskalierung des Energielabels Kopfzerbrechen. Da zum Start des neuen Labels die Klasse A erst einmal frei gehalten werden soll, werden sich wohl heutige Top-Geräte, die mit A tripple-plus gekennzeichnet sind, dann in den Klassen B oder C wiederfinden. Zinkann: „Wir halten das für den falschen Ansatz. Man kann dem Verbraucher nicht heute sagen, entscheide dich für die beste Energieeffizienz, kaufe A tripple-plus – und dann morgen demselben Gerät eine Kennzeichnung vorschreiben, die im Markt wohl eher als Warnung verstanden werden wird.“

Damit nicht genug: Bisher sind Hausgeräte vor allem in puncto Energieeffizienz geregelt. Aktuell nimmt die EU-Kommission aber auch andere Eigenschaften ins Visier, beispielsweise den Einsatz bestimmter Materialien, die Reparaturfähigkeit oder die Haltbarkeit. Die Obsoleszenz-Diskussion lässt schön grüßen. Infoboard.de bleibt dran und wird das Thema gleich zum Jahresauftakt im Januar vertiefen.