Fotos: G. Wagner
Die aktuelle Ausgangslage für den Elektronikfachhandel lädt absolut nicht zum Feiern ein. Die allgemeine Konsumstimmung ist verhalten und die erhoffte Kaufeuphorie – selbst zu Großereignissen wie der Fußball-WM – bleibt im Markt schlichtweg aus. Doch den Kopf in den Sand zu stecken und in Trübsal zu blasen, hat noch kein Geschäft vorangebracht. Auf der Euronics Summer Convention 2026 stand daher ein unmissverständliches Motto im Raum: Nur wer sich jetzt aktiv verbündet und nach vorne prescht, wird die Krise als Gewinner überstehen.
Der Druck auf den europäischen Markt verschärft sich dramatisch. Weil die USA ihre Grenzen für chinesische Elektronik rigoros dichtgemacht haben, drängt die gewaltige Überproduktion der dortigen Fabriken nun mit aller Macht nach Europa. Asiatische Giganten wie JD.com kaufen sich strategisch und gezielt Logistikketten sowie Kundenzugänge auf, um den traditionellen Wettbewerb zu verdrängen.
Das dahinterstehende Geschäftsmodell ist eine Kampfansage an den Fachhandel: Die Angreifer setzen auf radikale Kostensenkung durch den Verzicht auf stationäre Beratung. Stattdessen investieren sie in Chatbots, künstliche Intelligenz, automatisierte Verteilzentren und blitzschnelle Drohnen-Lieferungen. Gleichzeitig fluten staatlich subventionierte Hersteller, die nicht einmal kostendeckend arbeiten müssen, den Markt mit High-End-Technologien (wie OLED-TVs) zu extremen Schleuderpreisen. Die Folge ist eine massive Preiserosion, die der gesamten Branche die Erträge raubt.
Die Antwort von Euronics auf diese Bedrohung ist radikal und trägt den Namen „Kompass Blau“. Dieses strategische Projekt greift tief: es ist eine kompromisslose Neuausrichtung der Sortimente auf echte Wertschöpfung und Exklusivität.
Das schärfste Schwert dieser neuen Strategie ist der Aufbau von eigenen Vertriebslinien im Bereich der Exklusivmarken. Euronics hat dafür eine weitreichende Partnerschaft mit dem ägyptischen Konzern El Araby geschlossen. Mit 36.000 Mitarbeitern und jahrzehntelanger Erfahrung als Lohnfertiger für absolute Weltmarken wie Sony, Sharp und Toshiba bringt der neue Partner gewaltiges Fertigungs-Know-how mit. Der entscheidende strategische Vorteil: El Araby kontrolliert seine vorgelagerte Lieferkette und Vorproduktionswerke zu fast 90 Prozent selbst und ist damit nahezu vollständig unabhängig von externen asiatischen Lieferengpässen.
Euronics bricht mit der Tradition, Produkte einfach nur so einzukaufen, wie die Industrie sie anbietet. Durch das neue Geschäftsmodell betritt die Kooperation das Terrain des aktiven Produktmanagements und nimmt künftig direkten Einfluss auf Features und das Design der Geräte. Das exklusive Markenportfolio gliedert sich in drei Angriffsflächen:
Zusätzlich behält Euronics den gesamten After-Market (Garantie, Gewährleistung, Reparaturen) über die eigenen Service-Strukturen komplett in eigener Hand, statt ihn an anonyme Werkskundendienste abzugeben.
Um den Händlern den Umbau ihrer Verkaufsflächen schmackhaft zu machen, bietet Euronics finanzielle Bedingungen, die im aktuellen Marktumfeld einzigartig sind:
Dass sich proaktives Handeln auf der ESC bezahlt macht, beweisen Händler wie Udo Baumann, der offen bilanziert: „Meine ESC ist am ersten Tag schon bezahlt, weil hier die entscheidenden Deals für das gesamte Jahresgeschäft eingefahren werden.“
Gegen die unpersönliche Online-Konkurrenz setzt Euronics auf Schnelligkeit gepaart mit menschlicher Flexibilität. Bestes Beispiel ist das Versprechen von Same Day Delivery: Wenn beim Kunden die Waschmaschine streikt und er beispielsweise bei Euronics-Händler Lux anruft, wird nicht blockiert, sondern auf direktem Weg eine taggleiche, individuelle Servicelösung gefunden. Um diese Service-Power bundesweit auf ein neues Niveau zu heben, wurde die Fachhandel-Service-Allianz (FSA) gestartet.
Auch beim Thema IFA zeigt Euronics klare Kante und ein kompromissloses Bekenntnis zur letzten großen europäischen Leitmesse. Gemeinsam mit EP und Expert bündelt Euronics die Präsenz auf einer kompakten, schlagkräftigen Gemeinschaftsfläche in der Retail Innovation Zone.
Scharfe Kritik gab es in diesem Zuge an Herstellern, die zwar für einen Stand bezahlen, aber die Hallen leer lassen und stattdessen eigene Events weit abseits des Messegeländes veranstalten. Im Berliner Berufsverkehr verliert ein Händler durch solche isolierten Außenstandorte schlichtweg zu viel wertvolle Zeit, die für andere wichtige Gespräche auf dem Messegelände fehle. Euronics wird Termine daher konsequent nur außerhalb der regulären Messezeiten – also morgens um 8:00 Uhr oder abends ab 19:00 Uhr – wahrnehmen.
Parallel dazu untermauert Euronics seine aggressive Marktpräsenz mit unkonventionellen Guerilla-Marketing-Aktionen: So wurden pünktlich zur WM im Rahmen einer Kooperation mit „Kartonizza“ rund 500.000 gebrandete Pizzakartons gezielt über 300 Pizzerien im direkten Einzugsgebiet der Euronics-Händler gestreut, um die Marke direkt in den Wohnzimmern der Verbraucher zu platzieren.
Fazit: Euronics verharrt im Krisenjahr 2026 nicht in Schockstarre. Mit risikofreien Rekordmargen durch exklusive Eigenmarken, einer starken, kooperationsübergreifenden Service-FSA und unmissverständlichen Ansagen an wankelmütige Industriepartner liefert die Verbundgruppe eine weitreichende und angriffslustige Antwort auf die Herausforderungen der Zukunft.
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