Quay setzt Sehtest-Technologie direkt am Kaufhindernis ein

Digitalisierung verlängert die Customer Journey nicht – sie verhindert ihre Unterbrechung.

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Der US-Brillenhändler Quay testet gemeinsam mit dem Technologieanbieter eyebot automatisierte Sehtest-Kioske in ausgewählten Filialen in Südkalifornien. Wie Forbes am 26. August 2026 berichtet, können geeignete Kunden dort innerhalb von weniger als 15 Minuten die Grundlage für eine ärztlich geprüfte Brillenverordnung erhalten. Bemerkenswert ist dabei weniger die Digitalisierung an sich als ihre Position innerhalb der Customer Journey: Sie setzt genau dort an, wo ein bereits weit fortgeschrittener Kaufprozess bislang unterbrochen werden konnte.

Der Forbes-Beitrag von Kate Hardcastle beschreibt den Einsatz der Technologie zunächst in den Quay-Stores Irvine Spectrum und Victoria Gardens in Südkalifornien. Weitere Standorte sind nach Angaben des Artikels geplant.

Ausgangspunkt ist ein konkretes Problem im stationären Verkauf. Kunden hatten bereits ein Gestell ausgewählt und wollten eine Korrektionsbrille kaufen, stellten beim Abschluss jedoch fest, dass ihre Verordnung abgelaufen war oder keine gültige Verordnung vorlag. Der Einkauf musste damit unterbrochen werden – verbunden mit einem zusätzlichen Termin und gegebenenfalls einem erneuten Besuch im Geschäft.

Quay-CEO Katherine Cousins beschreibt diese Unterbrechung gegenüber Forbes als eine wesentliche Hürde im Optikgeschäft:

“One of the biggest barriers we were seeing in optical was customers finding a frame they loved, but realising at the point of purchase that their prescription had expired or they didn’t have a valid prescription.”

Genau an diesem Punkt setzt die Digitalisierung an. Der notwendige Sehtest wird nicht in einen separaten Prozess ausgelagert, sondern in den bestehenden Einkaufsablauf integriert.

Die Quay-x-eyebot-Technologie ist bereits in ausgewählten Filialen installiert. Eine Ausweitung auf weitere Standorte ist geplant. Foto: Quay.
Die Quay-x-eyebot-Technologie ist bereits in ausgewählten Filialen installiert. Eine Ausweitung auf weitere Standorte ist geplant. Foto: Quay.

Digitalisierung ohne Unterbrechung der Customer Journey

Der interessante Quergedacht-Aspekt liegt damit in der Rolle der Technologie. Der Kunde soll nicht einen zusätzlichen digitalen Prozess absolvieren, nur weil dieser technisch möglich ist. Stattdessen beseitigt die Technologie einen Bruch in einer bereits begonnenen Customer Journey.

Quay-CEO Katherine Cousins betont, dass der mit eyebot angebotene Sehtest der Aktualisierung einer Brillenverordnung dient, aber keine umfassende augenmedizinische Untersuchung ersetzt. Foto: Quay.
Quay-CEO Katherine Cousins betont, dass der mit eyebot angebotene Sehtest der Aktualisierung einer Brillenverordnung dient, aber keine umfassende augenmedizinische Untersuchung ersetzt. Foto: Quay.

Cousins formuliert dieses Prinzip gegenüber Forbes als „moment of intent“ – also den Zeitpunkt, an dem ein Kunde bereits ein Produkt ausgewählt hat und grundsätzlich kaufbereit ist:

“It’s really about meeting the customer in the moment of intent when they’ve already found a frame they love and making it easier for them to complete their purchase.”

Der Forbes-Beitrag macht damit auf einen Punkt aufmerksam, der über die Optikbranche hinausreicht: Viele Retail-Technologien konzentrieren sich auf Produktsuche, Empfehlungen, Checkout oder Bezahlung. Quay setzt dagegen im mittleren Teil des Kaufprozesses an – dort, wo eine fehlende Voraussetzung den Abschluss verhindert.

Die Technologie wird damit nicht selbst zum Ziel des Einkaufserlebnisses. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, einen notwendigen funktionalen Schritt so in den Prozess einzubauen, dass die Customer Journey möglichst ohne Medien-, Orts- oder Terminbruch fortgesetzt werden kann.

Sehtest mit ärztlicher Prüfung

Die Kioske von eyebot kombinieren laut Forbes optische Bildgebung und automatisierte Sehtests mit medizinischer Prüfung. Erfasst werden unter anderem Sehschärfe, Refraktion, Lensometrie und Angaben zur Patientenhistorie. Anschließend werden die Ergebnisse an einen zugelassenen Augenarzt übermittelt, der entscheidet, ob eine Verordnung ausgestellt werden kann.

Das Angebot richtet sich dem Bericht zufolge an Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren ohne bekannte Augenerkrankungen. Forbes weist zudem darauf hin, dass nicht die künstliche Intelligenz die Verordnung ausstellt.

Katherine Cousins grenzt das Angebot entsprechend von einer umfassenden Untersuchung der Augengesundheit ab:

“To be clear about what this is: it’s a vision test for an updated prescription, not a replacement for a comprehensive eye health exam. Those exams are essential, and we point customers to an eye care professional for them.”

Der digitale Prozess verkürzt damit den Weg zu einer aktualisierten Verordnung, ersetzt aber keine umfassende augenmedizinische Untersuchung.

Von der Produktauswahl direkt zum Abschluss

Für Quay besitzt die Integration auch wirtschaftliche Bedeutung. Nach Angaben des Unternehmens, die Forbes wiedergibt, ist die Optik-Kategorie zuletzt um 154 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen.

Bereits nach dem Relaunch des Optikgeschäfts im Februar 2025 hatte CEO Katherine Cousins von einem Wachstum von 105 Prozent gegenüber dem Vorjahr berichtet. Vor dem Relaunch entfielen lediglich rund vier bis fünf Prozent des gesamten Quay-Geschäfts auf Optik. Bei diesen Angaben handelt es sich um Unternehmenszahlen, die Forbes in seinem Beitrag wiedergibt.

Cousins sieht den Nutzen der neuen Technologie deshalb nicht nur in einer höheren Geschwindigkeit. Ein einfacher Weg von der Produktauswahl über die Verordnung bis zum Kauf könne nach ihrer Einschätzung auch die Conversion verbessern und den Zugang zu Korrektionsbrillen erleichtern.

Forbes fasst die grundlegende Idee dahinter sinngemäß so zusammen: Die sinnvollste Technologie im Store muss für Kunden nicht zwangsläufig etwas völlig Neues schaffen. Ihr wirtschaftlicher Wert kann vielmehr darin bestehen, genau die eine Hürde zu identifizieren und zu beseitigen, die einen Kunden daran hindert, einen ohnehin beabsichtigten Kauf abzuschließen.

Quergedacht für den Elektrogerätehandel

Gerade dieser Ansatz macht das Beispiel auch für andere Handelssegmente interessant. Diese Übertragung auf den Elektrogerätehandel ist eine redaktionelle Einordnung und keine Aussage von Forbes.

Bei beratungsintensiven Elektrogeräten gibt es ebenfalls Situationen, in denen die Produktauswahl bereits weit fortgeschritten ist, der Abschluss aber an einer offenen Frage hängen bleibt. Das kann etwa die Prüfung von Einbaumaßen, Anschlussbedingungen, Liefermöglichkeiten, Finanzierung oder zusätzlichen Serviceleistungen betreffen.

Der Quay-Ansatz legt nahe, Digitalisierung nicht isoliert danach zu bewerten, welche neuen Funktionen sie ermöglicht. Entscheidend kann vielmehr sein, an welcher Stelle der Customer Journey sie eingesetzt wird.

Im Idealfall entsteht dadurch kein neuer Prozess, den der Kunde bewältigen muss. Ein bestehender Prozess wird vielmehr so ergänzt, dass ein Kaufinteresse nicht durch einen zusätzlichen Termin, einen Medienwechsel oder einen späteren erneuten Kontakt verloren geht.

Genau darin liegt der Quergedacht-Gedanke des Beispiels: Digitalisierung verlängert die Customer Journey nicht – sie verhindert ihre Unterbrechung.


Quelle: Forbes, Kate Hardcastle, „QUAY’s 15-Minute Vision Test Shows Where Retail Technology Is Heading“, veröffentlicht am 26. August 2026. Die Angaben zu Quay, eyebot, der Funktionsweise der Kioske und den Wachstumszahlen stammen aus diesem Beitrag. Die Übertragung auf den Elektrogerätehandel ist eine redaktionelle Einordnung.

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