NIQ-Studie zeigt Unterschiede bei der Einzelhandelskaufkraft in Europa

Marktforschung

Die neue Studie „NIQ Einzelhandelskaufkraft Europa“ zeigt deutliche Unterschiede bei den für den Einzelhandel verfügbaren Ausgaben in 25 europäischen Ländern. Deutschland zählt zwar zu den größten Einzelhandelsmärkten Europas, liegt bei der Einzelhandelskaufkraft pro Kopf jedoch unter dem europäischen Durchschnitt.

Deutschland unter europäischem Durchschnitt

Nach Angaben von NIQ beträgt die durchschnittliche Einzelhandelskaufkraft in Europa 6.714 Euro pro Einwohner. Deutschland erreicht mit 6.226 Euro pro Kopf einen Wert, der rund sieben Prozent unter dem europäischen Durchschnitt liegt. Insgesamt stehen den Verbraucherinnen und Verbrauchern in den 25 untersuchten Ländern rund 3,5 Billionen Euro für Ausgaben im Einzelhandel zur Verfügung.

An der Spitze des Rankings steht Luxemburg mit 12.518 Euro pro Kopf. Das entspricht 186,4 Prozent des europäischen Durchschnitts. Es folgen die Schweiz mit 12.080 Euro und Dänemark mit 9.452 Euro pro Einwohner. Weitere Länder mit deutlich überdurchschnittlichen Werten sind Norwegen, Schweden, Österreich, Finnland, Frankreich, Belgien, die Niederlande, Irland und das Vereinigte Königreich.

Insgesamt weisen zwölf der 25 untersuchten Länder eine überdurchschnittliche Einzelhandelskaufkraft pro Kopf auf. 13 Länder liegen unter dem europäischen Mittelwert. Am unteren Ende des Rankings befinden sich vor allem Länder aus Ost- und Südosteuropa. Serbien bildet mit 3.849 Euro pro Kopf das Schlusslicht und erreicht damit gut 57 Prozent des europäischen Durchschnitts.

Marktgröße und Pro-Kopf-Kaufkraft fallen auseinander

Die Studie macht deutlich, dass große Einzelhandelsmärkte nicht automatisch eine hohe Einzelhandelskaufkraft pro Kopf aufweisen. Deutschland, Spanien und Italien verfügen zwar über hohe Gesamtmarktvolumina, liegen beim Pro-Kopf-Wert jedoch jeweils unter dem europäischen Durchschnitt.

„Nord- und westeuropäische Länder dominieren die oberen Plätze des Rankings. Gleichzeitig liegen einige der volumenstärksten Einzelhandelsmärkte Europas beim Pro-Kopf-Wert unter dem europäischen Durchschnitt. So haben Deutschland, Spanien und Italien trotz ihrer hohen Gesamtmarktvolumina alle eine unterdurchschnittliche Einzelhandelskaufkraft. Das zeigt, dass Marktgröße und individuelle Kaufkraft häufig auseinanderfallen. Zugleich unterscheiden sich die regionalen Ausgabenstrukturen und Konzentrationsgrade zwischen den Ländern deutlich, wobei große Metropolregionen einen überproportional hohen Anteil der Einzelhandelskaufkraft auf sich vereinen. Für Händler ist es daher wichtig, regionale Dynamiken zu berücksichtigen“, erklärt Filip Vojtech, Einzelhandelsexperte im Bereich Geomarketing von NIQ.

Deutliche regionale Unterschiede

Neben den nationalen Durchschnittswerten zeigt die Studie auch erhebliche Unterschiede auf regionaler Ebene. In vielen Ländern übertreffen Hauptstädte und große Metropolregionen ihr jeweiliges Umland deutlich.

In Frankreich erreicht Paris beispielsweise eine Einzelhandelskaufkraft von 12.944 Euro pro Kopf. Das benachbarte Département Seine-Saint-Denis kommt dagegen auf 6.314 Euro und damit auf weniger als die Hälfte des Pariser Werts. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Vereinigten Königreich: Zentrale Londoner Regionen wie die City of London erreichen Werte von bis zu 15.785 Euro pro Kopf, während Regionen wie Birmingham bei rund 5.846 Euro pro Kopf liegen.

Datengrundlage der Studie

Die Studie „NIQ Einzelhandelskaufkraft Europa“ liegt für 25 europäische Länder auf feinräumigen Ebenen wie Gemeinden und Postleitzahlen vor. Ergänzend stehen Daten zur allgemeinen Kaufkraft, zur Sortimentskaufkraft sowie zu Einwohnern und Haushalten zur Verfügung.

Die NIQ Einzelhandelskaufkraft beschreibt den Teil der allgemeinen Kaufkraft, der im Einzelhandel ausgegeben werden kann. Die allgemeine Kaufkraft bezeichnet das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialabgaben, einschließlich Transferleistungen. Sie wird pro Kopf und Jahr in Euro sowie als Index ausgewiesen.

Die NIQ Kaufkraft bezieht sich auf nominal verfügbare Einkommen. Die Werte sind damit nicht inflationsbereinigt. Grundlage der Berechnung sind unter anderem Daten der Einkommensteuerstatistik, Statistiken zur Berechnung von Transferleistungen sowie Prognosewerte von Wirtschaftsinstituten.

Das verfügbare Nettoeinkommen kann von Konsumentinnen und Konsumenten für unterschiedliche Zwecke verwendet werden. Ein Teil fließt in den Einzelhandel, ein anderer Teil etwa in Mieten, Hypothekenzinsen, Versicherungen, Autokosten, Reisen oder Dienstleistungen.


Quelle: Einzelhandelskaufkraft in Europa