Schnell neue Führungslösung gefunden: Bei dem MediaMarktSaturn -Mutterkonzern Ceconomy kommt es zu einem Wechsel an der Unternehmensspitze. CFO Remko Rijnders übernimmt zum 1. Juli 2026 den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Er folgt auf Kai-Ulrich Deissner, der den Aufsichtsrat zuvor über seinen Wunsch informiert hatte, das Unternehmen aus persönlichen Gründen zu verlassen (infoboard-News vom 6. März).
Mit der Personalie setzt der Aufsichtsrat auf Kontinuität: Rijnders arbeitet seit 17 Jahren für MediaMarktSaturn und war zuletzt als Finanzchef der Ceconomy AG tätig. Zuvor verantwortete er als COO das operative Geschäft in mehreren europäischen Märkten, darunter die BeNeLux-Region, Spanien, Polen und die Türkei.
Parallel wird der Vorstand erweitert. Zum 1. April 2026 übernimmt Jan Niclas Brandt die neu geschaffene Position des Chief Customer Officer. Brandt leitet derzeit die Landesgesellschaften in Österreich und der Schweiz und soll künftig den strategischen Fokus auf Kundenerlebnis und Omnichannel-Services weiter ausbauen.
Christoph Vilanek, Aufsichtsratsvorsitzender der Ceconimy AG, sagt: „So sehr wir das Ausscheiden von Kai-Ulrich Deissner bedauern, so froh sind wir, mit Remko Rijnders einen hervorragenden neuen CEO benennen zu können. Rijnders hat die Strategie des Unternehmens in den letzten Jahren aktiv mitgestaltet und gemeinsam im Vorstand entscheidende Impulse gegeben. Er verfügt über exzellente operative und strategische Erfahrungen und wird dem Unternehmen Kontinuität für das nächste Wachstumskapitel bringen. Mit Jan Niclas Brandt als Chief Customer Officer entsprechen wir unserem strategischen Anspruch, Kundinnen und Kunden in den Mittelpunkt zu rücken. Der Vorstand wird ab sofort den Übergang bis spätestens zum 30. Juni 2026 aktiv gestalten.“
Strategische Weichenstellung in einer Umbruchphase
Die Neuaufstellung fällt in eine Phase struktureller Veränderungen für den Handelskonzern. Im letzten Jahr war bekannt geworden, dass der chinesische Investor JD.com bei der Muttergesellschaft einsteigen will (infoboard.de berichtete). Laut msn, dem Webportal von Microsoft, hat das Bundeskartellamt inzwischen dem Einstieg des chinesischen Konzerns bei Ceconomy zugestimmt. JD.com plant, Mehrheitsaktionär von Ceconomy zu werden. Das entsprechende Angebot bewertet das Unternehmen mit rund vier Mrd. Euro. Laut Andreas Mundt, dem Präsidenten des Bundeskartellamtes, sei JD.com bisher nur in sehr begrenztem Umfang auf dem deutschen Markt aktiv. Daher gebe es nur wenige Überschneidungen im Wettbewerb, sodass aus kartellrechtlicher Sicht keine Bedenken gegen den Zusammenschluss bestehen. Rein theoretisch könnte Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche noch ein Veto gegen die Übernahme einlegen, wenn sie sicherheitspolitische Bedenken gegen den Deal haben sollte. Das ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich.
JD.com erzielte 2024 einen weltweiten Jahresumsatz von 159 Mrd. US-Dollar. In Branchenkreisen wertet man die jetzige Neuordnung des Vorstands daher auch als Teil der strategischen Neuaufstellung unter den veränderten Eigentümerverhältnissen. Der designierte CEO Rijnders gilt als Architekt zentraler strategischer Initiativen der vergangenen Jahre und war bereits eng in die Weiterentwicklung des Omnichannel-Geschäftsmodells eingebunden. Seine Berufung signalisiert deshalb vor allem Stabilität und Kontinuität in einer Phase, in der der Konzern seine Marktposition im europäischen Elektronikhandel sichern und weiter ausbauen will.
Übergang bis Sommer geplant
Der noch amtierende CEO Kai-Ulrich Deissner will den Übergang bis Ende Juni begleiten und einen reibungslosen Wechsel sicherstellen. „Es ist mir eine Ehre, dieses Unternehmen zu führen. Ich werde einen nahtlosen Übergang in den nächsten Wochen sicherstellen. Ich habe größtes Vertrauen in Remko und das gesamte Führungsteam. Ich bin sicher, unser Unternehmen ist in den besten Händen.“
Der Aufsichtsrat hat zudem angekündigt, zeitnah über die Nachfolge von Rijnders im CFO-Amt zu entscheiden.
Mit der Erweiterung des Vorstands um eine Customer-Rolle unterstreicht Ceconomy zugleich den strategischen Anspruch, sich stärker vom klassischen Elektronikhändler hin zu einer Omnichannel-Serviceplattform zu entwickeln – ein Kurs, der für MediaMarkt und Saturn in einem zunehmend wettbewerbsintensiven europäischen Markt entscheidend sein dürfte.
