Trauer um Günther Cloer

Günther Cloer
Günther Cloer

Die Branche trauert um Günther Cloer, der am 18. April nach langer Krankheit verstorben ist. Mit gerade einmal 25 Jahren übernahm Günther Cloer im Jahr 1966 als einziger männlicher Nachfolger das Familienunternehmen aus Neheim-Hüsten im Sauerland und leitete es bis zum Jahr 2004, blieb dem Unternehmen aktiv noch bis 2006 verbunden. Gegründet wurde Cloer bereits 1898 von Caspar Cloer als Kunstschmiede und Unternehmen Cloer für den Werkzeugbau. Heute ist Cloer vor allem durch seine Waffeleisen bekannt, mit denen das Unternehmen nach Wert hierzulande Marktführer ist.

Günther Cloer studierte in der 3. Generation Fertigungstechnik in Siegen und Betriebswirtschaft in Köln. Diese vorausschauende Kombination ermöglichte es ihm, sich schnell in das Unternehmensgeschehen einzufinden. Gleich vom ersten Tag an begann Günther Cloer das Unternehmen zu modernisieren. Die ersten Defizite stellte er in der Buchhaltung fest. Da alles per Hand aufgeschrieben und errechnet wurde, dauerte es oft lange, bis aktuelle Daten vorlagen, mit denen weiter gearbeitet werden konnte. Er vereinfachte die Buchhaltung und Rechnungslegung. Cloer war damals überzeugt, dass mit den vorhandenen Kapazitäten wesentlich größere Erträge erzielbar sein müssten. Er analysierte die Arbeitsabläufe und stellte fest, dass fast alle Einzelteile in Eigenfertigung hergestellt wurden.

Ein Meilenstein

Folgerichtig wurde geprüft welche Teile von anderen Herstellern bezogen werden konnten. Die Auslagerung begann Ende der 1960er Jahre. Aber nicht nur durch die Auslagerung, auch durch die Optimierung von Arbeitsabläufen erhöhte Günther Cloer die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Er verkürzte beispielsweise die Herstellung der Waffeleisenhauben von einem mehrere Arbeitsgänge umfassenden, in einen vollautomatisierten Prozess. Zudem wurde der erste Waffelautomat mit Kunststoffgehäuse entwickelt. Dieser damals noch neue Werkstoff machte Formen möglich, die in Metall nur schwer realisierbar waren – ein Meilenstein!

Mit dem Umzug „seiner Fima“ aus der Innenstadt in ein Industriegebiet stand Günther Cloer vor der Entscheidung, ob er alle Fertigungsschritte, die sich noch im Hause befanden, weiterführen sollte. Er entschied sich, die Galvanik, in der Metallhauben verchromt wurden, nicht mehr weiter zuführen, weil dies viele Probleme und Kosten mit brachte.

So hatten sich seit der Übernahme des Unternehmens durch Günther Cloer viele Dinge geändert. Anfang der 1980er Jahre fanden nur noch die Vormontage, Montage, Haubenherstellung und das Lackieren bei Cloer statt. Seit Mitte der 1990er Jahre achtete die Unternehmensleitung verstärkt auf ein einheitliches Design der Produkte. Für den roten Faden sorgte Wolfgang Baumann, der seit 1985 im Unternehmen als Techniker tätig war. Durch sein „Händchen für Design“ (O-Ton Günther Cloer) wurde ein durchgängiges Corporate Design der Geräte möglich, die Produkte als eine Familie erkennbar.

Im Mai 2004 trat Achim Cloer in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm die Geschäftsführung des Unternehmens.