Für den harten Wettbewerb zu träge? Scheint so, denn Melitta räumt auf. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom vergangenen Donnerstag soll die Kaffeegruppe aus Minden eine neue Struktur bekommen. Folge: „Etliche Mitarbeiter bangen um ihre Jobs“. Insbesondere im Stammgeschäft mit Filtern und Haushaltsartikeln, das etwa ein Drittel des Konzernumsatzes von zuletzt gut 1,3 Mrd. Euro trage, stehe das Unternehmen, so die FAZ, unter Druck.

Der geschäftsführende Gesellschafter Jero Bentz, übrigens ein Urenkel der Unternehmensgründerin, ist jetzt offenbar mit dem Ziel angetreten, die eher komplizierte Struktur des Unternehmens aufzubrechen und neu zu sortieren. Das Ziel: Die Schlagkraft zu erhöhen. Die Ertragslage sei nicht zufrieden stellend, so Bentz im Gespräch mit der FAZ: „Wir müssen die Kosten senken und das Tempo deutlich erhöhen.

Ohne Filter, ohne Beutel

Dabei sind nicht einmal alle Probleme und Herausforderungen hausgemacht. Vielmehr trifft Melitta, wie viele andere auch, der Strukturwandel in einigen Kerngeschäftsfeldern. Beispiel Staubsaugerbeutel: Beutellose Staubsauger haben in den letzten zehn Jahren einen Siegeszug hierzulande angetreten. Das bleibt für einen Beutelproduzenten nicht ohne Schramme. Gleiches gilt für den Kaffeemarkt: Der Vormarsch von Vollautomaten, Kapsel-Systemen und Pad-Maschinen sorgt für sinkende Absatzzahlen, daran kann auch die zuletzt eingeläutete Filter-Renaissance nichts ändern.

Unstrittig ist, dass Jero Bentz jetzt erste Duftmarken setzt. Gesellschafter und Beirat haben ihn vor gut zwei Jahren einstimmig zum persönlich haftenden Gesellschafter der Melitta Gruppe und zum Mitglied der Unternehmensleitung berufen. Bentz vertritt damit die 4. Familiengeneration in der Leitung der Unternehmensgruppe. Zuvor hatte er seit 2010 den Zentralbereich Unternehmensentwicklung der Melitta Gruppe als Geschäftsführer geleitet.

Kosten senken, Tempo erhöhen

Jetzt geht es offenbar ans Eingemachte. Nach FAZ-Informationen stehen zwei Werksschließungen auf der Agenda. Vor verschlossenen Toren und Türen steht man wohl künftig im westfälischen Exter, wo die Tochtergesellschaft Wolf PVG Staubsaugerbeutel produziert. Die Produktion soll im nicht weit entfernten Spenge konzentriert werden. Alle Schotten dicht heißt es wohl auch bei Cofresco in Minden. Die Fertigung der Frischhaltebeutel soll nach Polen verlagert werden.

Bentz geht es insgesamt darum, „wieder stärkere Wachstumsimpulse zu bekommen“ und das Geschäft der Gruppe auf drei Säulen zu konzentrieren: Kaffee, Kaffeezubereitung und Haushaltsprodukte. Eine existenzgefährdende Schieflage schließ Bentz laut Bericht der FAZ indes aus: “Wir sind sehr gut finanziert und haben eine Eigenkapitalquote von rund 40%“. Einen externen Investor brauche das Unternehmen nicht.

Matthias M. Machan

Recent Posts

Goodbye, Martin Richrath – Welcome, Frank Duijst

Manche Abschiede sind mehr als ein formeller Schlusspunkt – sie markieren das Ende eines prägenden… Read More

4 Tagen ago

Homeoffice als Energiesparhebel: Studie sieht Einsparpotenzial von 32 Mio. Litern Kraftstoff täglich

Eine aktuelle Auswertung der Konstanzer Homeoffice-Studie zeigt ein erhebliches Energieeinsparpotenzial durch mobile Arbeit: Würden alle… Read More

5 Tagen ago

Segway erreicht Meilenstein: Eine Million verkaufte eKickScooter der „Ninebot E2“-Serie

Segway meldet einen bedeutenden Erfolg im Bereich Mikromobilität: Weltweit wurden mehr als eine Million eKickScooter… Read More

5 Tagen ago

expert: Macht Fachhandel fit für das WM-Geschäft

Setzt seine Qualifizierungsoffensive im Bereich Unterhaltungselektronik fort: expert. Vom 4. bis 8. Mai kommen in… Read More

5 Tagen ago

Bosch: 80-Euro-Incentive zur Fußball-WM

Bosch flankiert die Fußball-WM 2026 mit einer aufmerksamkeitsstarken Fachhandelsaktion für seine Exclusiv Wäschepflegegeräte. Unter dem… Read More

5 Tagen ago

Unold Eismaschine CREAM DREAM: Cremiger Genuss für jeden Geschmack!

Die Eismaschine CREAM DREAM bringt Vielfalt und Genuss direkt in Ihre Küche. Ob klassische Eiscreme,… Read More

5 Tagen ago