Jura hat seine IFA-Neuheiten 2026 in einem Umfeld vorgestellt, das den eigenen Premiumanspruch bewusst aufgriff: Die Auftaktpressekonferenz fand auf dem Gelände der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin statt. Im Mittelpunkt stand die neue A8. Mit nur 19 Zentimetern Breite ist sie der schmalste Kaffeevollautomat, den Jura bislang entwickelt hat. Für das neue Format wurde die Maschine von Grund auf neu konstruiert. Auch die unverbindliche Preisempfehlung von 999 Euro fällt für Jura-Verhältnisse vergleichsweise niedrig aus.
Für die Präsentation der IFA-Neuheiten hatte Jura erneut einen Rahmen gewählt, der zur Positionierung der Marke passt: die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin. Die Geschichte der KPM reicht bis 1763 zurück, als Friedrich II. die bestehende Berliner Porzellanmanufaktur übernahm. Der preußische König zählte zugleich zu ihren bedeutendsten Auftraggebern und ließ unter anderem umfangreiche Porzellanservices für seine Schlösser anfertigen. Seit 2006 befindet sich die traditionsreiche Manufaktur im Besitz des Berliner Unternehmers Jörg Woltmann.

Jura-Geschäftsführer Horst Nikolaus stellte bei der Auftaktpressekonferenz zugleich den Bezug zwischen dem gewählten Veranstaltungsort und dem eigenen Anspruch an Qualität und Positionierung her. Im Mittelpunkt des Abends standen neben dem Marktumfeld vor allem die Produktneuheiten zur IFA 2026.
Preissensibilität prägt den Vollautomatenmarkt
Der Home-Electronics-Markt zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 nach Einschätzung von Jura verhalten. Wachstum gab es demnach vor allem in den Bereichen IT und Elektrokleingeräte. Auch der Markt für Kaffeevollautomaten blieb von der hohen Preissensibilität der Verbraucher nicht unberührt.
In den ersten sechs Monaten 2026 wurden nach Angaben von Jura zwar mehr Kaffeevollautomaten verkauft, sinkende Durchschnittspreise führten jedoch zu leichten Umsatzrückgängen.

„Die Konsumlaune hat derzeit zwei Gesichter: Es wird durchaus konsumiert, teilweise recht kräftig, allerdings nicht immer in den besten Preislagen für Industrie und Hersteller. Die Nachfrage ist da, die Kunden agieren jedoch äußerst preissensibel. Das spiegelt sich am Ende in den Umsätzen wider“, sagte Nikolaus bei der Pressekonferenz.
Im absoluten Premiumsegment oberhalb von 2.000 Euro kommt Jura nach eigenen Angaben auf einen Marktanteil von 68,5 Prozent. In der Preisklasse zwischen 1.000 und 2.000 Euro legte das Unternehmen um nahezu einen Prozentpunkt zu. Besonders deutlich entwickelte sich die Klasse zwischen 600 und 800 Euro: Dort stieg der Marktanteil von 12,8 auf 19,7 Prozent. Jura führt diese Entwicklung unter anderem auf die im vergangenen Jahr eingeführte C-Klasse zurück.
Vor diesem Hintergrund erhält die Positionierung der neuen A8 zusätzliche Bedeutung. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 999 Euro liegt sie unterhalb vieler bisheriger Jura-Vollautomaten und erweitert das Sortiment in eine niedrigere Preislage.

19 Zentimeter als konstruktiver Neustart
Noch auffälliger als der Preis ist die Breite. Die A8 misst lediglich 19 Zentimeter und ist damit rund 30 Prozent schmaler als die bisherigen Full-Size-Maschinen von Jura mit etwa 27 Zentimetern Breite. Tiefe und Höhe blieben dagegen nahezu unverändert. Damit ist die A8 der schmalste Kaffeevollautomat, den das Unternehmen bislang entwickelt hat.
Für eine Marke, deren Vollautomaten bislang meist deutlich breiter ausfielen, ist das ein wesentlicher Schritt. Ausgangspunkt der Entwicklung waren nach Angaben von Jura wiederkehrende Rückmeldungen aus dem Handel. Gerade in kleineren Küchen und urbanen Wohnsituationen sei der Wunsch nach einem hochwertigen Kaffeevollautomaten vorhanden, häufig fehle jedoch die erforderliche Stellfläche.
Nikolaus sagte dazu: „Am POS hören wir sehr häufig von Kunden: Sie würden sich gerne einen neuen Kaffeevollautomaten kaufen, finden aber in ihrer Küche schlichtweg nicht den nötigen Platz. Der Vollautomat soll schlank sein, einfach zu bedienen und den Kaffee aus frisch gemahlenen Bohnen zubereiten.“
Jura verweist in diesem Zusammenhang auch auf demografische und wohnstrukturelle Entwicklungen. Nach Angaben des Unternehmens leben jeweils rund 75 Prozent der Menschen in Deutschland in Ein- oder Zweipersonenhaushalten beziehungsweise in urbanen Gebieten. Gleichzeitig trinken drei Viertel der Bevölkerung täglich mindestens ein bis zwei Tassen Kaffee.
Von Grund auf neu entwickelt
Die Reduzierung auf 19 Zentimeter ließ sich nach Angaben des Entwicklungsteams nicht durch eine bloße Verkleinerung einer bestehenden Geräteplattform erreichen. Die A8 wurde deshalb vollständig neu konzipiert.
„Bei der neuen A8 war unser Ziel, unsere bisher schmalste Maschine zu entwickeln – völlig kompromisslos bei Geschmack und Leistung. Diese Herausforderung bedeutete für uns, die gesamte Maschine von Grund auf neu zu konzipieren“, hieß es bei der technischen Präsentation.
Eine zentrale Voraussetzung dafür war das neue P.A.G.3-Mahlwerk. Dessen Konstruktion eröffnete die Möglichkeit, den technischen Aufbau der Maschine neu anzuordnen. Gleichzeitig sollte die A8 trotz ihrer schmalen Außenmaße mit einer Full-Size-Brüheinheit arbeiten können.
Die Brüheinheit verarbeitet zwischen 5 und 16 Gramm Kaffeepulver. Um sie in dem schmalen Gehäuse unterzubringen, wurde unter anderem der Wassertank auf die Rückseite verlegt. Dadurch ergaben sich neue Möglichkeiten beim Wärmemanagement rund um die Brüheinheit. Auch Pumpe, Heizung und Ventile wurden neu positioniert, um den vorhandenen Raum auszunutzen. Zusätzlich floss nach Angaben des Entwicklungsteams erheblicher Aufwand in die akustische Optimierung.
Die A8 unterscheidet sich damit konzeptionell von einer klassischen Einstiegs- oder Kompaktmaschine. Trotz der reduzierten Breite bleibt die große Brüheinheit erhalten, die Jura auch in größeren Vollautomaten einsetzt.
18 Spezialitäten auf kleiner Stellfläche
Die A8 bietet 18 Kaffeespezialitäten und unterstützt mit Hot Brew und Light Brew zwei der Jura-Genusswelten. Zum Repertoire gehören unter anderem Espresso, Lungo, Americano sowie verschiedene Milch- und Milchschaumspezialitäten. Bei Lungo und Americano wird dem Espresso über einen Bypass heißes Wasser hinzugefügt.
Das P.A.G.3-Mahlwerk lässt sich in sieben Stufen einstellen. Nach jedem Mahlvorgang geht es wieder in seine Ausgangsposition zurück. Dadurch kann der Mahlgrad laut Jura jederzeit verändert werden, ohne dabei Kaffeepulver zu verschwenden.
Die Kaffeestärke ist in zehn Stufen programmierbar, die Brühtemperatur in drei Stufen. Ergänzend verfügt die A8 über einen überwachten Pulverschacht für gemahlenen Kaffee. Damit können beispielsweise auch entkoffeinierte Spezialitäten zubereitet werden.
Für Milchgetränke kommt das neue HP4-Milchsystem zum Einsatz. Hinzu kommt eine automatische One-Touch-Milchsystem-Reinigung. Passend zum schmalen Format hat Jura außerdem einen neuen Slim Cooler mit 0,4 Litern Fassungsvermögen entwickelt.
Die Bedienung erfolgt über ein 2,8 Zoll großes Farbdisplay mit vier Tasten. Über die Jura-App J.O.E. lässt sich die Funktionalität mit dem optional erhältlichen Wi-Fi Connect V2 erweitern. Dazu gehört der Coffee Timer, mit dem sich die Zubereitung einer Kaffeespezialität zeitlich vorplanen lässt. Der Quality Assistant unterstützt zusätzlich bei Pflegeprozessen.
Gestalterisch bleibt Jura bei der A8 der bekannten Formensprache treu. Das Modell kommt zunächst in Piano Black auf den Markt. Hochglänzende Frontpanels, eine integrierte Tassenplattform und ein Bohnenbehälter im Kristall-Look prägen das Erscheinungsbild.
Fachhandel bleibt Teil der Strategie
Auf der Auftaktpressekonferenz rückte Jura neben den Produkten auch die Rolle des Fachhandels in den Mittelpunkt. In einem Markt mit hoher Preissensibilität sieht das Unternehmen Beratung, Vorführung und Präsentation als wichtige Differenzierungsmerkmale.
Nikolaus fasste diese Position so zusammen: „Den Preiskampf gegen globale Handelskonzerne und Online-Pure-Player kann man nicht gewinnen, den Beratungswettbewerb hingegen schon.“
Jura verweist in diesem Zusammenhang auf Ergebnisse des marktintern-Leistungsspiegels. In der Fachhandelsumfrage erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben den ersten Platz und lag in sieben Kategorien wie Produktqualität, Sortimentspolitik, Abverkaufsunterstützung, Schulungen und Außendienstbetreuung vorn.
Auch Trends wie Sweet Foam und Cold Brew spielen nach Einschätzung des Unternehmens eine zunehmende Rolle. Der Absatz von Vollautomaten mit Cold-Brew-Funktion sei in den vergangenen sechs Monaten um 43 Prozent gestiegen.
Die A8 setzt dagegen vor allem an einem sehr konkreten Problem an: begrenzter Stellfläche. Die Kombination aus nur 19 Zentimetern Breite, einer vollständigen Neukonstruktion, Full-Size-Brüheinheit und einer UVP von 999 Euro macht das Modell innerhalb des bisherigen Jura-Portfolios zu einer ungewöhnlichen Neuheit.
Die Jura A8 ist seit September 2026 in der Farbvariante Piano Black über autorisierte Jura-Fachhändler erhältlich.
Autor infoboard.de (10181 Beiträge)
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