Erstes fundiertes Stimmungsbild zum Recht auf Reparatur und die Lehren aus Österreich für den deutschen Fachhandel

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Die Umsetzung der europäischen Richtlinie zum „Recht auf Reparatur“ bis zum 31. Juli 2026 wirft ihre Schatten voraus. Eine aktuelle Studie von IFH KÖLN und WERTGARANTIE untersucht, wie Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der Elektrofachhandel diese neuen Vorgaben bewerten. Die Ergebnisse aus Österreich zeigen eine grundsätzlich hohe Bereitschaft zur Instandsetzung defekter Geräte, offenbaren aber auch deutliche Hürden bei Themen wie Preisgestaltung, Ersatzteilen und personellen Kapazitäten. Für den B2B-Elektrogeräteblog infoboard.de liefert die Untersuchung wertvolle strategische Einblicke, wie sich Händler künftig positionieren müssen, um von dieser Entwicklung nachhaltig zu profitieren.

Die wichtigsten Studienergebnisse auf einen Blick

  • Hohe Reparaturbereitschaft: In 52 Prozent der Schadensfälle an Elektrogeräten entscheiden sich Verbraucherinnen und Verbraucher bereits für eine Reparatur.
  • Der Fachhandel punktet: Für 40 Prozent der Befragten ist der Handel die erste Anlaufstelle für professionelle Instandsetzungen.
  • Service als Umsatztreiber: 96 Prozent der Händler sehen im Reparaturservice eine erstklassige Chance zur engeren Kundenbindung.
  • Preiskonflikte vorprogrammiert: 78 Prozent der Unternehmen betrachten die Durchsetzbarkeit „angemessener“ Reparaturpreise bei der Kundschaft als größte Hürde.
  • Fachkräftemangel bremst: 68 Prozent der Betriebe stufen die mangelnde Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal als massives Problem ein.
  • Kritik an EU-Bürokratie: 57 Prozent des Fachhandels bewerten das geplante europäische Reparaturformular als wenig oder gar nicht praxistauglich.
  • Forderung nach Förderung: 87 Prozent der Händler befürworten eine reduzierte Mehrwertsteuer auf Reparaturen, 80 Prozent wünschen sich einen flächendeckenden Reparaturbonus.

Reparaturen als Wachstumsmarkt mit hoher Kundenzufriedenheit

Reparaturen gehören bereits heute zum Verbraucheralltag. In den zwölf Monaten vor der Befragung war in fast der Hälfte der Haushalte mindestens eines der von der Richtlinie erfassten Geräte defekt, wobei in 52 Prozent der Schadensfälle eine Reparatur beauftragt oder durchgeführt wurde. Wenn es um die Umsetzung geht, konzentriert sich das Vertrauen der Kundschaft deutlich auf professionelle Anbieter. Der Fachhandel und die Kundendienste der Hersteller sind mit jeweils 40 Prozent die wichtigsten Anlaufstellen, während freie Reparaturdienstleister auf 20 Prozent und Repair-Cafés lediglich auf fünf Prozent kommen. Die Zufriedenheit mit diesen professionellen Leistungen ist enorm hoch. So zeigen sich 74 Prozent der Befragten mit Reparaturen im Fachhandel zufrieden und würden bei einem vergleichbaren Defekt erneut denselben Weg wählen. Für die Konsumenten stehen bei der Wahl des Betriebs fachliche Kompetenz und die Sicherheit des anschließend genutzten Geräts absolut im Vordergrund, was jeweils 86 Prozent als besonders wichtig bewerten.

Kundenbindung und neue Geschäftsmodelle für den Fachhandel

Der Elektrofachhandel spürt den Trend zur Instandsetzung bereits deutlich. In den vergangenen drei bis fünf Jahren verzeichneten 62 Prozent der befragten Unternehmen eine steigende Reparaturnachfrage. Mehr als zwei Drittel gehen zudem davon aus, dass das professionelle Reparaturvolumen infolge der EU-Richtlinie weiter steigen wird. Die Branche sieht darin eine massive strategische Chance für zusätzliche Kundenkontakte. So erwarten 96 Prozent der Händler eine engere Kundenbindung durch neue Serviceangebote, 75 Prozent sehen Möglichkeiten für ergänzende Verkäufe und 71 Prozent betrachten Reparaturservices als lukratives zusätzliches Geschäftsmodell. Entsprechend hoch ist der Fokus auf exzellenten Service, was 93 Prozent der Fachhandelsunternehmen mit der klaren Zusage bestätigen:

Thilo Dröge, GF Wertgarantie SE
Thilo Dröge, GF Wertgarantie SE

„Wir setzen auf eine kompetente Reparaturberatung (für Kund:innen und Nichtkund:innen)“. Thilo Dröge, aus der Geschäftsführung der WERTGARANTIE SE, ordnet dies passend ein: „Das Recht auf Reparatur wird prinzipiell als Chance für den Handel eingestuft und bietet Ansatzpunkte für den Ausbau von Services und Geschäftsmöglichkeiten“.

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Voraussetzung für diesen Erfolg ist jedoch eine verbesserte Kooperation innerhalb der Branche. Ganze 90 Prozent der befragten Unternehmen stimmen der Aussage zu: „Ohne die enge Zusammenarbeit von Handel und Herstellern bleibt das Recht auf Reparatur ohne Wirkung“.

Bürokratie, Preisgestaltung und Fachkräftemangel als Bremsklötze

Trotz der vielversprechenden Aussichten gibt es in der praktischen Umsetzung gravierende Hürden. Die größten Bedenken des Fachhandels betreffen die rechtliche Auslegung des Begriffs „angemessen“. Jeweils 78 Prozent der Betriebe bewerten die Einhaltung einer angemessenen Reparaturdauer, die Festlegung entsprechender Reparaturpreise und vor allem die Durchsetzung dieser Preise bei der Kundschaft als große Herausforderung. Erschwert wird dies durch Wissenslücken bei den Endkunden, von denen 17 Prozent irrtümlich davon ausgehen, künftig einen Anspruch auf eine völlig kostenlose Reparatur zu haben. Auch das vorgesehene europäische Formular für Reparaturinformationen wird mehrheitlich kritisch beurteilt. 57 Prozent der Unternehmen halten es für wenig oder gar nicht praxistauglich, da die geforderte Bindungsfrist von 30 Tagen und häufig unvorhersehbare Reparaturdauern zusätzlichen bürokratischen Aufwand verursachen. Hinzu kommt die prekäre personelle Situation auf dem Arbeitsmarkt. Für 68 Prozent der Unternehmen zählt die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte zu den größten operativen Problemen, wobei neun von zehn Betrieben von akuten Schwierigkeiten bei der Mitarbeitersuche berichten.

Preissteigerungen und politische Lösungsansätze

Die wirtschaftlichen Folgen der Richtlinie könnten weitreichend sein. Der Fachhandel erwartet nicht nur ein höheres Reparaturvolumen, sondern auch spürbar steigende Kosten. So rechnen 58 Prozent der Unternehmen infolge der neuen Vorgaben mit höheren Reparaturpreisen, bedingt durch teurere Ersatzteile sowie zusätzlichen Aufwand für Lagerung und Personal. Darüber hinaus gehen 70 Prozent von steigenden Preisen für Neugeräte aus, um die zusätzlichen Reparaturanforderungen querzufinanzieren. Um zu verhindern, dass diese Kosten die Konsumenten von Instandsetzungen abhalten, braucht es politische und pragmatische Lösungen. Aus Sicht des Handels sind staatliche Maßnahmen unerlässlich: Jeweils 87 Prozent der Betriebe bewerten die Förderung der Aus- und Weiterbildung von Reparaturfachkräften sowie eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Reparaturen als geeignete Instrumente. Zudem halten 80 Prozent einen flächendeckenden Reparaturbonus für sinnvoll. Ein weiterer praxisnaher Lösungsansatz liegt in der Nutzung von Gebrauchtteilen. Fast die Hälfte der Befragten, die eine Reparatur aus Kostengründen abgelehnt hatten, hätten laut Studie auch günstigere, gebrauchte Ersatzteile akzeptiert. Der grundsätzliche Bedarf nach lokalen Anlaufstellen ist jedenfalls unbestritten, wie 74 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher mit ihrer klaren Zustimmung zu folgendem Satz verdeutlichen: „Ich würde mich freuen, wenn es mehr qualifizierte Reparaturbetriebe in meiner Wohnumgebung gibt“.

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