Sorgenkind: Das Temial-Teegerät vereint traditionelle Teezubereitung mit modernster Technik.
Die Zeit der Höhenflüge scheint für Vorwerk erst einmal vorbei. Laut übereinstimmenden Medienberichten stehen im Rahmen der Umstrukturierung bei den Wuppertaler Vorwerk Gesellschaften insgesamt rund 200 Vollzeitstellen zur Disposition. Darüber wurden die Mitarbeiter am Donnerstag vergangener Woche in einer Betriebsversammlung informiert. Demnach können mehr als die Hälfte der Stellen ohne Kündigungen gestrichen werden, beispielsweise durch Eintritt in die Rente oder Altersteilzeitregelungen. Rund 85 Vollzeit-Stellen müssen aber dennoch aufgelöst werden. Bis Ende 2021 soll der Stellenabbau abgeschlossen sein. In der Wuppertaler Vorwerk-Gesellschaft arbeiten etwa 2.500 Mitarbeiter.
Rumort hat es im Tal der Wupper bereits seit dem Weihnachtsgeschäft. Vor allem das 600 Euro teure Temial-Teegerät floppte laut WDR Wuppertal komplett. Anlässlich der Jahrespressekonferenz Ende Mai legte die Geschäftsführung die Fakten für das abgeschlossene Geschäftsjahr 2018 auf den Tisch: Sowohl das Geschäftsvolumen mit 3,6 Milliarden Euro als auch der Konzernumsatz mit 2,8 Milliarden Euro lagen leicht unter den Vorjahreswerten. Thermomix bleibt mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro weiterhin der umsatzstärkste Geschäftsbereich innerhalb der Vorwerk Gruppe, musste aber gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang hinnehmen (minus 3,6 Prozent). Der Geschäftsbereich Kobold büßte ebenfalls an Umsatz ein und erreichte 757 Millionen Euro (minus 4,5 Prozent).
Trotz ein paar Kratzern in der Bilanz, muss man sich um Vorwerk keine Sorgen machen. Der zunehmende Thermomix-Erfolg in China, die deutlichen Investitionen in digitale Anwendungen und der Neubau der „Forschung und Entwicklung“ sowie eines neuen Motorenwerks am Wuppertaler Produktionsstandort in Laaken sind starke, in die Zukunft gerichtete Signale. Mit Blick auf die internationalen Märkte fällt das rasante Wachstum in China auf: Der Thermomix verzeichnet dort Wachstumsraten von mehr als 100 Prozent. Für 2019 rechnet Vorwerk mit einem voraussichtlichen Umsatz von 200 Millionen Euro.
„Wir haben bereits vor mehreren Jahren damit begonnen, massiv und aus eigener Kraft in unsere Infrastruktur sowie in digitale Geschäftsmodelle zu investieren. Insgesamt wird uns diese Neuausrichtung des Geschäfts bis zu 500 Millionen Euro kosten“, machte Reiner Strecker, der persönlich haftende Gesellschafter der Vorwerk & Co. KG, deutlich. Der Anspruch sei dabei klar definiert: „Wir wollen nicht einfach nur hochwertige Haushaltsprodukte herstellen, wir wollen die besten und digital unterstützten Produkte entwickeln und vertreiben, die den Kunden täglich Mehrwert bieten.“
Allein im Jahr 2018 habe Vorwerk 40 Millionen Euro für den Bereich „Digital“ bereitgestellt. Die Summe setze sich aus Kosten für Personal sowie Betriebs- und Projektkosten zusammen. Noch gar nicht eingerechnet seien Investitionen in die Infrastruktur wie zum Beispiel die Neubauten in Wuppertal.
Beim Thermomix indes gibt es aufgrund allzu forscher Planungen Überkapazitäten. Die Folge: In Wuppertal wird der Bau des „iPhones für die Küche“ eingestellt, während in Shanghai eine neue Fertigung entstehen soll. Man ahnt: Die Zukunft des Wunderkessels liegt in Asien. Immerhin sollen Messer und Motoren weiterhin aus Wuppertaler Fertigung kommen. „Wir wissen, dass sich die Kundenbedürfnisse rasant verändern und Prozesse in Unternehmen effizienter und schneller werden müssen. Und wir glauben, dass wir dabei auf einem guten Weg sind“, so Strecker, der übrigens als einziger von ehedem drei persönlich haftenden Gesellschaftern im Tal der Wupper übrig geblieben ist.
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