„Du bist es“ lautet der Claim der neuen Telering-Kampagne. Foto: Gabriel Wagner
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Aufsichtsratsvorsitzendem Michael Wafzig, der in seinem Rück- und Ausblick die aktuellen Herausforderungen der Branche ebenso ansprach wie die Chancen für den beratenden Fachhandel. Geschäftsführer Udo Knauf präsentierte anschließend die Geschäftszahlen für 2024 und 2025 sowie die strategische Ausrichtung der Verbundgruppe.
Die Zahlen zeigen ein anspruchsvolles Marktumfeld: Der Umsatz der Telering-Gruppe sank 2024 um 5,5 Prozent und 2025 um 17 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich die Mitgliederzahl – insbesondere durch strukturelle Veränderungen innerhalb der Weltfunk-Gruppe. Allein das Ausscheiden von Sonepar führte zum Verlust von 200 Mitgliedern. Hinzu komme ein jährlicher Mitgliedsschwund von etwa fünf Prozent mangels Nachfolge. Dennoch konnte Telering ein positives Ergebnis erzielen.
Als wesentliche Herausforderungen nannte Telering den schwachen Konsum, die hohe Sparneigung der Verbraucher sowie den zunehmenden Druck durch internationale Plattformen, Social Commerce und KI-gestützte Einkaufsprozesse. Auch die Veränderungen im TV- und Hausgerätemarkt wurden offen thematisiert.
Gleichzeitig betonte Udo Knauf die Stabilität des eigenen Geschäftsmodells. Kostenreduktionen – etwa durch den Umzug der Mainzer Zentrale – hätten die Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt, sondern teilweise sogar erweitert.
Das zentrale Thema der Hauptversammlung war die neue Kampagne „Du bist es“. Sie stellt die Persönlichkeit des Fachhändlers in den Mittelpunkt – als Vertrauensperson, Berater und Lösungsanbieter.
„Der Erfolg des Telering-Geschäftsmodells basiert maßgeblich auf der Persönlichkeit des individuellen Unternehmers“, erklärte Knauf. Zu den entscheidenden Faktoren zählen laut Telering „vertrauensvolle Kundenbeziehungen“, „tiefe regionale Vernetzung“, „hohe technische Expertise“ sowie „individuelle, herstellerneutrale Beratung“.
Die Botschaft richte sich ausdrücklich auch an Großhandelspartner, Industrie, Fachpresse und alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette. „Dienstleistung ist das Differenzierungskriterium schlechthin“, so Knauf weiter.
Passend dazu zog sich das Motto sichtbar durch die gesamte Veranstaltung. In Vorträgen und Präsentationen wurde deutlich: Der klassische Verkaufsraum verliert an Bedeutung, während Beratung beim Kunden vor Ort, Systemlösungen und persönliche Betreuung an Relevanz gewinnen. Der Händler entwickle sich zunehmend „zum technischen Einrichtungsberater“.
Wie das konkret in der Praxis laufen kann, davon berichteten Harold Maronn, Funkhaus Küchenmeister mit zwei Geschäften in Wismar und Schwerin, sowie Emanuel Salomon vom Elektrohaus Salomon in Laufen eindrucksvoll aus ihrem Arbeitsalltag. Während Salomon als Vertreter der jüngeren Generation vor allem die zunehmende Bedeutung des Außendiensts, der persönlichen Beratung beim Kunden vor Ort und die Herausforderungen für junge Unternehmer hervorhob, machte Maronn deutlich, wie wichtig Vertrauen, Stammkundenpflege und emotionale Verkaufserlebnisse im hochwertigen Fachhandel geworden sind. „Der Kunde möchte vernünftig bedient werden und man muss ihn bloß ein bisschen leiten“, sagte Maronn mit Blick auf den Verkauf hochwertiger TV- und HiFi-Lösungen. Beide Unternehmer unterstrichen damit auf unterschiedliche Weise die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Der Mensch, seine Persönlichkeit und seine Kompetenz bleiben der entscheidende Erfolgsfaktor im Fachhandel.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Veränderungen durch künstliche Intelligenz und neue digitale Einkaufsformen. Telering sieht insbesondere in „Agentic Commerce“ und KI-gestützten Einkaufsassistenten tiefgreifende Veränderungen auf den Handel zukommen.
Knauf machte deutlich, dass sich der Fachhandel diesen Entwicklungen nicht verschließen dürfe: Es sei wichtig, „sich die Möglichkeiten aus der KI zu eigen zu machen, die Werkzeuge zu nutzen und im Sichtfeld aller Kunden zu bleiben“.
Auch die digitale Infrastruktur der Kooperation wird entsprechend weiterentwickelt. Zur Hauptversammlung präsentierte Telering den Relaunch der B2B-Plattform telering.de. Weitere Überarbeitungen – unter anderem von meintechnikprofi.de und den Technik-Homepages – folgen zeitnah.
Neben Strategie und Zahlen setzte die Veranstaltung auch bewusst auf Gemeinschaft und Motivation. Ex-Fußballweltmeister Guido Buchwald begeisterte als Gastredner mit authentischen Einblicken in Leistungssport, Teamgeist und Veränderungsprozesse. Moderiert wurde die Hauptversammlung von RTL-Moderator Andreas von Thien.
Auch organisatorisch stellte sich die Kooperation neu auf: Die Mitgliedervertreter Michael Wafzig, Achim Schultze und Marcus Herold wurden im Aufsichtsrat bestätigt. Ebenso Andreas Brand und Matthias Gaydoul als Vertreter des Weltfunk Großhandels. Neu gewählt wurde Michael Barz.
Am zweiten Veranstaltungstag setzte Telering erstmals auf das neue „Partner-Hub“-Konzept. Hersteller und Dienstleistungspartner präsentierten sich in kompakten Messeformaten und ergänzenden Workshops. Ziel war es, Inhalte praxisnah und strukturiert an die Mitglieder zu vermitteln, zu netzwerken und auch ganz konkret neue Produkte zu entdecken. Mit dabei waren u. a. AEG, Bosch, dittert, Hisense, Jura, Liebherr, Rommelsbacher, Unold oder Wertgarantie.
Die Veranstaltung endete mit der traditionellen Telering-Party und zahlreichen Gesprächen zwischen Handel, Industrie und Partnern. Das Fazit fiel entsprechend optimistisch aus: Trotz schwieriger Rahmenbedingungen setzt Telering weiterhin konsequent auf Nähe, Persönlichkeit und gemeinschaftliche Stärke.
„Beste Chancen entstehen, wenn aus Überzeugung Konsequenz wird“ – dieser Satz aus der Abschlusspräsentation brachte die Stimmung der Hauptversammlung treffend auf den Punkt.
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