Markt & Branche

Bevh: Deutscher E-Commerce wächst wieder – positive Impulse auch für Haushaltsgeräte

Der deutsche E-Commerce hat 2025 erstmals seit 2021 in allen Quartalen Wachstum verzeichnet. Der Brutto-Umsatz mit Waren stieg auf 83,1 Mrd. Euro (2024: 80,6 Mrd. Euro), was einem Plus von 3,2 Prozent entspricht und deutlich über der Prognose liegt. Zusammen mit digitalen Dienstleistungen (+7,3 Prozent auf 14,4 Mrd. Euro) nähert sich der Gesamtumsatz erneut der 100-Milliarden-Euro-Marke.

Für 2026 erwarten der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) und das EHI Retail Institute ein weiteres Wachstum von 3,8 Prozent im Waren-E-Commerce – trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

„Der Onlinehandel ist ein seltener Lichtblick in der deutschen Wirtschaft. Die Menschen konsumieren auch in unsicheren Zeiten weiter, sie tun es aber digital“, erklärt bevh-Präsident Gero Furchheim.

Haushaltswaren und -geräte mit überdurchschnittlichem Plus

Die Kategorie Haushaltswaren & -geräte legte um 4,8 Prozent zu und entwickelte sich damit deutlich besser als der Gesamtmarkt. Auch Möbel, Lampen & Dekoration (+3,3 Prozent) sowie der tägliche Bedarf (+5,1 Prozent) zeigten spürbare Zuwächse. Der Bereich Elektronik und Telekommunikation wuchs mit +1,4 Prozent zwar moderater, konnte sich jedoch nach deutlichen Rückgängen im Vorjahr stabilisieren.

Hohe Kaufintensität und stabile Kundenzufriedenheit

Trotz zurückhaltender Konsumstimmung bleibt das Online-Kaufverhalten robust:
Rund 34,2 Prozent der Verbraucher zählen zu den Vielkäufern und bestellen mindestens zweimal pro Woche online. Der durchschnittliche Bestellwert stieg auf 146,19 Euro, während die Kundenzufriedenheit mit 96,2 Prozent auf konstant hohem Niveau liegt.

Marktplätze treiben Wachstum – asiatische Plattformen mit starkem Anteil

Online-Marktplätze sind weiterhin der wichtigste Wachstumstreiber (+4,9 Prozent) und vereinen inzwischen 56 Prozent (entspricht 46,2 Mrd. Euro) des gesamten E-Commerce-Umsatzes auf sich. Plattformen chinesischer Herkunft (Shein, Temu und AliExpress) haben wegen extremer Niedrigpreise zwar einen geringen Umsatzanteil, wuchsen mit 27,2 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro aber deutlich schneller als das gesamte Anbietersegment der Marktplätze. Jede 15. Bestellung im Internet wird bei einer der großen Plattformen aus Asien gemacht. Von den 2,6 Mrd. Euro Wachstum des gesamten E-Commerce mit Waren machte das Wachstum der Plattformen chinesischer Herkunft 30 Prozent aus.  

Nachhaltigkeit und KI als Zukunftsthemen

Spannend ist durchaus die Tendenz, dass sich der Re-Commerce dynamisch entwickelt: Der Handel mit gebrauchten Waren wuchs um 21,8 Prozent auf fast 2 Mrd. Euro.

„Diese erfreuliche Entwicklung kann sich fortsetzen oder sogar steigern“, betont Alien Mulyk, Geschäftsführerin Public Affairs Europa & Internationales beim bevh, und fordert regulatorische Rücksicht auf nachhaltige Geschäftsmodelle.

Gleichzeitig steht der E-Commerce vor einer neuen Phase durch KI-gestützte Shopping-Anwendungen. Derzeit nutzen jedoch nur 6,3 Prozent der Online-Kunden vollständig KI-basierte Kaufprozesse.

„Der E-Commerce steht mit neuen KI-basierten Shopping-Erlebnissen an der Schwelle zur nächsten technischen Revolution“, so Gero Furchheim.

Mulyk warnt zudem: „Bei aller Technologieoffenheit muss der Gesetzgeber dafür sorgen, dass KI-Plattformen nicht zu übermächtigen ‚Gatekeepern‘ im E-Commerce werden.“

Umsatzentwicklung im E-Commerce mit Waren nach Segmenten
(alle Angaben in Mio. Euro, inklusive USt.)

GesamtumsätzeVeränderung
2024 2025
CLUSTER Bekleidung18.55919.2113,5%
CLUSTER Unterhaltung24.55224.9101,5%
CLUSTER Freizeit9.71510.0593,5%
CLUSTER Einrichtung13.94814.5374,2%
CLUSTER täglicher Bedarf9.1289.5905,1%
Bekleidung14.62115.1273,5%
Haus- & Heimtextilien1.6651.7424,6%
Schuhe3.9374.0843,7%
Bücher / Ebooks / Hörbücher3.1823.1960,4%
Bild- & Tonträger/Video & Music Downloads3.1893.2431,7%
Elektronikartikel & Telekommunikation12.08112.2461,4%
Computer/Zubehör/Spiele/Software6.1006.2252,1%
Hobby & Freizeitartikel3.5073.6283,5%
DIY & Blumen2.9013.0424,9%
Möbel, Lampen & Dekoration5.4175.5973,3%
Haushaltswaren & -geräte6.8677.1984,8%
Drogerie3.3453.4994,6%
Lebensmittel3.9074.1215,5%
Schmuck & Uhren1.1481.1742,3%
Auto & Motorrad/ Zubehör1.3061.303-0,3%
Spielwaren2.0022.0874,2%
Bürobedarf8979192,5%
Medikamente1.7051.8076,0%
Tierbedarf1.8771.9715,0%
Sonstiges9209412,3%
Waren im interaktiven Handel (E-Commerce + Bestellungen, Fax, oder schriftlich)81.49384.1223,2%
Onlineanteil in %98,9%98,8%
Waren im E-Commerce 80.57183.1483,2%
Waren & Dienstleistungen im interaktiven Handel (E-Commerce + Bestellungen, Fax, oder schriftlich & digitale Dienstleistungen)94.94998.5623,81%
Digitale Dienstleistungen13.45614.4407,3%


Umsatzentwicklung mit Waren nach Versendern
(alle Angaben in Mio. Euro, inklusive USt.)

GesamtumsätzeVeränderung
­­­­20242025
MCV 10.29110.175-1,1%
Online-Handel (IPP, APV, SHC)22.76323.2392,1%
OMP44.03446.2084,9%
HEV2.8162.8501,2%
TVS5545784,4%
Nicht zuzuordnen11297-13,3%

(MCV: Multichannel-Versender, IPP: Internet- Pure-Player, APV: Apothekenversender, SHC: Shoppingclub, OMP: Online-Markplätze, HEV: Herstellerversender, TVS: Teleshopping)

Quelle: Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), Studie „Interaktiver Handel in Deutschland“, Verbraucherbefragung 2025, durchgeführt von der BEYONDATA GmbH.

Rita Breer

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