Kabelgebundene Kopfhörer erleben aktuell ein bemerkenswertes Revival. Nachdem der Markt in den vergangenen Jahren klar von kabellosen Earbuds dominiert wurde, greifen Konsumenten – insbesondere junge Zielgruppen – wieder verstärkt zu Modellen mit Kabel. Das zeigen aktuelle Verkaufszahlen von Galaxus und Digitec.

„Der Trend zeigt sich seit 2025, dieses Jahr hat die Bewegung weiter Schwung bekommen“, sagt Tim Busslinger, der bei Galaxus und Digitec fürs Kopfhörer-Sortiment verantwortlich ist.
Mit dem Siegeszug der True-Wireless-Kopfhörer schien das Ende kabelgebundener Modelle bereits besiegelt. Spätestens nach dem Wegfall der klassischen 3,5-mm-Klinkenbuchse bei Smartphones verlagerte sich der Markt massiv in Richtung Bluetooth-Audio. Bereits 2017 war die Hälfte der bei Galaxus und Digitec verkauften Kopfhörer kabellos, drei Jahre später sogar drei von vier Modellen.
Inzwischen zeigt sich jedoch eine Gegenbewegung: Heute kommen laut Händlerangaben wieder 36 Prozent der verkauften Kopfhörer mit Kabel zum Einsatz. Elf Prozent davon entfallen auf Hybridmodelle, die sowohl kabelgebunden als auch kabellos genutzt werden können.

Junge Käufer greifen zu Kabel-Kopfhörern
Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung bei jungen Käuferinnen und Käufern bis 25 Jahre. In dieser Altersgruppe sind inzwischen 43 Prozent der gekauften Kopfhörer kabelgebunden – doppelt so viele wie noch zu Beginn der 2020er-Jahre. Auch Frauen greifen zunehmend zu Wired-Audio-Lösungen: Insgesamt entscheiden sich aktuell 37 von 100 Käuferinnen für kabelgebundene Modelle. Bei den unter 25-jährigen Frauen liegt der Anteil sogar bei 45 Prozent.

Promis und Klangqualität treiben den Trend
Nach Einschätzung von Tim Busslinger spielen dabei neben funktionalen Aspekten auch modische Faktoren eine zentrale Rolle. Prominente wie Justin und Hailey Bieber, Ariana Grande, Robert Pattinson, Bella Hadid oder Charli XCX präsentieren sich öffentlich mit kabelgebundenen Kopfhörern. Damit werden die Geräte zunehmend zum sichtbaren Fashion-Accessoire im Stil der frühen 2000er-Jahre.
Hinzu kommt der Wunsch vieler Nutzer nach unverfälschtem Klang. Vor allem audiophile Zielgruppen schätzen die direkte Signalübertragung kabelgebundener Modelle. Häufig kommen dabei zusätzlich hochwertige DAC-Adapter (Digital-Analog-Wandler) zum Einsatz, um die Klangqualität weiter zu optimieren.
Auch der Verzicht auf Akkus spielt eine wichtige Rolle. Kabelgebundene Kopfhörer sind jederzeit einsatzbereit und müssen nicht geladen werden. „Gerade Pendlerinnen oder Vielnutzer ärgern sich, wenn der Podcast oder Song wegen leerem Akku unterbricht.“
Nicht zuletzt bleibt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis ein Argument: Modelle mit USB-C-Anschluss oder Klinkenadapter sind häufig günstiger als vergleichbare Bluetooth-Produkte und sprechen damit preisbewusste Käufergruppen an.
Ob sich der Trend langfristig etabliert, bleibt offen. Aktuell steht das Kabel jedoch zunehmend für Individualität und bewussten Konsum. „Wer heute mit Kabel im Bus sitzt, trägt nicht einfach einen Kopfhörer – sondern eine Haltung. Die Botschaft lautet: weniger Akku-Stress, mehr Klang, und bitte keine AirPods wie alle anderen.“
