Patrick Döring, Vorstandsvorsitzender Wertgarantie, (r.) und Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb Wertgarantie, auf dem KOOP-Messestand in Hannover,
Im Zentrum von Wertgarantie steht weiterhin das klassische Kerngeschäft: Reparaturkostenschutz und Service rund um Elektrogeräte, machten Patrick Döring, Vorstandsvorsitzender Wertgarantie und Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb Wertgarantie im Gespräch mit infoboard-Herausgeber Gabriel Wagner und Chefredakteurin Rita Breer deutlich. Dieses Modell dürfte durch die europäische Regulierung mit dem Recht auf Reparatur eher noch an Bedeutung gewinnen als an Relevanz verlieren. „Unser Kerngeschäft ist das Thema Rundum-Schutz-Versicherung. Da kommen wir her und das wird auch so bleiben – und durch das Recht auf Reparatur wird dies sogar noch notwendiger“, erklärt Thilo Dröge.
Mit der EU-Initiative zum Recht auf Reparatur rücke die Reparaturfähigkeit von Geräten künftig stärker in den Fokus – und damit auch die Infrastruktur, die Reparaturen tatsächlich ermöglicht. Denn gesetzliche Vorgaben allein lösen das Problem nicht, wenn es an qualifizierten Dienstleistern fehle,
„Man unterschätzt beim Thema Recht auf Reparatur oft: Man kann vieles regeln, aber am Ende muss es auch jemand machen“, so Thilo Dröge. Gerade deshalb werde der serviceorientierte Fachhandel künftig noch wichtiger – sowohl für Verbraucher als auch für Hersteller, die auf funktionierende Reparaturnetzwerke angewiesen seien.
Deutschland verfügt dabei über eine vergleichsweise dezentrale Serviceinfrastruktur, die stark durch mittelständische Händler geprägt ist. Diese Struktur gilt als Wettbewerbsvorteil vor allem gegenüber Branchengiganten wie JD.com. Der Fokus müsse also ganz klar darauf liegen, diesen Vorteil weiter zu erhalten.
Um so bedeutender sei die gemeinsame Kooperation von Wertgarantie mit Euronics, expert und ElectronicPartner, sagt Patrick Döring. „Es geht darum, Kräfte zu bündeln und Doppelarbeit zu vermeiden.“
Parallel zum regulatorischen Druck wachse aber auch das gesellschaftliche Interesse an Nachhaltigkeit und längeren Produktlebenszyklen. Reparaturen spielen dabei eine zentrale Rolle. Allerdings hänge die tatsächliche Nachfrage stark von der wirtschaftlichen Situation der Verbraucher ab.
Steigende Lebenshaltungskosten führen dazu, dass viele Haushalte stärker auf ihr Budget achten. Gerade in solchen Phasen gewinnen Reparaturmodelle und Reparaturversicherungen an Attraktivität.
„Der Kunde will grundsätzlich nachhaltig handeln, er muss es sich aber auch leisten können“, so die Einschätzung von Patrick Döring.
Die Vorteile von Reparaturen liegen auf der Hand: Neben ökologischen Aspekten sprechen auch ökonomische Gründe dafür. Sie sind in vielen Fällen günstiger als ein Austauschgerät, stärken die Kundenbindung zum Händler und halten Wertschöpfung in der regionalen Serviceinfrastruktur.
Neben Reparaturservices entwickelt sich ein weiteres Modell zunehmend zum Zukunftsthema: die Miete von Elektrogeräten. Wertgarantie hat hierfür ein Unternehmen in Österreich übernommen und testet das Konzept inzwischen auch in Deutschland mit wachsendem Erfolg.
Die Idee dahinter ist zweigeteilt. Einerseits ermöglicht das Modell Haushalten den Zugang zu wichtigen Geräten, wenn eine Neuanschaffung finanziell schwierig ist. Andererseits trifft es den Zeitgeist jüngerer Zielgruppen, die zunehmend auf Nutzungs- statt Besitzmodelle setzen.
„Es gibt Kunden, die sich ein Neugerät nicht leisten können – und es gibt junge Zielgruppen, die in Abo-Modellen denken und ein Gerät gar nicht besitzen müssen“, erklärt Thilo Dröge.
Besonders gefragt seien dabei klassische Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen, Geschirrspüler oder Herde – also Produkte des täglichen Bedarfs. Gleichzeitig entstehen neue Anwendungsszenarien, etwa für Studierende, Wohngemeinschaften oder möblierte Mietwohnungen.
Ein zusätzlicher Effekt des Mietmodells liege in der besseren Integration in eine Kreislaufwirtschaft. Geräte, die nach Ablauf der Mietdauer zurückgegeben werden, können über Servicepartner aufbereitet und erneut in den Markt gebracht werden.
Damit entstehe ein zweiter Lebenszyklus für viele Produkte – ein Ansatz, der sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile biete. Für den Fachhandel kann sich daraus ein zusätzlicher Markt für aufbereitete Geräte entwickeln.
Angesichts regulatorischer Anforderungen, Fachkräftemangel und technologischer Veränderungen setzt die Branche zunehmend auf Kooperation – ein echter Paradigmenwechsel! Händlerkooperationen, Serviceorganisationen und Versicherungsanbieter versuchen, ihre Strukturen stärker zu verzahnen. Ziel ist es, Reparaturkapazitäten effizienter zu nutzen und Kunden schneller Lösungen anbieten zu können. Gleichzeitig soll der Fachhandel als zentraler Ansprechpartner für Serviceleistungen gestärkt werden.
Am Ende entscheidet aus Branchensicht vor allem ein Faktor über den zukünftigen Erfolg: die tatsächliche Relevanz für den Kunden. „Ich glaube, dass irgendwann die Relevanz entscheidend sein wird – also das, was einen Händler ausmacht und was er seinen Kunden anbietet“, lautet die Einschätzung von Patrick Döring und Thilo Dröge.
Und welche neuen Geschäftsfelder will Wertgarantie für sich erschließen? „Wir haben auf der KOOP auch die Möglichkeit vorgestellt, komplette Küchen, also Holz und Geräte, abzusichern. Zudem fokussieren wir uns mehr auf Gebrauchtgeräte und neue Branchen wie Brillen oder Wärmepumpen“, skizziert Patrick Döring künftige Umsatzfelder. „Manchmal sind wir bei Wertgarantie fast ein bisschen zu schnell, aber meistens sind wir dann vorbereitet, wenn die anderen nachziehen. Auch im Bereich Mikromobilität für den Elektrofachhandel sehen wir tolle neue Chancen.“
Mit dem Zusammenspiel aus Reparaturservices, Mietmodellen und neuen Partnerschaften zeichnet sich damit ein Wandel ab, der die Elektrohausgerätebranche langfristig verändern könnte – und dem serviceorientierten Fachhandel neue Chancen eröffnet.
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