Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der mkk – meine krankenkasse zeigt ein deutliches Spannungsfeld zwischen Gesundheitsbewusstsein und tatsächlichem Verhalten – insbesondere bei jungen Menschen. Obwohl die unter 30-Jährigen überdurchschnittlich gut informiert sind und sich intensiv über Themen wie Ernährung, Bewegung und mentale Gesundheit austauschen, gelingt die Umsetzung im Alltag häufig nicht.
Gut informiert – aber überfordert im Alltag
Digitale Kanäle spielen dabei eine zentrale Rolle: 72 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen Internet und Social Media als wichtigste Informationsquelle für Gesundheitsthemen. Dennoch stehen dem hohen Wissensstand strukturelle Hürden gegenüber. Zeitmangel, berufliche Unsicherheit und psychische Belastungen verhindern oft die Etablierung gesunder Routinen. So nennen 77 Prozent fehlende Motivation oder soziale Unterstützung als Grund für Bewegungsmangel, 74 Prozent Zeitmangel. Auch Entspannung kommt zu kurz: 44 Prozent führen dies auf Überforderung im Job zurück, 41 Prozent auf anhaltende Sorgen.
Diese Diskrepanz zeigt sich auch bei der Nutzung von Präventionsangeboten. Trotz eines breiten Angebots greifen viele nicht darauf zurück: Nur rund jeder Zehnte hat im vergangenen Jahr einen Gesundheitskurs besucht, 41 Prozent gar keinen. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert sogar bei 54 Prozent. Neben Zeitmangel fehlt es oft schlicht an Information – 32 Prozent kennen die Angebote ihrer Krankenkasse nicht ausreichend.
Vorständin Andrea Galle ordnet die Ergebnisse ein: „Prävention scheitert weniger am fehlenden guten Willen als an den Rahmenbedingungen des Alltags.“ Und weiter: „Solange Prävention ausschließlich als private Entscheidung angesehen wird, bleiben viele Angebote wirkungslos.“
Ruf nach mehr struktureller Verantwortung

Entsprechend wächst die Forderung nach strukturellen Veränderungen. 69 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, Gesundheitsförderung stärker in die Bildungspolitik zu integrieren. Auch die Bundesschülerkonferenz unterstützt diesen Ansatz. Generalsekretärin Amy Kirchhoff betont: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob Integralrechnung zu beherrschen wichtiger ist als zu wissen, wie man gesund lebt. Für uns liegt die Priorität in der Bildung ganz klar bei der Förderung lebensnaher Kompetenzen.“
Debatte um Gesundheit als Grundrecht gewinnt an Fahrt

Darüber hinaus gewinnt die Debatte um eine stärkere staatliche Verantwortung an Bedeutung. 61 Prozent der Befragten befürworten, den Schutz der Gesundheit im Grundgesetz zu verankern. Eine entsprechende Petition wurde bereits von der Vorständin der mkk – meine krankenkasse, Andrea Galle, und dem emeritierten Sport- und Präventionswissenschaftler Prof. Dr. Ingo Froböse auf den Weg gebracht. Diese fordert eine stärkere verfassungsrechtliche Verankerung von Gesundheitsförderung, unterstützt durch ein juristisches Gutachten, das die Verankerung eines Rechts auf körperliche, geistige und seelische Gesundheit als realistisch einschätzt.
Die Studie macht deutlich: Gesundheit ist längst ein gesellschaftliches Leitbild – doch die Lebensrealität vieler Menschen, insbesondere der jungen Generation, steht dem entgegen. Nachhaltige Verbesserungen dürften daher weniger in zusätzlicher Information liegen, sondern vielmehr in alltagstauglichen Strukturen, die gesundes Verhalten erleichtern.
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