Harlod Maronn in seinem Geschäft in Wismar.
„Wir kommen ja generell aus der Reparatur“, sagt Harold Maronn, dessen Großeltern das Geschäft gründeten. Die Geschichte des Unternehmens reicht weit zurück – durch Kaiserreich, DDR und Wiedervereinigung. „Zu DDR-Zeiten durften wir gar nichts verkaufen. Wir haben mit 15 Leuten repariert wie die Verrückten.“ Radios, Fernseher, Verstärker – vieles wurde damals sogar selbst gebaut. „Trafos selbst gewickelt, Elkos repariert – all so ein Quatsch“, erinnert er sich lachend.
Nach der Wende versuchte der Familienbetrieb zunächst, mit günstiger Ware zu bestehen. Doch schnell merkten Harold Maronn und sein Team: Das funktioniert im Fachhandel nicht. Und so stellte er sein Sortiment konsequent auf Premium um. Erst Grundig City Line, später Bang & Olufsen, heute Loewe und individuelle Designlösungen. Schon Harold Maronns Oma hatte stets gesagt: „Ich habe nicht genug Geld, dass ich mir was Billiges kaufen kann. Man kauft es dann nämlich doppelt.“
Das Konzept ging auf: Nicht nur das 150 qm große Geschäft in Wismar an der Krämerstraße gehört zur Firma, sondern inzwischen auch ein 300 qm großes Studio in Schwerin. Der entscheidende Unterschied zum Wettbewerb liegt für Maronn aber nicht allein im Produkt, sondern im Erlebnis. „Premiumgeräte verkaufen sich ganz klar über Emotionen“, sagt er. „Wir machen hier Zauberkunststücke mit den Geräten. Der Kunde muss in Verzückung fallen.“ Und sei dann auch bereit, TV-Geräte von 5.000 Euro und mehr zu kaufen.
Und genau dafür müsse der Fachhändler raus zum Kunden. „Es ist ein unschlagbarer Vorteil, wenn ich vor Ort bei den Leuten zu Hause bin und sie in ihrem privaten Umfeld berate.“ Dort entstehe Vertrauen – und oft auch zusätzlicher Bedarf. „Sie sind in ihrer gewohnten Umgebung und ich kann sie emotional besser abholen.“ Sein schönster Satz im Interview bringt die Philosophie auf den Punkt: „Wenn du einmal auf dem Sofa des Kunden sitzt, ist alles möglich.“
Genau deshalb hält Maronn das Reparaturgeschäft für unverzichtbar. „Ein Fachhändler, der nicht repariert, vergibt sich sehr viel.“ Denn die Reparatur öffne die Tür zum Kunden – wortwörtlich.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Unterhaltungselektronik. Heute liefern die Teams von Funkhaus Küchenmeister auch Waschmaschinen, Kaffeevollautomaten oder komplexe Netzwerk- und Multiroom-Lösungen. „Du musst heutzutage auch Showmaster sein“, sagt Maronn. Gerade im hochwertigen Bereich seien die Anforderungen enorm. Fernseher, die aus der Decke fahren, komplette Audio-Netzwerke oder Designinstallationen gehören inzwischen zum Alltag.
Dass dieser Service Geld kosten muss, sagt Maronn ebenso offen. „Wenn wir einen Fernseher liefern, kostet das 149 Euro. Wenn wir den zu zweit liefern, 199 Euro.“ Sein Stundenverrechnungssatz liegt bei 99 Euro. „Das geht nicht anders.“ Der Fachhandel habe viel zu lange versucht, Marktpreise mitzugehen, mit den entsprechenden Folgen, dass immer mehr Händler vom Markt verschwunden sind.
Umso wichtiger sei heute ein starker Verbund wie Telering. Denn gerade inhabergeführte Fachhändler brauchen Rückhalt, Einkaufskraft und Austausch. Maronn formuliert es indirekt über seine Erwartungen an Industrie und Partner: „Einfach Nahbarkeit. Ehrlichkeit. Und ein gutes Miteinander.“ Genau darin liegt auch die Stärke von Telering als Verbundgruppe und Großhandel: Nähe zu den Händlern, kurze Wege und ein partnerschaftliches Verständnis für die Realität im Fachgeschäft.
Für Unternehmen wie Funkhaus Küchenmeister ist Telering weit mehr als reine Einkaufsorganisation. Der Verband schaffe die Grundlage dafür, dass mittelständische Fachhändler hochwertige Marken, attraktive Konditionen und professionelle Vermarktung überhaupt stemmen können – ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben. „Gerade im Premiumsegment, wo Beratung, Installation und Kundendienst entscheidend sind, wird diese Unterstützung zum Wettbewerbsfaktor.“
Maronn selbst lebt diesen Ansatz konsequent. Er kennt seine Kunden oft seit Jahrzehnten. „Der Stammkunde weiß: Wir können nicht alles, aber wir geben alles und kriegen alles hin.“ Dieses Vertrauen sei heute die eigentliche Währung im Fachhandel. Und obwohl junge Zielgruppen für ihn als Premiumanbieter schwerer erreichbar sind, bleibt er optimistisch. „Die Freude mit den Kollegen und mit den Kunden – das kann dir keiner nehmen.“ Wer diese Chance erkenne, habe im Fachhandel auch künftig Erfolg. „Die Kunden sind so dankbar, wenn man Lösungen für sie findet – und dann läuft’s.“
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