Vorsichtig optimistisch blickt der ZVEI nach mehreren schwierigen Jahren in die Zukunft: „Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie dürfte 2026 nach drei Jahren Stagnation und Rückgang erstmals wieder wachsen“, erklärte ZVEI-Präsident Dr. Gunther Kegel auf der Jahresauftakt-Pressekonferenz. Für 2026 wird ein reales Produktionsplus erwartet, nachdem sich die Branche 2025 bereits stabilisiert hat. „Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent.“
Aufwärtstrend erkennbar
Nach einem massiven Einbruch von -8,8 Prozent im Jahr 2024 lag die reale Produktion 2025 bei etwa -0,5 Prozent. 2025 war geprägt von einer wirtschaftlichen Bodenbildung: Die nominalen Erlöse stiegen voraussichtlich auf 226 Mrd. Euro (+2,7 Prozent), während sich die Beschäftigung mit rund 877.000 Mitarbeitenden vergleichsweise stabil zeigte. Positive Impulse kamen insbesondere von den Auftragseingängen, die insgesamt um fünf Prozent zulegten. Auch die Exporte entwickelten sich robust: Mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 236,2 Mrd. Euro trugen vor allem Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt und nach Großbritannien dazu bei, Rückgänge in den USA und China auszugleichen. „Der europäische Binnenmarkt ist unsere Rückversicherung in unsicheren Zeiten.“ Diesen zu stärken, sei eine Pflichtaufgabe. Laut IWF wirken interne Hindernisse in der EU heute wie ein Zoll von 44 Prozent.

Reaktion auf geopolitische Unsicherheiten
Hier sieht der ZVEI dringenden Handlungsbedarf und schlägt drei Handlungsstränge vor: Öffentliche Fördermittel sollten gezielt dort eingesetzt werden, wo sie hiesige Wertschöpfung schaffen und die Resilienz stärken. Ein besonderes Augenmerk müsse dabei auf Schlüsseltechnologien wie etwa Mikroelektronik und Batterien liegen. Zweitens sollte die Wirtschaftssicherheit durch einen „Made with Europe“-Ansatz vertieft werden, der verlässliche Handelspartnerschaften mit Zugang zum Binnenmarkt belohne. Und schließlich sollten insbesondere bei sicherheitsrelevanten Sektoren und kritischer Infrastruktur lokale Kapazitäten vorgehalten werden. Für alle drei Punkte gelte, dass es sich um Ausnahmeinstrumente handelt, die regelmäßig überprüft werden müssen.

Mutige Reformen gefordert
Trotz steigender Kapazitätsauslastung sieht der Verband weiterhin Reformbedarf. Denn der von der Bundesregierung angekündigte Herbst der Reformen ließe weiter auf sich warten. „Um neue wirtschaftliche Dynamik zu entfachen, braucht es mutige Reformen, nicht nur Ankündigungen“, so Kegel. Bürokratie und ausbleibende Sozialreformen belasteten die Unternehmen. „Gesellschaftlicher Wohlstand muss erst erarbeitet werden, bevor er verteilt werden kann.“

KI als Wachstumsmotor
Großes Wachstumspotenzial sieht der ZVEI in Künstlicher Intelligenz. „Unsere Unternehmen haben bei industriellen KI-Anwendungen eine starke Ausgangsposition“, sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Deutschland verfüge über umfangreiche industrielle Daten, die für KI-gestützte Optimierungs- und Rechenmodelle entscheidend seien. Laut IW Consult könnte so bis 2035 eine zusätzliche Wertschöpfung von 144 Mrd. Euro entstehen. Kritisch sieht der Verband jedoch den EU AI Act: „Industrielle KI im AI Act zu regulieren, ist wie die Einführung von Tempo 30 auf der Autobahn. Wir bremsen uns selbst aus“, warnte Weber und forderte, industrielle Anwendungen aus der Regulierung herauszunehmen.

Im Rahmen der Pressekonferenz betonten Dr. Gunther Kegel und Wolfgang Weber die hohe Bedeutung der Hannover Messe als das „Tor zur Welt“. Mit einer neuen Raumaufteilung und optimierter Besucherführung wolle die Branche 2026 ein starkes Zeichen für Innovation setzen.
