Markt & Branche

Otto wächst weiter – KI, Marktplatz und Logistik als zentrale Treiber


Hat im Geschäftsjahr 2025/26 seinen Wachstumskurs fortgesetzt und sich erneut stärker entwickelt als der Gesamtmarkt: der Otto-Konzern. Der Plattformumsatz (GMV) stieg um sechs Prozent auf rund 7,5 Mrd. Euro, während der IFRS-Umsatz um sieben Prozent auf 4,7 Mrd, Euro zulegte. Damit übertrifft der Hamburger Onlinehändler das Marktwachstum im deutschen E-Commerce deutlich, das der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) mit etwa drei Prozent beziffert.

Dr. Boris Ewenstein, CEO von Otto, ordnet die Entwicklung ein: „Wir freuen uns, dass wir auch in diesem Geschäftsjahr über dem Markt wachsen konnten. Das zeigt: Otto kann im verschärften Wettbewerb seine Position als größter deutscher Onlineshop nicht nur behaupten, sondern weiter ausbauen. Damit haben wir eine sehr starke Basis geschaffen, um in den nächsten Jahren weiter Marktanteile zu gewinnen.“

Marktplatz, Services und Retail Media treiben das Geschäft

Wachstum kam aus allen Erlössäulen: Das Handelsgeschäft legte um drei Prozent zu, der Marktplatz wuchs mit einem GMV-Plus von neun Prozent überdurchschnittlich. Insgesamt bieten rund 6.100 Partner inzwischen etwa 19 Mio. Artikel auf der Plattform an. Besonders dynamisch entwickelten sich die Sortimentsbereiche Home & Living (+7 Prozent) sowie Fashion & Sports (+9 Prozent).

Deutlich überdurchschnittlich performte zudem Otto Advertising: Das Retail-Media-Geschäft wuchs um 49 Prozent und gewinnt damit weiter an Bedeutung.

Logistik als Wettbewerbsfaktor

Für die Branche besonders relevant ist die Weiterentwicklung der Logistik. Otto steigert die Servicequalität bei Großgeräten deutlich: Bereits heute wird jedes dritte Großgerät über Hermes am nächsten Tag ausgeliefert – ohne Aufpreis. Zudem soll die Next-Day-Delivery-Quote für Pakete auf 50 Prozent erhöht werden.

Diese Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung schneller, kostenfreier Lieferung auch im Segment der Elektrohausgeräte.

KI verändert das Einkaufserlebnis

Ein zentraler Wachstumstreiber ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz. Otto setzt verstärkt auf hyperpersonalisierte Einkaufserlebnisse und KI-gestützte Beratung.

„Wir stehen am Beginn einer neuen Ära im Handel. KI verändert die Kundenerwartungen grundlegend, aber auch die Möglichkeiten, Service und Beratung online auf ein ganz neues Level zu heben“, betont Ewenstein.

Mit einem neuen KI-Assistenten will Otto die klassische Fachberatung aus dem stationären Handel digital abbilden: „Mit unserem KI-Assistenten überführen wir ein jahrzehntelang stationär geprägtes Einkaufserlebnis erstmals konsequent in den digitalen Raum – und verbessern es dabei sogar.“

Für den beratungsintensiven Verkauf von Haushaltsgeräten könnte dieser Ansatz künftig eine zentrale Rolle spielen.

Internationalisierung und Sortimentserweiterung

Parallel baut Otto seinen Marktplatz international aus. Nach ersten Partnern aus den Niederlanden sollen Anbieter aus weiteren europäischen Ländern folgen.

„Die Marktplatzinternationalisierung ist für uns ein wichtiger Schritt, um unser kuratiertes Sortiment weiter auszubauen und gleichzeitig qualitativen Partnern aus dem EU-Ausland Zugang zu unserer reichweitenstarken Plattform zu eröffnen“, so Ewenstein.

Strategisches Ziel: 10 Mrd. Euro Umsatz

Langfristig peilt Otto bis 2028 einen Umsatz von 10 Mrd. Euro an. Gleichzeitig setzt das Unternehmen auf strukturelle Anpassungen zur Kostensenkung und plant den Abbau von 460 Stellen.

Ewenstein dazu: „Um im verschärften Wettbewerb dauerhaft zu bestehen, müssen wir Otto organisatorisch und wirtschaftlich zukunftssicher aufstellen.“

Fazit für die Branche

Otto positioniert sich klar als technologiegetriebene Plattform mit wachsender Marktplatz- und Serviceorientierung. Für die Elektrohausgerätebranche sind insbesondere die beschleunigte Logistik bei Großgeräten, KI-gestützte Beratung als digitaler Ersatz für stationäre Expertise sowie die zunehmende Internationalisierung des Marktplatzes von Bedeutung. Diese Entwicklungen dürften den Wettbewerbsdruck im Onlinegeschäft weiter erhöhen.

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Rita Breer

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