Das größte Unternehmensrisiko ist mangelnde Anpassung an Marktveränderungen. Quelle: United Interim Wirtschaftsreport 2026
Die häufigsten Ursachen für wirtschaftlichen Abstieg sehen die befragten Experten in mangelnder Anpassung an Marktveränderungen (87 Prozent), einer zu späten Kenntnisnahme der dramatischen Lage (86 Prozent) sowie ineffizienter Unternehmensführung (81 Prozent). Hinzu kommen Beratungsresistenz im Topmanagement (79 Prozent), eine zu geringe Ausrichtung am tatsächlichen Kundenbedarf (74 Prozent) und fehlende Innovationsbereitschaft (71 Prozent).
Weitere strukturelle Schwächen verschärfen Krisenlagen zusätzlich. Unzureichendes Risikomanagement, schlechte Personalpolitik, Klumpenrisiken und eine einseitige Kostenfokussierung zählen ebenfalls zu den häufig genannten Problemfeldern. Dr. Andreas Vieweg, einer der Experten von UNITEDINTERIM verweist auf ein oft unterschätztes Thema: „Viele Unternehmen vernachlässigen ihre Stammdaten über viele Jahre: Fehlende Pflege und Struktur kosten Effizienz in Prozessen, verhindern Auswertbarkeit und hemmen Standardisierungen. Der Datenmüll erfordert mehr Controller – der Kurs in die Krise ist im Grunde vorprogrammiert.“
Christian Florschütz ergänzt: „Die Firmen unternehmen alles Mögliche, von Kostensenkungsmaßnahmen über Management-Revirements bis zur Restrukturierung, aber in den seltensten Fällen geht es dabei um die Kernfrage, wie der Kundenbedarf stärker in den Mittelpunkt gestellt werden kann.“ Und Eckhart Hilgenstock beobachtet: „Viele Unternehmen stecken derart tief im Krisenmodus, dass sie nicht die Kraft finden, die Potenziale neuer Technologien wie Künstlicher Intelligenz für sich zu heben.“
Auch Defizite in der Personalpolitik gelten als Krisenbeschleuniger. „Fehlbesetzungen, mangelnde Führungskräfteentwicklung und fehlende Anpassung an neue Arbeitswelten führen dazu, dass die Leistungsträger eine Firma verlassen und nur noch die Verwalter übrigbleiben“, sagt Paul Stricker. Ulf Camehn berichtet aus der Praxis: „In der Regel bedarf es des Austauschs der ersten Führungsebene sowie mindestens fünfzig Prozent der zweiten Führungsebene, die häufig DIE ‚Lähmschicht‘ für Veränderungen ist.“
Die Rolle der Politik wird im Report differenziert betrachtet. Roland Streibich kritisiert: „Der unsägliche Anti-Wirtschaftskurs der EU, von der deutschen Politik über Jahre hinweg noch verstärkt, hat letztlich zur heutigen Situation geführt.“ Gleichzeitig mahnt Dr. Harald Schönfeld: „Der Politik den Schwarzen Peter zuzuschieben ersetzt keine Firmenstrategie.“ Dr. Sven Mues sieht angesichts hoher Energiekosten und Bürokratie konkrete Standortnachteile: „Relocation ist angesichts der gravierenden Schwächen des Wirtschaftsstandorts Deutschland tatsächlich in vielen Fällen aus unternehmerischer Sicht der beste Weg.“ Friedhelm Best empfiehlt zudem „den Blick nach Asien zu richten“ und betont: „Angesichts Europas Schwäche und globaler Unsicherheiten sollten Unternehmen Asien als stabilen, strategisch wichtigen Absatzmarkt für nachhaltiges Wachstum und Innovation stärker in den Fokus rücken.“
Für einen erfolgreichen Turnaround sind nach Einschätzung der Interim Manager vor allem Vertrauen in die Entscheidungsstärke des Managements (89 Prozent), ein situationsgerechtes Veränderungsmanagement (88 Prozent) und Krisenerfahrung (84 Prozent) entscheidend. „Turnaround-Management ist vor allem Führungsstärke gepaart mit Erfahrung, zügigem Handeln und klarer Kommunikation mit allen Stakeholdern“, so Klaus-Peter Stöppler. Scheitern Sanierungsversuche, liegt das meist an „zu spätem Handeln“ sowie an Beratungsresistenz und fehlender Konsequenz.
Unternehmen, die die Krise überwinden, setzen laut Studie auf transparente Kommunikation, stärkere Marktnähe, konsequenten Kundenfokus, Prozessverschlankung und eine klare Cashflow-Orientierung. „Eine Restrukturierung ist oftmals nur mit einem Managementwechsel möglich, um diese Erkenntnisse umzusetzen“, weiß Ulf Camehn. Christian Florschütz und Eckhart Hilgenstock bringen eine zentrale Erkenntnis auf den Punkt: „Viele Unternehmen lernen erst im Rahmen einer Restrukturierung, sich wieder auf ihre Kunden und deren Bedarf zu fokussieren.“
Gerade für die Elektrohausgerätebranche, die unter hohem Innovationsdruck, steigenden Kosten und intensivem Wettbewerb steht, liefert der Wirtschaftsreport damit deutliche Hinweise: Marktanpassungsfähigkeit, saubere Datenstrukturen, Diversifikation, technologische Offenheit – etwa gegenüber Künstlicher Intelligenz – sowie eine klare Kundenorientierung sind zentrale Erfolgsfaktoren. Oder wie Jan Beutnagel resümiert: „Gute Manager bringen ihr Unternehmen auch durch schlechte Zeiten.“
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