Die expert-Gruppe hat das Geschäftsjahr 2025/2026 mit einem Innenumsatz von 2,0519 Milliarden Euro abgeschlossen. Das entspricht einem Rückgang von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz des schwierigen Marktumfelds verweist die Kooperation auf ein wieder positives Konzernergebnis, eine gestärkte Eigenkapitalbasis und den weitgehenden Abschluss ihrer organisatorischen Neuaufstellung. Mit der Strategie 2030+ sollen nun Wachstum, Marktrelevanz sowie die Verzahnung von stationärem Handel und Onlinegeschäft in den Mittelpunkt rücken.
Der ausgewiesene Innenumsatz zu Industrieabgabepreisen ohne Mehrwertsteuer sank von 2,1493 Milliarden Euro im Vorjahr auf 2,0519 Milliarden Euro. Die expert SE erreichte dabei einen Umsatz von 1,7882 Milliarden Euro, ein Minus von 5,3 Prozent. Der Umsatz der expert Warenvertrieb GmbH blieb mit 892,1 Millionen Euro nahezu stabil und lag lediglich 0,8 Prozent unter dem Vorjahr. Die eigenen Einzelhandelsaktivitäten kamen auf 446,0 Millionen Euro und damit auf ein Minus von 5,4 Prozent.

Die Außenumsätze der expert-Gesellschafter gingen im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt um 5,1 Prozent zurück. Damit entwickelte sich expert schwächer als der Gesamtmarkt, der um 1,1 Prozent nachgab, aber etwas besser als die relevante Peergroup mit minus 5,5 Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang in der Unterhaltungselektronik mit 12,9 Prozent. Zuwächse erzielte expert dagegen in der Informationstechnologie mit plus 1,0 Prozent und im Bereich Family Entertainment mit plus 3,3 Prozent.
Als wesentliche Gründe für die Entwicklung nannte expert die anhaltende Konsumzurückhaltung und die Verunsicherung der Verbraucher. Gleichzeitig habe die Gruppe ihre wirtschaftliche Stabilität weiter verbessert. Das Konzernergebnis sei wieder positiv, die Liquiditätslage bleibe stabil. Detaillierte Ergebniszahlen sollen nach der Hauptversammlung und der Abstimmung mit den Gesellschaftern veröffentlicht werden.
Eigenkapitalquote steigt auf 30,2 Prozent
Nach einer Kapitalerhöhung erhöhte sich die Eigenkapitalquote der expert SE auf 30,2 Prozent. Zum Ende des Geschäftsjahres verfügte die Kooperation über 364 Standorte mit einer Gesamtverkaufsfläche von rund 439.000 Quadratmetern. Dazu zählen 278 Fachmärkte, 77 Fachgeschäfte und neun Telekommunikationsspezialisten. 133 Standorte verfügen über eine eigene Werkstatt. Am experten Performance Cup beteiligen sich 300 Standorte.
Bei den großflächigen Technical Superstores behauptet expert weiterhin den zweiten Platz hinter MediaMarkt. Im März 2026 wurden 278 expert-Fachmärkte dieser Größenklasse gezählt, nach 285 im März 2025. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Technical Superstores im deutschen Markt innerhalb eines Jahres von 855 auf 844.
Der Rückgang bei expert resultiert nach Unternehmensangaben nicht ausschließlich aus Standortschließungen. Teilweise seien Märkte nach Umbauten unter die für diese Statistik angesetzte Grenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche gefallen.

Gleichzeitig verwies expert auf Neueröffnungen und Nachfolgelösungen. Im vergangenen Geschäftsjahr eröffneten neue Standorte in Kaiserslautern, Krefeld und Walsrode. Weitere Eröffnungen sind für September 2026 in Peine und Oktober 2026 in Lebach vorgesehen. In Bad Kissingen und Schweinfurt wurden Nachfolgeregelungen innerhalb der Kooperation umgesetzt. Weitere neue Gesellschafter befinden sich nach Angaben von expert in Vorbereitung.
Eigener Einzelhandel zentral neu aufgestellt
Ein Schwerpunkt der vergangenen beiden Jahre war die Reorganisation der eigenen Einzelhandelsaktivitäten. Diese umfassen derzeit 63 Standorte in sieben Gesellschaften. Größte Einheiten sind Bening mit 25 und die expert Handels GmbH mit 17 Standorten. Seit dem 1. April 2026 werden die Filialen vollständig über das Vertriebs- und Verwaltungscenter in Langenhagen gesteuert.
Damit wurden zuvor dezentrale Verwaltungsstrukturen zusammengeführt. Nach Angaben auf der Pressekonferenz wurden dabei netto etwas mehr als 100 Stellen in den früheren Verwaltungen abgebaut. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten im zentralen Verwaltungsbereich in Langenhagen von 18 auf 54. Diese Zahlen stammen aus der mündlichen Darstellung und sind nicht Bestandteil der offiziellen Präsentationsfolie.
Die Zentralisierung soll Kosten reduzieren, Entscheidungswege verkürzen und Synergien unter anderem in Einkauf, Logistik, Personalentwicklung, Werbung und Warenverfügbarkeit ermöglichen. Zugleich betonte expert, dass die operative Verantwortung und die regionale Ausrichtung der Märkte erhalten bleiben sollen.
„Wir zentralisieren an den Stellen, an denen es sinnvoll ist“, erklärte das Unternehmen auf der Pressekonferenz. Die regionalen Unternehmensnamen, Geschäftsführungen und Marktauftritte blieben ein wichtiger Bestandteil der Struktur.
Strategie 2030+: Wachstum mit stationärem Fundament
Nach Abschluss der Reorganisationsphase will expert den Blick stärker auf die Weiterentwicklung des Geschäfts richten. Die Strategie 2030+ stellt den Ertrag in den Mittelpunkt. Als zentrale Handlungsfelder nennt das Unternehmen Wachstum, Marktrelevanz, Digitalisierung, die Verzahnung von stationärem Handel und Onlinegeschäft sowie optimale Rahmenbedingungen für die Gesellschafter. Das Fundament sollen die Mitarbeiter bilden, die über den persönlichen Umgang den Unterschied für Kunden und Unternehmen ausmachen sollen.
Für die Umsetzung definiert expert vier Schwerpunkte: eine intensivere Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern, den Ausbau des Multichannel-Ansatzes mit Zuführung in die Fachmärkte, die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitern sowie schnellere und konsequentere interne Entscheidungen. Ziel sei es, Kunden zu Fans zu machen und zugleich die Relevanz für Lieferanten und Dienstleister zu erhöhen.
„Wir müssen schneller sein, wir müssen uns besser abstimmen und die Dinge gemeinsam umsetzen“, hieß es dazu in der Pressekonferenz.
Konkrete Wachstums-, Online- oder Margenziele für 2030 wurden in der veröffentlichten Präsentation allerdings nicht genannt. Die entsprechende Folie enthält lediglich Platzhalter. Belastbar kommuniziert wurde dagegen das Ziel, den Anteil der Eigenmarke Kendo durch einen weiteren Sortimentsausbau auf fünf Prozent zu steigern.
Zwei Sortimentswelten für Online und Fachhandel
Die neue Sortimentsstrategie unterscheidet zwischen Frequenz- und Fachhandelssortiment. Das Frequenzsortiment umfasst Topseller, Aktionsgeräte, Testsieger, Liniengeräte und Artikel aus den GfK-Hitlisten. Diese Produkte sollen online und stationär sichtbar und zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden.
Das Fachhandelssortiment soll dagegen als margenorientiertes Sortiment gezielt den stationären Verkauf stärken. Vorgesehen sind unter anderem exklusive expert-Geräte und ein zusätzlicher Sell-out-Bonus für den Verkauf vor Ort. Der Start ist ab dem dritten Quartal 2026 geplant. Ziel ist eine vollständig stationäre Vermarktung dieser Produkte.
Eine besondere Rolle spielen dabei Elektrogroßgeräte. Seit Mai 2026 hat expert zusätzliche Lagerflächen geschaffen, um das online verfügbare Sortiment bei Weißer Ware zu verbreitern. Gleichzeitig sollen die regionalen Märkte in die Auslieferung und die Vermarktung zusätzlicher Leistungen eingebunden werden.
Die strategische Bedeutung des Onlinegeschäfts wird mit Marktdaten begründet. Nach den präsentierten GfK-Zahlen entfielen 2025 europaweit 39,0 Prozent des Umsatzes in den betrachteten Warengruppen auf Onlinekanäle. In Deutschland lag der Anteil bei 48,6 Prozent. expert formuliert daraus die Schlussfolgerung, dass Wachstum und Marktrelevanz ohne ein stärkeres Onlinegeschäft nicht erreichbar seien.
WM-Kampagne sorgt für Umsatzimpulse
Erste positive Impulse verzeichnete expert im laufenden Jahr im TV-Geschäft. Die zwölfwöchige Kampagne zur Fußball-Weltmeisterschaft startete am 24. April 2026 und wurde mit Markenbotschafter Rudi Völler über TV, Streaming, YouTube, Radio, Onlinekanäle und Social Media ausgespielt.
Im Mai legte der TV-Umsatz von expert um 9,3 Prozent zu, während der Gesamtmarkt ein Plus von 2,0 Prozent erreichte. Im Juni stieg der expert-Umsatz um 46,6 Prozent, gegenüber einem Marktwachstum von 34,1 Prozent.
Über die ersten fünf Monate 2026 blieb die Marktlage dennoch angespannt. Die expert-Außenumsätze lagen um 2,5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Damit entwickelte sich die Kooperation besser als der Gesamtmarkt mit minus 4,6 Prozent und die Peergroup mit minus 5,2 Prozent. Besonders positiv verlief die Telekommunikation mit plus 4,8 Prozent. Bei Elektrogroßgeräten lag expert mit minus 0,1 Prozent ebenfalls deutlich besser als der Markt, der um 5,5 Prozent zurückging.
Mehr Tempo bei Lieferung, Service und Kundenbindung
Neben Sortiment und Vertrieb will expert die operative Leistungsfähigkeit der Märkte erhöhen. Die regionalen Onlineaktivitäten erzielten zwischen April und Juni 2026 einen Umsatzanstieg von 22 Prozent. Der Umsatz aus Online-Reservierungen erhöhte sich um 29 Prozent. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit lag bei 22 Minuten.
Ab dem 1. September 2026 ist für die 63 eigenen Filialen eine neue Lieferstruktur geplant. Paketfähige Produkte sollen innerhalb von 90 Minuten, Großgeräte innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert werden können.
Auch die Serviceprozesse sollen digitalisiert werden. Bereits 82 Prozent der Serviceaufträge werden über das System SARA erfasst. Ab Herbst 2026 ist die Integration der InfoTip-Standardprozesse vorgesehen. Zusätzlich soll ein KI-Assistent die Mitarbeiter bei Fragen zur Serviceabwicklung und zum Recht auf Reparatur unterstützen.
Wero und Payback als strategische Bausteine
Seit Juni 2026 bietet expert die europäische Bezahlmethode Wero im Onlinegeschäft an. Zum Start wurde ein Sofortrabatt von zehn Euro bei Bestellungen ab 50 Euro gewährt. Nach Unternehmensangaben erreichte Wero seit dem Start bereits einen Anteil von knapp acht Prozent am Onlineumsatz.
Ein deutlich größerer Schritt ist für die kommende Saison mit dem Einstieg bei Payback vorgesehen. expert will geschlossen mit seinen Gesellschaftern an dem Programm teilnehmen und erhält damit Zugang zu einem Netzwerk von mehr als 35 Millionen Kunden in Deutschland. Die Kooperation sieht darin eine Möglichkeit, Kundenbindung und Datenbasis zu verbessern und sich vom reinen Preiswettbewerb im Onlinehandel zu differenzieren.
Ausblick: Wachstum nicht um jeden Preis
In der Gesamtschau verfolgt expert keinen reinen Expansionskurs über zusätzliche Verkaufsflächen. Neue Standorte oder Übernahmen sollen nur dann erfolgen, wenn sie wirtschaftlich tragfähig sind und zur regionalen Struktur passen. Die Kooperation will sowohl neue Gesellschafter gewinnen als auch Nachfolgeregelungen möglichst innerhalb des bestehenden Netzwerks lösen.
Die Vision der Strategie 2030+ ist dabei klarer als ihre bislang veröffentlichten quantitativen Ziele: expert will die regionale Stärke seiner Gesellschafter mit zentralen Dienstleistungen, digitaler Reichweite und einem profitableren Sortiment verbinden. Online soll nicht als Gegenmodell zum stationären Handel verstanden werden, sondern Kundenkontakte, Reservierungen und zusätzliche Dienstleistungen in die Fachmärkte führen.
Nach zwei Jahren der Reorganisation soll die nächste Phase deshalb von Marktanteilsgewinnen, stärkerer Kundenbindung und gezieltem Wachstum geprägt sein. Zugleich bleibt das Unternehmen bei der Markteinschätzung vorsichtig. Das Umfeld werde anspruchsvoll bleiben, expert sieht sich durch die abgeschlossenen Strukturmaßnahmen und die bessere Entwicklung gegenüber Markt und Peergroup jedoch wieder in einer Position, um nach vorn zu investieren.
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