Markt & Branche

Wertgarantie: Wächst trotz Konsumflaute leicht – Reparaturstrategie stabilisiert Geschäft

Die Wertgarantie Group hat das Geschäftsjahr 2025 trotz schwacher Konsumstimmung mit leichtem Wachstum abgeschlossen. Insgesamt gewann der Spezialversicherer für technische Geräte und Fahrräder 1,8 Mio. neue Kunden und Verträge, wodurch der Bestand auf 8,7 Mio. Kunden anstieg. Die Beitragseinnahmen erhöhten sich auf 424 Mio. Euro, der Konzernjahresüberschuss lag bei 35 Mio. Euro.

Das Neugeschäft befindet sich auf stabilem Niveau.

Vorstandsvorsitzender Patrick Döring sieht das Unternehmen damit auf stabilem Kurs – trotz schwieriger Marktbedingungen. „Die Überschrift zu dem Geschäftsjahr ist: Wir haben uns gut geschlagen“, erklärte Döring bei der Präsentation der Jahreszahlen.

8,7 Mio. Kunden zählt Wertgarantie aktuell.

Konsumzurückhaltung prägt Markt

Die schwache Nachfrage nach Konsumgütern macht sich auch im Geschäft des Versicherers bemerkbar. „Wir befinden uns inzwischen in Deutschland mindestens zehn Quartale unter Null beim Konsum von Gütern. Die Menschen halten ihr Geld zusammen“, so Döring.

Gerade bei Versicherungs- und Serviceprodukten spüre man diese Entwicklung. Dennoch konnte die Gruppe in Deutschland leicht wachsen – vor allem dank ihrer Strategie zur Absicherung gebrauchter Geräte. „Unsere Bereitschaft, das Risiko für gebrauchte Haushaltsgeräte auch ins Buch zu nehmen, scheint sich auszuzahlen.“

Die Beitragseinnahmen lagen 2025 bei 424 Mio. Euro, der Jahresüberschuss bei 35 Mio. Euro.

Reparatur statt Wegwerfen als Wachstumsstrategie

Ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie bleibt das Prinzip „Reparieren statt Wegwerfen“. Im vergangenen Jahr zahlte die Gruppe 231 Mio. Euro Schadenleistungen, die überwiegend in Reparaturen flossen. Mit einer Reparaturquote von knapp 70 Prozent sieht sich Wertgarantie als wichtiger Partner des Fachhandels und der Reparaturbetriebe. „Wir glauben daran, dass eine Reparatur erst einmal immer besser ist als der Tausch, um Elektroschrott zu vermeiden.“

Die Combined Ratio – also die Schaden-Kosten-Quote – lag bei knapp unter 92 Prozent, ein Wert, den das Unternehmen langfristig stabilisieren will.

Weiße Ware gewinnt an Bedeutung

In der Geräteentwicklung zeigen sich deutliche Verschiebungen. Während der Mobilfunkbereich unter der schwachen Konsumnachfrage leide, gewinne der Hausgerätebereich an Gewicht. „Das zweite Jahr in Folge ist unsere stärkste Gerätegruppe die Weiße Ware.“ Für den Fachhandel ergeben sich daraus neue Chancen, etwa über Service- und Versicherungsangebote rund um langlebige Geräte. „Einerseits basiert dies auf unseren Trainings für Techniker, Werkstattteams und Kundendienste. Andererseits profitieren wir erheblich von unseren engen Kooperationen mit BSH, Miele und Liebherr“, erklärt Patrick Döring. Zudem habe sich das Festhalten an der Gebrauchtgeräte-Strategie ausgezahlt. „Und wir sehen hier, trotz vieler Wettbewerber, noch weiteres Potenzial, da kaum mehr als drei Prozent aller Geräte in den Haushalten gegen Reparaturkosten versichert sind.“

Die Combined Ratio, die im vergangenen Jahr bei 91,9 Prozent lag, soll auch langfristig 92 Prozent nicht übersteigen.

Neue Geschäftsmodelle: Mieten statt Kaufen

Ein weiterer strategischer Schwerpunkt ist das Mietmodell für Haushaltsgeräte. Nach der erfolgreichen Übernahme des Mietgeschäfts des Club.Weiss in Österreich folgte nun eine Pilotphase auf dem Heimatmarkt, die derzeit erweitert wird. In Österreich wird „Mieten statt Kaufen“ derzeit bei mehr als 170 Fachhandelspartnern angeboten – Tendenz steigend. Döring sieht dafür mehrere Zielgruppen: „Die jüngere Generation nutzt lieber, als dass sie besitzt.“ Gleichzeitig entstehe ein zusätzlicher Absatzkanal für Händler. Auch kleine Gewerbebetriebe könnten profitieren: „Friseure, Nagelstudios oder Kosmetiker würden hochwertige Weiße Ware gerne mieten, anstatt einmal tief in die Tasche zu greifen.“

Europäische Expansion und neue Märkte

International ist Wertgarantie inzwischen mit mehreren Marken aktiv, darunter SFG in Frankreich sowie Caser auf der Iberischen Halbinsel. Perspektivisch prüft das Unternehmen weitere Märkte. „Wir haben Gesprächspunkte in Polen – ein spannender, großer Markt – und analysieren, ob Italien interessant sein könnte.“

KI soll Prozesse effizienter machen

Auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz baut das Unternehmen seine Aktivitäten aus. KI werde unter anderem in der Schadenbearbeitung und im Kundenservice eingesetzt. „Ich bin guter Dinge, dass die AI unseren Arbeitsalltag komplettieren wird – sie ist ein Tool wie Outlook, Word oder Excel.“

Dabei rechnet Döring nicht mit einem Abbau von Arbeitsplätzen: „Wir planen weiter mit Wachstum. Ich erwarte nicht, dass die Mitarbeiterzahl schrumpft.“

JD.com: „Zäsur für den deutschen Markt“

Ein zentrales Thema der anschließenden Fragerunde war der mögliche Markteintritt des chinesischen Handelsriesen JD.com in Deutschland. Döring sieht darin erhebliche Auswirkungen auf den Markt – insbesondere für den Fachhandel: „Das ist eine Zäsur. Meine Sorge ist, dass Ware in den Markt kommt, an der nichts mehr verdient werden soll.“ Ein solcher Preisdruck könne kurzfristig zu massiven Marktverwerfungen führen: „Das setzt unsere Partner im Handel extrem unter Druck.“

Fahrradgeschäft weiter profitabel

Im Fahrradsegment, das unter der Marke Bike organisiert ist, erreicht Wertgarantie inzwischen rund 100 Mio. Euro Prämienvolumen. Die Combined Ratio liegt dort bei etwa 93 bis 94 Prozent.

Wachstum im Küchenhandel geplant

Auch im Küchenhandel sieht das Unternehmen weiteres Potenzial. Dafür wurde ein neuer Küchen-Komplettschutz entwickelt. „Wir glauben, dass wir ein besseres Produkt als der Wettbewerb haben.“
Die Perspektiven für das laufende Jahr insgesamt sieht Döring so: „Wir sind mit Optimismus und Augenmaß in das Jahr 2026 gestartet. Wir rechnen in diesem Jahr mit moderatem Wachstum, getragen von stabilen Partnerschaften. Wir werden den Markt weiter mit Aktionen, Services und neuen Ideen beleben – so wie man uns kennt!“

Rita Breer

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