Markt & Branche

Akkusauger im StiWa-Test: eine nicht unumstrittene, dennoch verheerende Bilanz

Ein kollektives Debakel: In der Februar-Ausgabe testete die Stiftung Warentest Akkusauger.
Neues Jahr, neue Februar-Ausgabe, der alte Ärger: Wenn die Stiftung Warentest (StiWa) in ihrem Magazin „test“, Ausgabe 02.2018 die Akkusauger testet und quasi zum Rapport bestellt, dann versenken die Tester nun zum zweiten Mal in Folge eine komplette Geräte-Kategorie. Im vergangenen Jahr schnitten zwei Akkusauger mit „ausreichend“ ab, sechs hingegen waren „mangelhaft“.

Doch 2018 es geht noch schlimmer: Der Test von zehn Akkusaugern gerät zum kollektiven Desaster. Die meisten der geprüften Akku-Staubsauger lassen nicht nur jede Menge Dreck im Teppichboden zurück (auch wenn es oberflächlich sauber aussehen mag). Einige verpesten die Raumluft zudem mit Feinstaub und machen so richtig Krach. Die Konsequenz: Acht der zehn Modelle im StiWa-Test reinigen nur „mangelhaft“. Untersucht wurden zehn kabellose Akku-Staubsauger zu Preisen zwischen 100 und 500 Euro.

Akkusauger: das Zweitgerät für Zwischendurch ^

Sind die Akkusauger wirklich so schlecht? Wahr ist: Wenn man die Akkusauger in den Wettstreit mit einem klassischen Bodenstaubsauger ins Rennen schickt, wird er immer nur zweiter Sieger sein. Denn für diesen Wettstreit ist er weder gedacht noch gemacht. Akkusauger sind dufte Haushaltshelfer als Zweitgerät für Zwischendurch. Mit den „test“-Kriterien der klassischen Schlittensauger, die die Stiftung Warentest offenbar einmal mehr zum unfehlbaren Test-Maßstab erhob, können sie da natürlich (noch?) nicht schritthalten. Schenkt man zudem Branchen-Insidern Glauben, so sind diese Test-Kriterien in Berlin auch hausintern nicht ganz unumstritten.

Wie auch immer, das Segment der Akkusauger geht durch die Decke, die Absatzzahlen werden auch im Jahr 2018 zweistellig wachsen. „Diesen Trend hält keiner auf“, sagt Andreas Gelsheimer, Product Line Manager Floorcare bei AEG. Im Gespräch mit infoboard.de spricht Gelsheimer von Millionen zufriedenen Käufern und macht noch einmal deutlich, wofür die Akkusauger gedacht und gemacht sind: „Es ist der klassische Zweitsauger für die schnelle Reinigung zwischendurch.“

Gelsheimer erzählt, dass die Kundenbewertungen der Akkusauger nach deren Nutzung noch positiver sind, als die ursprünglichen Erwartungen, die Käufer im Vorfeld der Kaufentscheidung eh’ schon hatten. Gelsheimer: „Der Konsument legt als Messlatte nicht den klassischen Bodenstaubsauger an. Das haben auch wir nie im Sinn gehabt.“ Gleichwohl gebe es immer mehr Kunden, die den Akku-Staubsauger aus Überzeugung zum Erstsauger adaptieren. Folge: Der Erfolg der Akkusauger „überrollt auch die Stiftung Warentest“.

Unter den Teppich kehren lässt sich der StiWa-Test dennoch nicht. Die Liste der Gescholtenen mit der Note „mangelhaft“ zählt zum „Who is who“ der Bodenpflege und Kleingeräte, wie etwa Philips (Note 4,9 für den PowerPro Duo), AEG (Note 4,9 für den CX7-35Öko), De’Longhi (Note 4,9 für den Colombina Cordless Plus), Dirt Devil (Note 5,0 für den Renegade 36), Grundig (Note 5,0 für den VCH9632) und Severin (Note 5,1 für den HV7158).

So richtig überzeugt die StiWa kein Akkusauger ^

Die beiden teuersten Modelle im Test (Bosch Athlet Ultimate mit der Note 2,7 zum Preis mittleren Preis von 400 Euro und Dyson V8 Absolute mit der Note 3,1 zum mittleren Preis von 500 Euro) schneiden zwar insgesamt befriedigend ab, doch nur einer, das Bosch-Modell (!), kann sein Versprechen halten und „so kraftvoll wie ein konventioneller Staubsauger“ reinigen. Allerdings das auch nur für kurze Zeit. Denn bei voller Leistung ist der Akku bei den „test“-Testern nach 15 Minuten leer. „Mit Einschränkungen empfehlenswert“, so die StiWa. Der Dyson andere saugt zwar auf glatten Böden befriedigend, macht aber auf Teppich keine gute Figur und ist mit seiner Kraft noch schneller am Ende.

Nur vier Staubsauger im Test schaffen es laut der „test“-Tester, grobe Körner gut aufzunehmen, zum Beispiel Reis oder Linsen. Bei Tierhaaren auf dem Teppich versagen die meisten Geräte – Ausnahmen sind Bosch und Dyson – völlig. Nur mit den beiden befriedigenden Geräten – sie Testsieger zu nennen wäre wohl Euphemismus – ließen sich Hunde- und Katzenhaare entfernen.

„Lächerliche Werte“ ^

Kritikpunkt der Warentester ist die Staubaufnahme: Holt der Bosch-Akkusauger beispielsweise 86% des in den Prüfteppich eingebrachten Staubs heraus, schafft das Grundig-Modell nicht einmal 22%. Und das bei optimalen Bedingungen, also mit leerer Staubbox und maximaler Leistung. Bei minimaler Leistung und einem zu einem Viertel gefüllten Staubbehälter sackt die Saugleistung, so die Stiftung Warentest, teilweise auf „lächerliche Werte“ ab: „Dirt Devil und Grundig nehmen dann beispielsweise nur rund 6 beziehungsweise 10 Prozent des Staubs auf.“

Die schlechten Saugergebnisse sind nicht die einzigen Mängel im Test der Akkusauger. Weitere Kritikpunkte: Einige können den Feinstaub nicht halten und blasen einen Teil davon wieder in die Raumluft. Bei fünf Saugern ist es so viel, dass das Urteil mangelhaft lautet. Störend ist zudem der Krach, den viele Akkusauger machen. Das StiWa-Fazit steht in der Headline des fünfseitigen Beitrages: „Viel Lärm um nichts“. Im übertragenen Sinne bekommt diese Headline zumindest für die Industrie eine andere Facette: eben diesen Beitrag nicht zu hoch zu hängen. Denn: Der Markt hat recht!

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