LivingKitchen: Die Küche lebt! Und wie!

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Aexandro Pape vom „Fährhaus“ in Munkmarsch auf Sylt kochte bei Küppersbusch
Spitzenköche und Küchenmessen gehören zusammen: Aexandro Pape vom „Fährhaus“ in Munkmarsch auf Sylt kochte bei Küppersbusch.

Die Küche ist unbestritten der wieder entdeckte Mittelpunkt des Wohnens und die alle zwei Jahre stattfindende Messe LivingKitchen im Schatten der Kölner Domtürme das Hochamt der Branche. Nach einer Woche randvoll mit Premieren und Präsentationen ging am Sonntag das Messe-Doppel aus LivingKitchen und der Möbelmesse imm erfolgreich zu Ende.

Bei den Einbaugeräten standen drei Themen im Fokus: Die vernetzte Küche, die sich im Internet der Dinge zunehmend mit marktreifen Geräte-Serien ihren Platz erobert, multifunktionale Kombigeräte mit konventioneller Hitze, Dampf und Mikrowelle in einem Gerät und natürlich Design. Denn die Küchenmesse (noch stärker natürlich die Möbelmesse) ist auch ein Stelldichein aktueller und künftiger Design-Trends.

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Die „Weiße Ware“ frischt auf

Was sofort auffällt: Wie vor ein paar Jahren auf der IFA in Berlin, sorgt auch in Köln die „Weiße Ware“ für eine Frischzellenkur eines ein wenig in die Jahre gekommenen Messe-Formats. Die drei Küchen-Hallen auf der Kölner Messe waren gerade im Umfeld der „blue chips“ der Branche wie Bauknecht, Bosch, Gaggenau, Miele, Neff oder Siemens voll wie die Fußgängerzone am Samstagvormittag. Von einem „sehr positiven Ergebnis“ spricht den auch die KölnMesse mit einem Plus von 8% bei den Fachbesuchern. Und nicht nur Aussteller wie Bosch sehen „die Erwartungen“ weit übertroffen.

Die Küche lebt also, auch wenn Sie im Jahrgang 2015 durch das Thema „Vernetzung der Hausgeräte“ zumindest bei Bosch und Siemens ein wenig kühler, nicht ganz so genussvoll und lustbetont an den Mann gebracht wird. Bei Bosch lernen wir, dass das „Kochen aus der Ferne“ künftig Küchenalltag sein wird. Wir müssen nicht mehr in der Küche sein, wenn der Backofen seiner Kernkompetenz nachgeht. Das sieht laut Geschäftsführer Harald Friedrich dann so aus: Wir sind noch im Job, der Sohn daheim mit Hunger. Kein Problem: Von unterwegs heizen wir den Backofen vor, der Sohn schiebt nur noch die Pizza rein. Und wenn etwas schief läuft, ist es beruhigend zu wissen, dass sich ab Ende 2015 der Kundendienst auf das Gerät schalten kann …

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Bosch bringt das Rad zum Kochen

Unter dem Motto „Einfach zum perfekten Ergebnis“ präsentierte Bosch in Köln High-End-Technologien in den Geräten der Serie 8. Aufwändige multimediale Inszenierungen unterstrichen dabei die einfache Bedienung. Herzstüück der Serie ist der markante Bedienring des Backofens. Chefdesigner Robert Sachon: “Die Bedienung eines Backofens war noch nie so einfach und schön.“ Wir merken: Bosch hat das Rad zwar nicht neu erfunden – aber zum Kochen gebracht!

Viel zu staunen (und trotz Küchemesse eher wenig zu riechen) gab es bei Siemens. Hier wurde ein perfektes Einbauszenario „für das Außergewöhnliche im Leben“ geziegt. Mit Antworten auf die Bedürfnisse eines neuen urbanen Lebensstils. Gesichert ist, die zunehmende Vernetzung führt zu neuen Ansprüchen und Notwendigkeiten: Das Leben soll schneller, mobiler, flexibler, komfortabler und einfacher werden. Mit seiner iQ700 Einbaugeräte-Reihe will Siemens Antworten auf diese Bedürfnisse geben.

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Siemens fröhnt den urbanen Lebensstil

Über die Home Connect App lassen sich die vernetzten iQ700 Geräte per Tablet oder Smartphone steuern. Damit ist wie bei Bosch die Bedienung orts- und zeitunabhängig möglich. Siemens Geschäftsführer Roland Hagenbucher: „Die Connectivity-Lösungen gehen weit über eine Fernbedienung hinaus. Sie bieten Mehrwerte aus den Bereichen Geräte, Rezepte und Service.“ Für das Außergewöhnliche im Leben sind auch – die jetzt marktreifen – Kühlschränke, die das Innere bei jedem Öffnen und Schließen fotografieren und das Foto auf Wunsch an den Besitzer, der durch den Supermarkt eilt, schicken. Alles nur nette „Zugaben“ für Technik-Freaks oder die Küchen-Zukunft? „Die vernetzte Küche wird sich durchsetzen“, ist sich Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die moderne Küche“ auf Nachfrage von infoboard.de sicher.

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Hier kommt der Genuss

Und wo bliebt der Genuss? Bei Neff beispielsweise. „Wir wollen nicht míssionieren, die Lust soll im Vordergrund stehen“, sagt Geschäftsführer Stephan Kinkel. Eine neue, emotionale wie authentische Image-Kampagne (bei der die Hausgeräte fast ein wenig in den Hintergrund geraten) und der aktuelle Marken-Claim „Kochen aus Leidenschaft seit 1877“ stehen dafür Pate. Genuss pur und jede Menge Koch- wie Back-Handwerk auch bei Gaggenau mit dem architektonisch wohl originellsten Stand der Messe: Ein stilisierter Vierkanthof aus dem Schwarzwald, ganz dem Manufaktur-Gedanken folgend. Hier gab es denn auch echte Neuheiten zu sehen, beispielsweise den Dampfgarer BS 470 mit einem vollautomatischen Reinigungssystem oder einen Kombi-Dampfbackofen, der auch das Niedertemperatur-Garverfahren unter Vakuum beherrscht.

Überhaupt waren die Kombi-Geräte ein Top-Thema der LivingKitchen: Miele präsentierte einen vollwertigen Dampfgarer und eine vollwertige Mikrowelle unter der Modellbezeichnung DGM 6800 in einem Gerät. Hier wird auf platzsparende Weise die unbestrittene Qualität eines Dampfgarers mit dem Tempo der Mikrowelle kombiniert. „Da das Gerät ohne Abstriche beide Disziplinen beherrscht, sehen wir großes Marktpotential“, frohlockt Frank Jüttner, Leiter der Miele Vertriebsgesellschaft Deutschland. Platzsparend das Kombi-Gerät, eher ausufernd der neue RangeCooker von Miele in XXL-Dimensionen mit zwei Backöfen und sechs Gasbrennern. Gemacht für den amerikanischen Markt, aber die Zahl der neugierigen Augenpaare vor dem Gerät lässt auch auf einen europäischen Auftritt schließen.

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Schweizer Innovationskraft

Geht noch mehr? Es geht! Die vielleicht größte Neuheiten-Dichte (bezogen auf die Standgröße) zeigte der feine, exclusive Schweizer Hersteller V-Zug. Nicht nur die sparsamen Adora-Geschirrspüler (mit Bestwerten von nur noch 5 Liter Wasserverbrauch im Automatikprogramm) sorgen für Staunen. Mit dem Combi-Steam MSLQ ist es den Schweizern gelungen, die drei Beheizungsarten konventionelle Hitze, Dampf und Mikrowelle in einem Gerät zu kombinieren. Jetzt wird beispielsweise Gemüse um ein Drittel schneller gegart als zuvor, und das genauso schonend. Intelligent: Mit der Funktion „Power Plus“ kann jede Betriebsart im Zusammenspiel mit der Mikrowelle zu einem Power-Programm kombiniert werden. Das hat freilich seinen Preis: Aufgerufen werden 7.500 Schweizer Franken.

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Panasonic lässt aufhorchen

Panasonic zeigte erstmals ein komplettes Programm an Kücheneinbaugeräten für das mittlere und gehobene Marktsegment. Dazu gehören Induktionskochfelder, Backöfen, Wärmeschubladen, Dunstabzugshauben, Kühlschränke und Geschirrspüler. Technologisches Highlight unter den Backöfen ist die Kompaktversion in 45er Einbauhöhe. Als so genannter 3-in-1-Ofen kombiniert das Gerät Backofen, Mikrowelle und einen vollwertigen Dampfgarer. Eine zweite Version des Kompaktgerätes vereint Mikrowelle und Backofen. Für die beim Einbau des Kompaktbackofens in eine 60 cm hohe Nische entstehende Lücke gibt es eine Warmhalteschublade, die neben ihrer Warmhaltefunktion eine Auftaustufe für Tiefkühlkost enthält.

Das ist clever, stimmig und durchdacht. Einziger Wermutstropfen: Der Elektrohandel bleibt – zumindest erst einmal und das auch kategorisch! – außen vor. Dieser Alleskönner, der Backofen, 1000 Watt-Mikrowelle und einen Dampfgarer mit einem 1,2 Liter Tank in einem 60 cm breiten und 45 cm hohen Gerät vereint, ist dem Küchen- und Möbelfachhandel vorbehalten. Schade. Denn das ist wie anmachen – und liegen lassen!