Der aktuelle NIQ-Report „Consumer Tech Trends 2027“ beschreibt einen Wandel im Kaufverhalten bei Consumer Tech und langlebigen Gebrauchsgütern. Verbraucher achten stärker darauf, ob Preis, Qualität, Haltbarkeit und konkreter Nutzen eines Produkts zusammenpassen. Für Hersteller und Elektrogerätehandel bedeutet dies, Produktvorteile klarer zu vermitteln und Kaufentscheidungen über den gesamten Customer Journey hinweg zu unterstützen.
NIQ bezeichnet diese Entwicklung als „justified consumption“. Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Unsicherheit verschiebt sich demnach die Perspektive der Verbraucher: Neben der Frage nach der unmittelbaren Bezahlbarkeit gewinnt an Bedeutung, ob sich eine Anschaffung auch längerfristig als sinnvoll erweist.
Grundlage des Reports ist unter anderem eine im März 2026 durchgeführte Onlinebefragung von 17.000 Erwachsenen in 17 Märkten, darunter Deutschland. Ergänzend fließen weltweite Marktdaten von NIQ zu Consumer Tech und langlebigen Gebrauchsgütern ein. Der Report wurde zur IFA 2026 veröffentlicht.
Preis allein entscheidet nicht
Die Preissensibilität bleibt hoch. Nach Angaben von NIQ weisen 63 Prozent der weltweiten Käufer von Consumer Tech und langlebigen Gebrauchsgütern eine hohe Preissensibilität auf. Gleichzeitig nennen 60 Prozent ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis als besonders wichtiges Merkmal einer Marke.
Was Verbraucher unter „Wert“ verstehen, geht jedoch über einen niedrigen Preis hinaus. An erster Stelle steht die Haltbarkeit, gefolgt von hoher Qualität und der Frage, ob ein Produkt den Alltag erleichtert. Eine vertrauenswürdige Marke folgt auf Rang vier. Ein niedriger Preis liegt dagegen erst auf Rang acht.
Auch bei konkreten Kaufentscheidungen spielt Vertrauen eine große Rolle. 56 Prozent der Befragten haben einen Kauf bereits verzögert, weil ein Produkt zu teuer war oder sie auf einen Rabatt warteten. 39 Prozent verschoben ihre Entscheidung aufgrund von Zweifeln an Qualität oder Zuverlässigkeit.
Eine Garantie oder Rückgabemöglichkeit beeinflusst die finale Kaufentscheidung bei 71 Prozent stark oder sehr stark. Für 70 Prozent gilt dies für die Markenreputation und für 65 Prozent für Nutzerbewertungen und Rezensionen.
Die Marktdaten zeigen gleichzeitig, dass die hohe Preissensibilität Premiumprodukte nicht grundsätzlich ausbremst. Überdurchschnittlich entwickeln sich laut NIQ insbesondere Segmente, bei denen zusätzliche Funktionen einen klar erkennbaren Nutzen bieten.
Bei Staubsaugern stieg der globale Umsatzwert 2025 beispielsweise um neun Prozent. Roboterstaubsauger erreichten dagegen ein Plus von 37 Prozent, Nass- und Trockensauger 33 Prozent. Bei traditionellen Siebträger-Espressomaschinen lag das Wachstum bei 20 Prozent, gegenüber drei Prozent bei Heißgetränkezubereitern insgesamt.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Großgeräten. Während Waschmaschinen insgesamt um sechs Prozent zulegten, erreichten Geräte mit Dampffunktion ein Umsatzwachstum von 21 Prozent. Bei Einbaukochfeldern lag das Gesamtwachstum bei acht Prozent, während Modelle mit integriertem Dunstabzug und Flex-Induktion um 21 Prozent zulegten.
Für 2026 erwartet NIQ weltweit einen Umsatz mit Consumer Tech und langlebigen Gebrauchsgütern von 1,4 Billionen US-Dollar. Das entspräche einem Zuwachs von 5,1 Prozent. Für Small Domestic Appliances prognostiziert NIQ ein Plus von sieben Prozent, für Major Domestic Appliances drei Prozent.
Bei kleinen Hausgeräten sieht NIQ insbesondere multifunktionale, smarte und komfortorientierte Produkte als Wachstumstreiber. Bei Großgeräten ist die Nachfrage stärker von Ersatzkäufen geprägt. Als relevante Faktoren nennt der Report Energieeffizienz, Haltbarkeit und Reparierbarkeit, Bedienkomfort sowie die Gesamtbetriebskosten.
Energieeffizienz gewinnt weiter an Bedeutung
Bei Hausgeräten bleibt Energieeffizienz ein wichtiger Faktor. Besonders ausgeprägt ist dies bei häufig genutzten Großgeräten wie Waschmaschinen und Wäschetrocknern.
Der Umsatzanteil von Geräten der besten Energieeffizienzklasse A bei Waschmaschinen, Kühl- und Gefriergeräten, Geschirrspülern und Wäschetrocknern in Europa ist laut NIQ von 23 Prozent im Jahr 2024 auf 30 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Von Januar bis März 2026 erreichte der Anteil bereits 35 Prozent.
Auch bei kleineren Geräten gewinnt der Energieverbrauch als Auswahlkriterium an Bedeutung. Bei Staubsaugern nennen nach Angaben von NIQ bereits 16 Prozent der Verbraucher Energieeffizienz als besonders wichtigen Faktor bei der finalen Produktauswahl.
Für künftige Käufe äußern 76 Prozent der Befragten Interesse an Produkten mit Energiemanagement. 83 Prozent interessieren sich für langlebigere Produkte und 69 Prozent für Geräte, die Wartungsprobleme selbst diagnostizieren können.
KI-Funktionen müssen einen konkreten Nutzen bieten
Auch künstliche Intelligenz wird für Consumer Tech relevanter. 57 Prozent der Befragten geben an, grundsätzlich zu verstehen, was unter KI-gestützten Funktionen zu verstehen ist. Die Bewertung ihres Nutzens fällt allerdings unterschiedlich aus.
27 Prozent sehen einen klaren und relevanten Vorteil. 31 Prozent halten KI-Funktionen in bestimmten Fällen für nützlich, aber häufig nicht für notwendig. Weitere Verbraucher erkennen entweder keinen konkreten Nutzen oder betrachten den Begriff KI eher als Marketingbezeichnung.
Am Beispiel von Roboterstaubsaugern zeigt NIQ, dass zahlreiche von Verbrauchern geschätzte Funktionen bereits auf KI basieren. Dazu gehören unter anderem Kartennavigation, Objekterkennung und automatisierte Docking-Funktionen. Die allgemeine Bezeichnung „KI-Funktionalität“ gehört dagegen weiterhin zu den weniger wichtigen Kaufargumenten.
Der Report leitet daraus ab, dass weniger das Label KI als vielmehr der konkrete Nutzen einer Funktion entscheidend ist. Dazu zählen beispielsweise eine höhere Leistung, weniger Bedienaufwand, niedrigere Betriebskosten oder eine stärkere Personalisierung.
Stationärer Handel bleibt Teil der Customer Journey
Für den Elektrogerätehandel ist auch die zunehmende Verzahnung der Vertriebskanäle relevant. 65 Prozent der Verbraucher beginnen ihre Recherche zu Consumer Tech und Hausgeräten üblicherweise online. 43 Prozent nutzen dabei Händler-Websites, ebenfalls 43 Prozent Marktplätze. 41 Prozent beginnen ihre Recherche mit dem Besuch eines stationären Geschäfts.
Gleichzeitig erzielt der stationäre Handel weiterhin den größeren Anteil am weltweiten Umsatz mit Consumer Tech und langlebigen Gebrauchsgütern. Der Onlineanteil beträgt insgesamt 36 Prozent. Bei kleinen Hausgeräten liegt er bereits bei 50 Prozent, bei IT-Produkten bei 53 Prozent und bei Großgeräten bei 30 Prozent.
NIQ sieht deshalb zunehmend weniger getrennte Vertriebskanäle, sondern miteinander verbundene Kontaktpunkte. Hersteller und Händler müssten Produktsuche, Bewertung und Kauf über Websites, Marktplätze, Bewertungen, soziale Plattformen und das stationäre Geschäft hinweg unterstützen.
Gleichzeitig könnte die zunehmende Nutzung KI-gestützter Produktsuchen die Auswahlprozesse verändern. Strukturierte Produktdaten, aktuelle Verfügbarkeitsinformationen und maschinenlesbare Produktmerkmale gewinnen damit zusätzlich an Bedeutung.
Lisa Lovallo Ceppos, Head of AI Commerce bei NIQ, formuliert dazu:
“When AI mediates the purchase decision, the shelf disappears. What replaces it is structured data, verified availability, and purchase signals. Brands that invest in machine-readable product representation now will have the advantage when AI-driven commerce scales.”
Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Kreislaufmodelle rücken in den Fokus
Neben dem Kaufpreis betrachten Verbraucher zunehmend die Kosten und Risiken während der gesamten Nutzungsdauer eines Produkts. 86 Prozent bewerten Haltbarkeit als sehr oder eher wichtig, 82 Prozent Reparierbarkeit und 81 Prozent Energieeffizienz.
Auch der Gebraucht- und Refurbished-Markt wird im Report berücksichtigt. Rund die Hälfte der Verbraucher könnte sich grundsätzlich vorstellen, ein aufbereitetes Produkt zu erwerben, sofern es von einer vertrauenswürdigen Quelle stammt und über eine Garantie verfügt. Bei kleinen Hausgeräten liegt dieser Anteil bei 52 Prozent, bei Großgeräten bei 47 Prozent.
Als wichtigste Voraussetzungen für den Kauf aufbereiteter Geräte werden eine umfassende Garantie, ein deutlicher Preisvorteil gegenüber Neuware, eine unkomplizierte Rückgabe und eine zertifizierte Prüfung genannt.
Auch Trade-in-Programme könnten an Bedeutung gewinnen. Während derzeit 25 Prozent ihre Altgeräte beim Händler eintauschen, geben 64 Prozent an, dass eine solche Möglichkeit bei der Entscheidung für ein neues Produkt wichtig ist.
Klarer Nutzen wird zum zentralen Kaufargument
Für 2027 sieht NIQ die Wachstumschancen vor allem bei Produkten, deren Nutzen leicht verständlich und nachvollziehbar ist. Innovation allein reicht nach Einschätzung der Studienautoren nicht aus. Funktionen müssten greifbar, demonstrierbar und hinsichtlich ihres Mehrwerts nachvollziehbar sein.
Perry James, Global Head of Tech & Durables bei NIQ, fasst diese Entwicklung zusammen:
“In 2027, relevance must be designed into every stage of the purchase journey. For brands, this means making value more targeted and obvious, trust mechanisms more visible, and the decision to buy feel easier.”
Für Hersteller und Händler nennt der Report unter anderem Haltbarkeit, Gesamtbetriebskosten, Interoperabilität, Energieeffizienz sowie eine transparente Darstellung von Produkteigenschaften als zentrale Faktoren. Gleichzeitig erwartet NIQ eine stärkere Polarisierung zwischen preisorientierten Angeboten und Premiumprodukten mit klar erkennbarem Mehrwert. Unter Druck geraten könnten dagegen Produkte im mittleren Preissegment ohne eindeutige Differenzierung.
Autor infoboard.de (10193 Beiträge)
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