Der Elektronikhandel wandelt sich rasant. Algorithmen, Plattformen aus Fernost und eine schier unendliche Produktauswahl prasseln auf die Konsumenten ein. Auf dem Strategy Day 2026 in Hamburg machte Ceconomy-CEO Remko Rijnders deutlich: In einer Welt der unbegrenzten Möglichkeiten suchen Kunden vor allem eines – Vertrauen. Wie Rijnders es in seiner Keynote treffend formulierte: „Es gibt eine Sache, die uns hilft, Entscheidungen zu treffen: Vertrauen.“
- 1. Die Vision: “Experience Electronics to enrich People’s Life”
- 2. Die Kernstrategie: “Moments of Trust” in vier Dimensionen
- 3. Die 5 Wachstumsmotoren abseits des klassischen Kerngeschäfts
- 4. Saturn erfindet sich neu: Fokus auf Tech-Enthusiasten
- 5. Technologie, KI und der starke Partner JD.com
- 6. Der Weg zum 800-Millionen-EBIT: Vier strategische Hebel
- 7. Fazit für B2B-Partner

Für uns in der B2B-Elektrobranche birgt die neue Ausrichtung von MediaMarktSaturn spannende Ansätze. Der Konzern wandelt sich vom klassischen Retailer zu einer umfassenden Omnichannel-Service-Plattform. Hier sind die wichtigsten strategischen Weichenstellungen der nächsten Jahre.

Die Vision: “Experience Electronics to enrich People’s Life”
Bevor wir in die harten Zahlen eintauchen, lohnt ein Blick auf das große Ganze. Die übergeordnete Vision von Ceconomy ist klar definiert: „We create Experience Electronics to enrich People’s Life“. Das ultimative Ziel der Gruppe ist es, zu Europas vertrauenswürdigster Handelsplattform (“Europe’s most trusted retail platform”) zu werden.
Vertrauen ist für Ceconomy dabei kein leeres Schlagwort, sondern der Kern der Daseinsberechtigung. Rijnders betonte dies mit einem starken Zitat: „Vertrauen ist kein Slogan, den wir an die Wand malen. Es ist der Grund, warum sie durch unsere Türen kommen.“ Diese Vision drückt sich auch in klaren Kennzahlen aus: Langfristig soll der Net Promoter Score (NPS), der die Kundenzufriedenheit misst, auf 66 Punkte ansteigen. Auch ökologisch hat man eine klare Vision: Nachdem die eigenen Abläufe (Scope 1 und 2) bereits 2024 klimaneutral (“net zero”) wurden, sollen die Scope-3-Emissionen bis 2033 um 33 % gesenkt werden.
Die Kernstrategie: “Moments of Trust” in vier Dimensionen
„Wir verwandeln das Kundenerlebnis in Momente des Vertrauens“, erklärte Rijnders die strategische Marschroute. Kunden, die dem Unternehmen vertrauen, kaufen häufiger, nutzen mehr Services und haben einen höheren “Customer Lifetime Value”. Um diese “Moments of Trust” zu generieren, fokussiert sich das Unternehmen auf vier zentrale Erlebnis-Dimensionen (“Experience Electronics”):
- Employee Experience: Der Faktor Mensch bleibt entscheidend. 50.000 Mitarbeiter sollen durch KI-Tools (wie KI-gestützte Verkaufsassistenten) entlastet und befähigt werden, um noch bessere, personalisierte Beratung zu bieten.
- Shopping Experience: Weg von reiner Masse, hin zu kuratierter Relevanz. Die Customer Journey soll durch Formate wie 90-Minuten-Expresslieferung, “Pay-on-Shopfloor” und digitale Live-Beratung nahtlos werden.
- Usage Experience: Die vertrauensvolle Beziehung endet nicht an der Kasse. Mit Reparaturservices, Smartbars zur Sofortdiagnose und Abomodellen bleibt MediaMarktSaturn über den gesamten Produktlebenszyklus an der Seite der Kunden.
- Impact Experience: Vertrauen entlang der Wertschöpfungskette. Die Förderung von “BetterWay”-Produkten, Refurbished-Ware und starken Trade-In-Programmen (Inzahlungnahme) fördert die Kreislaufwirtschaft.

Die 5 Wachstumsmotoren abseits des klassischen Kerngeschäfts
Ein entscheidender Punkt für Marken und Hersteller: Ceconomy plant, künftig mehr als die Hälfte seines Rohertrags (51 % bis zum Geschäftsjahr 28/29) außerhalb des klassischen Handelsgeschäfts zu erwirtschaften. Dafür werden fünf Säulen massiv ausgebaut:
- Services & Solutions: Dieses Feld hat sich zu einem echten “Value Engine” entwickelt. Neben Garantien und Telekommunikation rücken verstärkt ganzheitliche Service-Bundles und zirkuläre Modelle (Refurbished, Repair, Trade-In) in den Fokus.
- Marketplace: Der Marktplatz wächst rasant und soll bis 2028/29 ein Bruttowarenvolumen (GMV) von 1,9 Milliarden Euro erreichen. Dabei setzt Ceconomy auf strikte Kuration und ergänzt das Kernsortiment um neue Kategorien wie Gesundheit, E-Mobilität und Garten.
- Private Label: Die Eigenmarken sollen auf einen Umsatzanteil von 7 % wachsen. Das Portfolio (bisher OK, KOENIC, ISY, PEAQ) soll gestrafft und zusammengeführt werden, um die Kommunikationseffizienz zu steigern.
- Retail Media: Ein riesiges Potenzial für B2B-Partner! MediaMarktSaturn baut sein Retail-Media-Geschäft zu einer 360-Grad-Omnichannel-Lösung aus. Hersteller können Kunden künftig nicht nur im Webshop, sondern auch über Displays im Store und vernetztes TV (CTV) zielgenau ansprechen.
- Retail-as-a-Service (RaaS): Die Flächen in den Märkten werden neu gedacht. Ceconomy wandelt sich vom reinen Vermieter zum aktiven Betreiber von Marken-Boutiquen (“Space-as-a-Service”) und bietet Herstellern Komplettpakete inklusive Logistik, Promotoren und Datenanalysen direkt am Point of Sale.

Saturn erfindet sich neu: Fokus auf Tech-Enthusiasten
Was passiert mit Saturn? Die Marke wird künftig als Sub-Marke unter dem Dach von MediaMarkt positioniert, erhält aber eine viel spitzere Zielgruppe. Saturn richtet sich künftig primär an Tech-Enthusiasten und Innovations-Sucher. Das Konzept fußt auf drei Pfeilern:
- Select: Ein streng selektiertes Sortiment an Trend-Produkten.
- Certified: Produkte, die zusammen mit externen Instituten geprüft wurden.
- Drops: Exklusive Launch-Events und Vorabzugang zu neuen Technologien.

Technologie, KI und der starke Partner JD.com
Der Turbo für die technologische Infrastruktur soll durch die geplante Partnerschaft mit dem chinesischen E-Commerce-Giganten JD.com gezündet werden. JD.com bringt führende Logistik- und Technologie-Architektur ein. Wichtig dabei: Ceconomy betont ausdrücklich die Unabhängigkeit seiner Daten und Systeme – es wird ein strikt getrennter, europäischer Tech-Stack aufgebaut.
Wie das Management nun offiziell bestätigte, schreitet die Allianz zügig voran: Nach den Freigaben in Frankreich und Italien hat am 29. Juni 2026 auch das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die investitionskontrollrechtliche Freigabe erteilt. Das endgültige Closing wird für das zweite Halbjahr 2026 erwartet.

Der Weg zum 800-Millionen-EBIT: Vier strategische Hebel
Das finanziell ambitionierteste Ziel, das auf dem Strategy Day ausgerufen wurde, ist die Steigerung des bereinigten EBIT auf 800 Millionen Euro bis zum Geschäftsjahr 2028/29 – ein sattes Plus von 60 % im Vergleich zu den für das aktuelle Jahr erwarteten 500 Mio. Euro. Hinzu kommt die Generierung eines Free Cashflows von rund 300 Millionen Euro.
Um dieses Wachstum zu stemmen, nimmt das Unternehmen massiv Geld in die Hand: Die jährlichen Investitionen sollen auf rund 350 Millionen Euro hochgefahren werden, um die technologischen und logistischen Fähigkeiten gezielt auszubauen.
Rijnders erklärte die Philosophie hinter diesem Ziel sehr anschaulich: „Das Modell ist unkompliziert: den Kern stärken, die Wachstumsgeschäfte beschleunigen und beides zusammenwirken lassen.“ Um dieses ehrgeizige Profitabilitätsziel zu erreichen, setzt das Management auf vier konkrete Hebel:
- Rohertragssteigerung durch Wachstumsfelder: Der massive Ausbau der margenstärkeren Geschäfte (Retail Media, Marketplace, Services, etc.).
- Strikte Kostendisziplin: Die operative Kostenquote (OpEx) soll stabil gehalten werden, auch wenn der Umsatz wächst.
- Profitables Umsatzwachstum: Man jagt nicht blind aggressiven Wachstumszielen hinterher, sondern plant, stetig, profitabel und leicht über dem Marktdurchschnitt zu wachsen.
- Synergien aus der JD.com-Partnerschaft: Diese sollen mittelfristig das EBITDA zusätzlich unterstützen.
Trotz des rasanten Wachstums der neuen Geschäftsfelder machte der CEO deutlich, dass das klassische Handelsgeschäft das Herzstück bleibt: „Der Kern bleibt essenziell. Er wird die Plattform, die Kundenbeziehungen und den Aufbau unseres Wachstumsmodells finanzieren.“

Fazit für B2B-Partner
Ceconomy entwickelt sich rasant von einem reinen Verkaufsort zu einer interaktiven Vermarktungs- und Service-Plattform. Für Hersteller und Lieferanten bedeutet das: Wer künftig mit MediaMarktSaturn wachsen will, muss das eigene Geschäft stärker in die Retail-Media-Konzepte, RaaS-Modelle und Zirkularitäts-Programme (BetterWay) des Händlers integrieren. Der reine Preiskampf rückt in den Hintergrund – das gemeinsame Schaffen von “Moments of Trust” wird zur zentralen Währung.
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