Der demografische Wandel schafft eine wachsende Zielgruppe für Smart-Home-Technologien und altersgerechte Assistenzsysteme. Ambient Assisted Living umfasst technische Lösungen, die älteren Menschen mehr Sicherheit im Alltag bieten und sie dabei unterstützen können, länger selbstständig zu leben.
Markt für altersgerechte Assistenzsysteme wächst
Intelligente Smart-Home-Technologien gewinnen im Zuge des demografischen Wandels an Bedeutung. Sie können älteren Menschen helfen, den Alltag sicherer und eigenständiger zu bewältigen. Ambient Assisted Living, kurz AAL, beschreibt altersgerechte Assistenzsysteme, die im Haushalt eingesetzt werden und das Sicherheitsgefühl erhöhen sollen.
Davon profitieren nicht nur Menschen, denen die selbstständige Bewältigung des Alltags schwerfällt, sondern auch Angehörige und Pflegepersonal. Der Markt wächst seit Jahren kontinuierlich und richtet sich nicht mehr nur an eine kaufkräftige und technikaffine Zielgruppe. Mordor Intelligence beziffert den globalen Markt für Ambient Assisted Living im Jahr 2026 auf mehr als 13 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 soll dieser um mehr als 20 Prozent auf über 35 Milliarden US-Dollar steigen. Market Research Future geht für 2036 sogar von einem Marktvolumen von mehr als 60 Milliarden US-Dollar aus.
Von Vitaldaten bis Hausautomatisierung
Gut etabliert sind bereits Sensoren am Körper, etwa in Smartwatches. Sie können Blutdruck oder andere Vitalwerte messen und diese im Rahmen des Telemonitorings direkt an eine Ärztin oder einen Arzt übertragen.
Das Produktspektrum ist deutlich breiter. Es reicht von Sicherheits- und Notruffunktionen über Sprachsteuerung und Hausautomatisierung bis zu Erinnerungsdiensten. Viele Anwendungen sind ohne technische oder medizinische Vorkenntnisse nutzbar und lassen sich im Haushalt der jeweiligen Person einrichten.
Smart Home erhöht Komfort und Sicherheit
Auch klassische Smart-Home-Produkte können im Alltag älterer Menschen eine wichtige Rolle spielen. Bewegungsmelder schalten beispielsweise im Flur automatisch das Licht ein und wieder aus. Dadurch kann die Stolpergefahr reduziert werden. Zugleich lässt sich Energie sparen.
Smarte Steckdosen können nach persönlichen Vorlieben und Bedarf automatisiert werden. Elektrische Geräte lassen sich so zu festgelegten Zeiten ein- und ausschalten. Kontakte an Fenstern und Türen zeigen an, ob diese beim Verlassen der Wohnung geschlossen sind. In Verbindung mit automatisierten Heizkörperthermostaten können sie außerdem helfen, Energie zu sparen, indem bei geöffnetem Fenster die Raumtemperatur reduziert wird.
Automatisierte Rollläden können den Alltag zusätzlich erleichtern. Kameras für den Außenbereich ermöglichen es Bewohnerinnen und Bewohnern, auf dem Smartphone oder Tablet zu sehen, wer vor der Tür steht. Das kann das Sicherheitsgefühl erhöhen und Wege zur Haus- oder Wohnungstür vermeiden. Auch smarte Briefkästen können unnötige Wege reduzieren.
Ein Smart-Home-System mit Sprachassistenten bietet älteren Menschen und Menschen mit Beeinträchtigungen weitere Unterstützung. Eingebundene Geräte wie Steckdosen, Beleuchtung, Rollläden oder Heizungsthermostate lassen sich auf Zuruf oder über das Smartphone steuern.
Unterstützung in Notfällen und im Tagesablauf
Für Notfälle stehen Notfall-Armbänder, spezielle Notfall-Uhren und Smartwatches zur Verfügung. Sie können eine direkte Verbindung zum Notruf oder zu Angehörigen herstellen. Das ist besonders relevant, wenn ein Telefon nicht in Reichweite ist.
Einige Systeme ermöglichen zur genaueren Abklärung eines Notfalls einen Video- oder Telefonanruf in die Wohnung. Weitere smarte Assistenten arbeiten mit Sensoren, die beispielsweise im Bodenbelag eingesetzt werden. Sie können Stürze automatisch erkennen und Hilfe organisieren. Zudem können solche Systeme Abweichungen vom üblichen Tagesablauf feststellen und bei Bedarf ebenfalls Hilfe rufen.
Assistenzsysteme unterstützen auch bei einfachen organisatorischen Aufgaben. Dazu zählen Erinnerungen an Termine, die pünktliche Einnahme von Medikamenten oder Besuche von Ärztinnen und Ärzten, Pflegepersonal oder Handwerkern. Im Haushalt übernehmen selbstreinigende Staubsauger-Roboter das Saugen und Wischen autonom in einem Arbeitsgang. Ihre Docking-Stationen erfordern nur geringen Reinigungs- und Pflegeaufwand.
Demografie als Treiber des Marktpotenzials
Die steigende Lebenserwartung und niedrige Geburtenzahlen führen zu einer Alterung der Gesellschaft. Menschen ab 65 Jahren bilden laut dem Demografieportal des Bundes mit rund 19 Millionen die zweitgrößte Bevölkerungsgruppe nach den 40- bis 59-Jährigen mit mehr als 22 Millionen Menschen.
Für 2035 wird erwartet, dass jede vierte Person über 67 Jahre alt ist. Im Jahr 2050 soll etwa jeder dritte Mensch in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Vergleichbare Entwicklungen werden auch für andere europäische Länder erwartet.
„Produkte für die selbstständige Bewältigung des Alltags zeigen aufgrund der Demografie-Entwicklung ein enormes Marktpotenzial. Unsere Branche bietet eine breite Auswahl technischer Helfer, die älteren Menschen oder Personen mit Einschränkungen zur Seite stehen, um deren Selbständigkeit so lange wie möglich zu bewahren und das Leben komfortabler und sicherer machen“, sagt Carine Chardon, Geschäftsführerin der gfu Consumer & Home Electronics GmbH.
