Gute Adresse in Sachen Elektroschrott-Entsorgung: e-schrott-entsorgen.org (Screenshot Webseite).
Alexander Goldberg von der Stiftung ear widerspricht zunächst der verbreiteten Annahme eines akuten Elektroschrottproblems in Deutschland. Zwar sei Elektroschrott weltweit der am schnellsten wachsende Abfallstrom, doch funktioniere die Entsorgungsinfrastruktur hierzulande grundsätzlich gut. Das eigentliche Problem liege im Umgang der Verbraucher mit Altgeräten.
„Von einem Elektroschrottproblem in Deutschland würde ich nicht sprechen“, erklärt Goldberg. Vielmehr würden viele Geräte gar nicht erst in die offiziellen Sammelstrukturen gelangen: Smartphones blieben in Schubladen liegen, kleinere Geräte landeten im Restmüll oder würden informellen Sammlern mitgegeben. Dadurch gingen wertvolle Rohstoffe verloren, die eigentlich wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden könnten.
Die stiftung ear koordiniert im Auftrag des Umweltbundesamtes die Registrierung der Hersteller und organisiert, dass Elektroaltgeräte von den kommunalen Sammelstellen abgeholt und fachgerecht behandelt werden. Ziel ist es, dass kein gesammeltes Gerät unentsorgt bleibt und die enthaltenen Materialien möglichst effizient recycelt werden können.
Während die Abfallwirtschaft den Endpunkt des Lebenszyklus adressiert, setzt das Unternehmen Repartly deutlich früher an: bei der Reparatur. Gründer Dr. Lennart Osthoff sieht hier ein bislang unterschätztes Potenzial.
„Zu aufwändig, zu wenig Fachkräfte und zu teure Ersatzteile – das sind die Gründe, warum Haushaltsgeräte bislang häufig nicht repariert werden“, sagt Osthoff. Sein Unternehmen versucht, genau diese Hürden zu überwinden. Mithilfe automatisierter Reparaturprozesse und kollaborativer Roboter sollen Elektronikmodule schneller und kostengünstiger instandgesetzt werden.
Ein zentraler Baustein ist dabei Refurbishment: generalüberholte Elektronikmodule dienen als günstige Alternative zu neuen Original-Ersatzteilen. Für Osthoff steht fest: „Reparieren muss sich lohnen, damit es zum Standard wird – das ist der entscheidende DHebel.“
Auch im Verhältnis zu Herstellern und Fachhandel sieht er sein Unternehmen nicht als Wettbewerber, sondern als Enabler. Die Branche sei bislang nur unzureichend auf zirkuläre Geschäftsmodelle vorbereitet. Skalierbare Reparaturlösungen könnten hier zum „Game Changer“ werden.
Carine Chardon, Geschäftsführerin GFU Consumer & Home Electronics, sieht neben technischen und wirtschaftlichen Fragen vor allem ein Informationsdefizit bei den Konsumenten. Vielen sei gar nicht klar, ob und wo Geräte repariert werden können oder wann sich eine Reparatur überhaupt lohnt.
„Eine große Herausforderung bleibt auch das Wissen der Konsumenten, ob und wie Elektrogeräte im Defektfall repariert werden können“, sagt Chardon. Mehr Transparenz und Information seien deshalb entscheidend – sowohl bei der Reparatur als auch bei der Entsorgung.
Gleichzeitig plädiert sie für eine differenzierte Betrachtung. Reparatur sei nicht automatisch immer die nachhaltigste Option. Wenn Reparaturkosten den Gerätewert übersteigen oder neue Modelle deutlich effizienter arbeiten, könne auch ein Neukauf sinnvoll sein. Entscheidend sei eine ganzheitliche Bewertung von Kosten, Energieverbrauch und Ressourceneinsatz.
Werden Elektrogeräte korrekt über Wertstoffhöfe oder Sammelstellen abgegeben, beginnt ein mehrstufiger Recyclingprozess. In zertifizierten Anlagen werden die Geräte zunächst von Schadstoffen wie Batterien oder Kondensatoren befreit. Anschließend erfolgt eine mechanische Zerkleinerung und Sortierung.
Dabei entstehen verschiedene Materialfraktionen – etwa Eisen, Nichteisenmetalle oder Kunststoffe – die anschließend als Sekundärrohstoffe in die Produktion neuer Produkte zurückgeführt werden können.
Die Verlängerung der Nutzungsdauer durch Refurbishment wirft jedoch auch Fragen auf: Verzögert sie nicht die Rückführung wertvoller Rohstoffe in den Recyclingkreislauf?
Goldberg sieht hier eine klassische Abwägung. Wenn ein Gerät noch sinnvoll weiterverwendet werden kann, könne Refurbishment sogar ökologisch vorteilhaft sein. „Die CO₂-Bilanz beim Refurbishment bestimmter Geräte kann besser ausfallen als bei der Herstellung eines neuen Geräts.“ Gleichzeitig könnten moderne Geräte effizienter arbeiten – etwa beim Stromverbrauch – und damit langfristig nachhaltiger sein.
Repartly versucht, Reparatur, Refurbishment und Recycling stärker miteinander zu verknüpfen. Eine entwickelte App identifiziert beispielsweise anhand der Gerätenummer, welche Komponenten eines Altgeräts für eine Wiederaufbereitung geeignet sind.
Recyclingpartner bauen diese Bauteile gezielt aus und verkaufen sie an Repartly. Statt in der Schrottpresse zu enden, gelangen sie als generalüberholte Ersatzteile wieder in den Markt. Laut Osthoff stoße dieses Konzept auch bei Verbrauchern auf Zustimmung – insbesondere wenn der Fachhandel als vertrauenswürdiger Partner eingebunden sei.
Kritisch äußert sich Goldberg zur europäischen Regulierung. Die derzeitige Sammelquote von 65 Prozent der in Verkehr gebrachten Geräte hält er für praxisfern.
„Die Sammelquotenvorgaben der Richtlinie sind lebensfremd und ungeeignet für die Praxis“, sagt er. Unterschiedliche Berechnungsmethoden in den Mitgliedstaaten machten die Zahlen kaum vergleichbar. Zudem berücksichtige der Bezugszeitraum von drei Jahren langlebige Produkte wie Kühlschränke oder Photovoltaikmodule nur unzureichend.
Mit Spannung blickt die Branche auf die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Förderung der Reparatur von Waren. Osthoff erwartet eine steigende Nachfrage nach Reparaturen, sobald Verbraucher ihre neuen Rechte kennen.
„Wer seinen Kund:innen attraktive Reparaturen anbieten kann, erhöht die Zufriedenheit und stärkt langfristig die Kundenbindung“, sagt er.
Carine Chardon relativiert jedoch den unmittelbaren Effekt der Regulierung. Reparaturen seien schon immer möglich gewesen – sie seien nur selten genutzt worden. Der größte Effekt der Richtlinie liege daher möglicherweise weniger in der Gesetzgebung selbst als in der gestiegenen Aufmerksamkeit für das Thema.
Die Diskussion zeigt: Reparatur, Refurbishment und Recycling sind keine konkurrierenden Ansätze, sondern unterschiedliche Bausteine einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Entscheidend sind funktionierende Sammelsysteme, wirtschaftlich tragfähige Reparaturmodelle und ein besser informiertes Verbraucherverhalten.
Oder, wie Carine Chardon es zusammenfasst: „Elektroschrott allein ist nicht das Problem – entscheidend ist der richtige Umgang damit.“
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