Vlogger Ümit Memisoglu kocht mit Leidenschaft und lässt andere auf TikTok in seinen 60-sekündigen Videos am Geschehen teilhaben.
Vlogger Ümit Memisoglu kocht mit Leidenschaft und lässt andere auf TikTok in seinen 60-sekündigen Videos am Geschehen teilhaben.
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Food-Influencer bei TikTok: Als wäre man mittendrin …

TikTok zählt derzeit zu den am stärksten wachsenden Social Media-Plattformen. Der Vlogger Ümit Memisoglu hat das Potenzial von TikTok früh erkannt, zählt inzwischen zu den größten Food-Influencern hierzulande.

infoboard.de-Blogger Frank Feil sprach mit ihm über seine Leidenschaft fürs Kochen und ließ sich erklären, wie man mit einem 60-Sekunden-Video mehrere Millionen Menschen erreicht.

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Erzähl uns doch erstmal etwas über dich – und natürlich woher deine Leidenschaft fürs Kochen und Backen kommt …

Ich bin 28 und wurde in Wuppertal geboren. Im Januar 2019 habe ich den Instagram-Kanal @Umihito.Vlog und den TikTok-Kanal @Umihito gestartet. Dort lade ich wöchentlich Kochvideos hoch, die anders sind, als man das normalerweise gewöhnt ist: schneller Schnitt, echte Sounds – und vor allem stark variierende Menüs, mit Hauptgericht, Beilagen, Salat, Getränken, Desserts und allem was dazugehört. Die Gerichte, die ich vor der Kamera koche, werden natürlich am selben Tag immer auch gegessen, dadurch sind die Videos nicht nur immersiv, sondern auch authentisch.

Ich habe damals ein Studium im Maschinenbau angefangen, in dem ich mich in den Bereich des Luft- und Raumfahrtingenieurwesens spezialisiert habe. Eher durch Zufall, nachdem ich ein Gewinnspiel gewonnen hatte und mit Technikbloggern aus Deutschland nach China reisen durfte, bin ich in der Technik-Blogging-Szene gelandet. Innerhalb kürzester Zeit fing ich an, bei einem der bekanntesten deutschen Technik-Blogs Testberichte zu schreiben und Videos zu drehen. Das hat mein Wissen im Social-Media-Bereich stark geprägt.

Das Studium war maßgebend für alles, was ich heute mache. Vor dem Studium war die große Köchin im Haus immer meine Mutter – und wenn ich bei ihr zu Hause bin, ist sie das noch immer. Ich habe schon immer ungern in Restaurants oder Mensen gegessen, teilweise weil mir einfach nichts so geschmeckt hat, wie die Kochkunst meiner Mutter und mir zudem die Variation an Gerichten gefehlt hat.

Somit habe ich mich in meiner Freizeit mit dem Kochen und Backen beschäftigt und quasi alles von ihr als große Inspiration gelernt. Ich muss aber zugeben, dass es wirklich eine Menge Arbeit ist und es nie so einfach, wie es sich bei vielen Interviews immer anhört, da man vom Konzept der Rezepte wegkommen und ein Gefühl für das richtige Augenmaß und den Geschmack entwickeln muss.

Marke für alle Generationen auf allen Kanälen

Franziska Graef, Leitung Marketing bei Graef in Arnsberg, gehört zu denen, die TikTok für Ihren Social-Media-Mix nutzen. Für infoboard.de erklärt sie, warum:

„Die sozialen Medien sind für uns zu einem enorm wichtigen Kommunikationskanal geworden. Hier platzieren wir unsere Botschaften, machen sie so sichtbarer. Das wiederum ist auch für den Handel wichtig. Besonders aktiv sind wir auf Instagram und Facebook. Aber auch Pinterest und TikTok werden für uns wichtiger.

Dazu kooperieren wir zum Beispiel mit Influencern aus den Bereichen Food, Nachhaltigkeit und Familie, die ein eher jüngeres Publikum ansprechen. Zuletzt konnten wir mit unserer Haltbarkeitskampagne #besseramstück für einen nachhaltigen Lebensstil gute Reichweiten erzielen und viele neue Fans gewinnen.

Digitale Kanäle sind wichtig, aber wir stecken nach wie vor auch viel Energie in analoge Kommunikationswege. Dazu zählt auch das Mundwerk bei uns in Arnsberg, Gastronomie und Marke-Erlebniszentrum zugleich. Hier haben unsere Kunden die Möglichkeit, unsere Arbeit und unsere Produkte hautnah mitzuerleben. Wir sind eine Marke für alle Generationen – vom Digital Native im Singlehaushalt über Familien mit Kind und Kegel bis hin zu einer älteren Generation, die Graef seit Jahren kennt und schätzt. Und die alle gilt es auf vielen unterschiedlichen Wegen zu erreichen, um damit auch unsere Handelspartner beim Abverkauf der Produkte zu unterstützen.“

Du hast deine Karriere auf TikTok gestartet, als vielen in Deutschland die Plattform noch kein Begriff war …

Die ersten zehn Videos habe ich nur zum Üben und Experimentieren geschnitten. Ich wollte mich im Storytelling ausprobieren und dachte, dass ein Kochprozess sich ideal dafür eignet, da er eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende erzählt. Mir ging es damals gar nicht darum, die Videos öffentlich zu machen, ich wollte einfach nur schauen, was alles möglich ist.

Die Videos auf dem TikTok-Kanal von Umihito erreichen mitunter über eine Millionen Views.
Die Videos auf dem TikTok-Kanal von Umihito erreichen mitunter über eine Millionen Views.

Anfangs habe ich TikTok als eine Plattform für Lipsync-, Tanz- und Meme-Videos für Jugendliche gesehen. Das war es damals tatsächlich. TikTok hat sich aber im Laufe der Zeit weiterentwickelt.

Irgendwann kam meine Schwester auf mich zu und sagte, ich solle meine Videos dort mal hochladen, weil TikTok unter jungen Menschen immer beliebter werde und schon damals Millionen von Nutzern weltweit hatte. Auch ihre Zeichnungen, die sie dort als Videos hochgeladen hatte, liefen besser als die Bilder, die sie auf Instagram veröffentlichte.

Ich postete also mein erstes Video mit dem Gedanken dieses nach einigen Tagen zu löschen und hatte plötzlich 200.000 Views. Mein zweites Video hatte über 900.000 Views. So ging es weiter. Interessant war vor allem mit Blick auf die Zielgruppe, dass die Videos immer erstmal nur national gezeigt werden und erst ab einer gewissen Viralität dann international.

Mir fiel auf, wie vielseitig die Plattform ist. Wenn man sich auf TikTok einlässt, sitzt man schnell eine Stunde davor und fühlt sich sehr gut unterhalten. Das liegt daran, dass der Algorithmus schnell lernt, was man schaut und was nicht. Der Feed wird dadurch stark personalisiert.

@umihitoDiesmal Kartoffeln statt Auberginen 😋 ##food ##essen ##kochen ##cooking ##tasty ##yummy ##yemek ##turkish♬ original sound – umihito

Inzwischen hast Du auf TikTok über 460.000 Abonnenten, Deine Videos erreichen im Schnitt 400.000 bis 800.000 Views. Das macht Dich zu einem der größten Food-TikToker in Deutschland. Wie erklärst Du Dir den Erfolg?

Ich glaube, dass das in erster Linie an der Kombination aus Videostil und Sound sowie der Video- und Soundqualität insgesamt liegt. Und natürlich auch an der großen Variation an echten Menüs. Dadurch lernen die Zuschauer mehr über die türkische beziehungsweise orientalische Küche, wobei ich auch öfter mal was aus der westlichen Küche einfließen lasse. Im Grunde mache ich nie etwas Hochkompliziertes. Außerdem glaube ich, dass die Arbeit und Liebe, die man hineinsteckt, automatisch beim Zuschauer ankommt. Das fesselt die Leute.

TikTok-Videos haben einen besonderen Stil …

Ich wollte etwas Kurzes, ohne viel Gerede, ohne ablenkende Musik, ohne Zeitraffer, ohne zu viel Show. Die Frage ist: Wie zeigt man einen Kochprozess so wie er stattgefunden hat ohne ihn im Wesentlichen zu verändern, so dass er kurz, aber dennoch nachvollziehbar ist.

Grob kann man es in etwa so erklären: In 60 Sekunden wird ein ganzes Menü aus einer dynamischen Point of View-Sicht gekocht oder gebacken. Die Kamera bewegt sich mit der jeweiligen Aktion mit. Das Video beginnt mit dem Kochprozess und hat am Ende ein Finale. Meistens schneide ich etwa 20 bis 25 Minuten Videomaterial in 100 kurze Clips zusammen und bearbeite abschließend den Sound, den ich mit hochwertigen Mikrofonen aufnehme. Alles soll möglichst echt klingen. Ich versuche wichtige Schritte zu betonen, nehme aber nur das Nötigste in das Video auf. Dennoch muss natürlich die Kontinuität gewahrt werden. Die perfekte Balance zu finden, ist eine echte Herausforderung. Der Zuschauer fühlt sich so, als wäre er mittendrin.

Als Food-Influencer kooperierst Du regelmäßig mit Unternehmen, die ihre Produkte einer neuen Zielgruppe vorstellen wollen …

Die Kooperationen werden von den Unternehmen, aber vor allem auch von meinen Zuschauern extrem positiv angenommen, weil ich grundsätzlich sehr wählerisch bin, was die Produkte betrifft. Das heißt, ich bewerbe nur Dinge, die ich tatsächlich nutzen würde und die thematisch passen. Wenn ich nicht voll hinter einem Produkt stehe, gehe ich die Kooperation mit der Marke auch nicht ein.

Außerdem bin ich nicht der klassische Influencer, der einfach Selfies mit Produkten postet, sondern integriere diese authentisch und erkennbar in mein Videoformat, so dass ich damit etwas von Null auf erschaffe und ein Ergebnis präsentieren kann, das mit diesem Produkt entstanden ist.

Das Interesse der Unternehmen für TikTok ist noch immer nicht sehr hoch. Einige Unternehmen unterschätzen das Potential der Plattform und verpassen den erfolgreichen und frühen Einstieg, da viele Agenturen, die sich TikTok auf die Fahne schreiben, die Plattform nicht mal im Ansatz verstanden haben. Währenddessen gibt es aber auch immer mehr kreative Unternehmen, die eigene Konzepte erstellen und damit eine neue, junge Fangemeinde aufbauen. Ein Blick über den Tellerrand ist nie verkehrt.


Das vollständige Interview lesen Sie hier.

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