Markt & Branche

Zwischen Effizienz und High-Tech: Warum die BSH ihr Produktionsnetzwerk strafft und gleichzeitig Rekordsummen in Forschung investiert

Das Geschäftsjahr 2025 markiert für die europäische Hausgerätebranche einen Wendepunkt, den Dr. Matthias Metz, Vorsitzender der Geschäftsführung der BSH Hausgeräte GmbH, als strukturellen Gezeitenwechsel beschreibt.

CEO Dr. Matthias Metz: „2025 war für die BSH ein Jahr wichtiger Entscheidungen. Wir haben uns im Markt behauptet und gezielt die Weichen für unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit gestellt.“ Foto: G. Wagner

In einem Marktumfeld, das von geopolitischen Spannungen, hohen Zinsen und einer globalen Immobilienflaute geprägt war, konnte der Konzern seine Widerstandskraft unter Beweis stellen und einen Umsatz von 15,0 Milliarden Euro erwirtschaften. Auch wenn dies auf Euro-Basis einem nominalen Rückgang von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, verdeutlicht das währungsbereinigte Wachstum von 2,8 Prozent die eigentliche operative Stärke und die Wirksamkeit des eingeschlagenen Zukunftsfahrplans. Besonders eindrucksvoll zeigt sich diese Resilienz in der Region Nordamerika, wo der Umsatz in lokaler Währung um mehr als 5 Prozent gesteigert werden konnte. Dies ist vor allem auf den Erfolg der Luxusmarken Gaggenau und Thermador sowie auf gezielte Marktanteilsgewinne bei Einbaukühlschränken und Gaskochfeldern zurückzuführen.

Auch im gesättigten europäischen Markt gelang mit einem Plus von 1,2 Prozent eine wichtige Trendwende, die den Anspruch der BSH als führender Hersteller untermauert. Während die Region Greater China aufgrund der anhaltenden Marktschwäche einen Rückgang verzeichnete, entwickelten sich die Emerging Markets mit einem lokalen Plus von 24 Prozent zu einem massiven Wachstumstreiber. Um diesem Potenzial und der strategischen Bedeutung Rechnung zu tragen, wird Indien ab 2026 als eigenständige Region im Portfolio geführt. Ein zentraler Pfeiler für die Zukunftsfähigkeit bleibt dabei die konsequente Investition in Forschung und Entwicklung, die im Jahr 2025 mit 847 Millionen Euro einen neuen Höchststand erreichte und 5,6 Prozent des Jahresumsatzes ausmachte. Dabei geht es dem Unternehmen nicht um Technologie als Selbstzweck, sondern um Lösungen, die den Alltag der Konsumenten durch den Einsatz künstlicher Intelligenz spürbar entlasten.

Backofen mit vollständig integrierter KI-unterstützter Sprachsteuerung

Wegweisend ist hierbei die Integration von KI-Lösungen, wie etwa beim weltweit ersten KI-Rezeptkonverter für den Bosch Cookit, der Online-Rezepte direkt in geführte Kochprogramme übersetzt. Auch bei der Sprachsteuerung setzt die BSH Maßstäbe und führte in China bereits den ersten Backofen mit vollständig integrierter, KI-unterstützter Sprachsteuerung ein. Innerhalb der Produktfamilien konnte insbesondere der Bereich Kochen mit einem Plus von 2,0 Prozent bei Öfen und 2,6 Prozent bei Kochfeldern eine Trendumkehr feiern. Der Trend hin zu Kochfeldern mit integriertem Dunstabzug hat sich dabei massiv verstärkt und beeinflusst die gesamte Küchenplanung. Um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, scheut die Geschäftsführung jedoch auch vor schmerzhaften strukturellen Anpassungen nicht zurück.

Dies umfasst eine notwendige Straffung des Produktionsnetzwerks, was zur geplanten Schließung der Standorte Nauen bis 2027 und Bretten bis Anfang 2028 führt. CFO Dr. Thorsten Lücke betont in diesem Zusammenhang, dass regulatorische Hürden in Europa, wie etwa das CO2-Grenzausgleichssystem CBAM, die Produktionskosten zusätzlich um etwa 8 bis 12 Euro pro Gerät erhöhen und die hiesige Industrie unter Druck setzen. Trotz der Erwartung, dass das Jahr 2026 volatil bleibt und wenig Rückenwind durch die Märkte bietet, blickt die BSH mit Zuversicht nach vorne. Die Strategie basiert auf einem starken Markenportfolio, erstklassigem Kundenservice und der Fähigkeit, durch gezielte Innovationen wie den ersten Einbau-Saug- und Wischroboter neue Marktsegmente aktiv zu gestalten.

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