Remko Rijnders, Vorstandsvorsitz von Ceconomy im Gespräch mit Mitarbeitern. Foto: MediaMarktSaturn
MediaMarkt und Saturn sollen künftig stärker unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Handelsstrategie von Ceconomy übernehmen. Das geht aus einem Interview von t-online mit Ceconomy-Chef Remko Rijnders hervor, das am 12. September 2026 veröffentlicht wurde. W&V Commerce Shots griff das Gespräch am 14. September auf und stellte insbesondere die stärkere Profilierung der Marken sowie die Verbindung von stationärem Erlebnis und schnellen Services heraus.
MediaMarkt bleibt demnach das zentrale Handelsformat. Bei Saturn soll dagegen ab 2027 eine neue Strategie greifen. Hintergrund ist, dass die Unterschiede zwischen den beiden Marken aus Sicht des Unternehmens bislang nicht deutlich genug erkennbar waren.
„Keine. Ich muss aber ehrlich sagen, dass wir den Unterschied zwischen beiden für unsere Kunden nicht deutlich genug gemacht haben. Daran arbeiten wir“, sagte Rijnders im t-online-Interview auf die Frage, welche der beiden Marken zuerst verschwinden werde.
Bis Ende September sollen laut t-online bundesweit fast alle Saturn-Märkte zu MediaMarkt umgebaut werden. Dies bedeute jedoch nicht das Ende der Marke. Rijnders zufolge wurde für Saturn eine neue Strategie entwickelt, die ab 2027 umgesetzt werden soll. Bis dahin könne es in ausgewählten Fällen sinnvoll sein, einen Saturn in einen MediaMarkt umzuwandeln.
Künftig soll Saturn vor allem für Innovation stehen. Dabei sollen junge Zielgruppen und Gaming eine wichtige Rolle spielen. Vorgesehen sind unter anderem Flächen, auf denen Kunden Produkte ausprobieren können.
„Saturn steht für Innovation, dort spielen junge Kunden und Gaming die wichtigste Rolle. Wir setzen auf Ausstellungsflächen, auf denen Kunden Produkte ausprobieren können, mit Sofas und Spielekonsolen. Diese Flächen bauen wir zunächst in unseren Mediamärkten auf, eigenständige Standorte kommen später dazu, allerdings mit deutlich kleinerem Sortiment“, erklärte Rijnders gegenüber t-online.
W&V Commerce Shots fasst die geplante Rollenverteilung so zusammen, dass MediaMarkt als breite Handelsplattform positioniert werden soll, während Saturn stärker als kleinere Innovations- und Erlebniswelt auftritt. Die Redaktion interpretiert die Strategie dabei als Versuch, den stationären Handel über zwei Hebel neu zu positionieren: mehr Erlebnis in der Filiale und zugleich schnellere digitale Services. Diese Bewertung ist eine redaktionelle Einordnung von W&V und keine Aussage von Ceconomy selbst.
Neben den Filialkonzepten arbeitet MediaMarktSaturn an kürzeren Liefer- und Abholzeiten. Nach Angaben von Rijnders kann MediaMarkt in Deutschland gemeinsam mit Uber bereits an einzelnen Standorten innerhalb von 90 Minuten liefern. Online bestellte Ware soll im Markt nach 30 Minuten zur Abholung bereitstehen.
Auf die Frage von t-online, wann MediaMarkt in Deutschland flächendeckend am selben Tag liefern werde, antwortete Rijnders knapp: „Am liebsten gestern.“
Der Ausbau schneller Logistikservices unterstreicht die zunehmende Verbindung zwischen dem stationären Filialnetz und dem Onlinegeschäft. W&V sieht darin ein Beispiel dafür, dass stationäre Präsenz und Geschwindigkeit nicht getrennt voneinander betrachtet werden.
Ceconomy erzielte laut t-online im Geschäftsjahr 2024/25 einen Umsatz von 23,1 Milliarden Euro. Gut ein Viertel davon entfiel auf das Onlinegeschäft. Zum Konzern gehören mehr als 1.000 MediaMarkt- und Saturn-Märkte in elf europäischen Ländern.
Parallel zur Neuausrichtung der Vertriebsformate läuft die geplante Übernahme von Ceconomy durch den chinesischen Onlinehändler JD.com. Zum Zeitpunkt des t-online-Interviews standen noch Freigaben der EU-Kommission sowie eine Investitionsprüfung in Österreich aus. Nach Angaben von Rijnders enthält das Angebot eine Frist bis zum 10. November 2026. Sollten bis dahin die erforderlichen Genehmigungen fehlen, wäre die Transaktion hinfällig.
Ceconomy will seine Strategie nach Aussage des Vorstandschefs unabhängig vom Ausgang des Verfahrens weiterverfolgen. „Wir können es uns nicht leisten, zu warten. Wir investieren weiter. Wer keine Entscheidungen trifft, spürt das am nächsten Tag“, sagte Rijnders.
Von einer Zusammenarbeit mit JD.com erwartet Ceconomy insbesondere Vorteile in Logistik und Technik. Rijnders bezeichnete diese Bereiche gegenüber t-online ausdrücklich als Felder mit Synergiepotenzial.
„Ja. Wir haben diese Entscheidung bewusst getroffen, nicht aus einer Notwendigkeit heraus. Die Frage war: Gibt es Synergien oder nicht? Bei Logistik und Technik gibt es sie. Wir setzen nur um, was beiden Seiten und unseren Kunden nützt, so steht es in der Vereinbarung.“
Nach einem möglichen Börsenrückzug sieht Rijnders zudem Spielraum für schnellere Entscheidungen und längerfristige Investitionen. Bis 2029 soll der operative Gewinn nach seinen Angaben auf 800 Millionen Euro steigen. Der Börsenrückzug könne dafür „Fokus und Ruhe“ in das Unternehmen bringen.
W&V ordnet JD.com vor diesem Hintergrund weniger als Ausgangspunkt einer neuen Handelsstrategie ein, sondern eher als möglichen Beschleuniger für Logistik und Technologie. Die grundlegende Richtung – stärkere Erlebnisorientierung im stationären Handel sowie schnellere und eng verzahnte Omnichannel-Prozesse – ist demnach bereits vorgegeben.
Quelle: Grundlage des Beitrags ist das Interview von Marisa Lattemann und Jakob Hartung mit Ceconomy-Chef Remko Rijnders bei t-online, veröffentlicht beziehungsweise aktualisiert am 12. September 2026. Ergänzend berücksichtigt wurde die redaktionelle Einordnung im Newsletter W&V Commerce Shots vom 14. September 2026. Aussagen zu Unternehmensplänen und Zitate stammen aus dem t-online-Interview; als Einschätzung gekennzeichnete Bewertungen gehen auf W&V zurück.
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