Konsumklima bleibt schwach – Anschaffungsneigung geht weiter zurück

von infoboard.de
Das Wichtigste in Kürze (KI-Zusammenfassung)
  • Der Konsumklimaindikator sinkt im November 2026 auf minus 30,8 Punkte und bleibt damit deutlich unter dem Vorjahresniveau.
  • Die Anschaffungsneigung fällt weiter auf minus 11,9 Punkte, gestiegene Preiserwartungen und schwache Einkommensaussichten bremsen die Kaufbereitschaft.
  • Die Konjunkturerwartungen steigen zum sechsten Mal in Folge und liegen erstmals wieder über der Nulllinie, ohne bislang zu höheren Anschaffungen zu führen.
  • Für den Elektrohandel sind nachvollziehbare Preise, Produktvorteile und individuelle Beratung angesichts der schwachen Kaufbereitschaft besonders wichtig.
  • Die Sparneigung sinkt zwar, bleibt aber auf vergleichsweise hohem Niveau, was auf Verunsicherung der Verbraucher hindeutet.

Die Konsumstimmung in Deutschland stabilisiert sich nach dem Rückschlag im Vormonat auf niedrigem Niveau. Laut der aktuellen Studie „NIM Konsumklima powered by GfK“ sinkt der Konsumklimaindikator für November 2026 leicht auf minus 30,8 Punkte. Während die Verbraucher die allgemeine Wirtschaftsentwicklung zunehmend optimistischer einschätzen, bleiben sie bei größeren Anschaffungen zurückhaltend. Insbesondere die schwachen Einkommenserwartungen und die Sorge vor steigenden Preisen belasten die Kaufbereitschaft.

Der Konsumklimaindikator verliert gegenüber Oktober 0,2 Punkte. Im Vormonat lag er bei minus 30,6 Punkten. Im November 2025 hatte der Wert noch minus 22,5 Punkte betragen. Damit bleibt die Verbraucherstimmung deutlich hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Die einzelnen Indikatoren entwickeln sich unterschiedlich. Während die Konjunkturerwartungen zum sechsten Mal in Folge steigen und die Sparneigung nachlässt, gehen die Einkommenserwartungen und die Anschaffungsneigung erneut leicht zurück.

Anschaffungsneigung bleibt auf niedrigem Niveau

Für den Elektrofachhandel ist insbesondere die Entwicklung der Anschaffungsneigung relevant. Dieser Indikator gibt Auskunft darüber, inwieweit Verbraucher den aktuellen Zeitpunkt für größere Anschaffungen, beispielsweise Haushaltsgeräte oder Unterhaltungselektronik, als günstig einschätzen.

Im Oktober sank die Anschaffungsneigung um 1,1 Punkte auf minus 11,9 Punkte. Im September hatte sie bei minus 10,8 Punkten gelegen.

Als möglichen Grund nennt das Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) die gestiegenen Preiserwartungen. Der entsprechende Indikator liegt inzwischen wieder im positiven Bereich. Verbraucher rechnen somit zunehmend mit höheren Preisen.

Im September war die Inflationsrate aufgrund gestiegener Kraftstoffpreise auf 3,3 Prozent geklettert und hatte damit den höchsten Stand seit Dezember 2023 erreicht.

Auch die Einkommenserwartungen bleiben schwach. Nach dem deutlichen Einbruch im September gab der Indikator im Oktober nochmals leicht um 0,7 Punkte auf minus 15,7 Punkte nach.

„Die Verbraucher blicken zwar zunehmend optimistischer auf die wirtschaftliche Entwicklung, doch beim Blick in den eigenen Geldbeutel überwiegt weiterhin die Skepsis. Wachsende Inflationssorgen und verhaltene Einkommensaussichten bremsen die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen, auch wenn die Sparneigung etwas sinkt“, erklärt Rolf Bürkl, Head of Consumer Climate beim NIM.

Konjunkturerwartungen steigen zum sechsten Mal in Folge

Ein positiveres Bild zeigt sich bei den Konjunkturerwartungen. Der Indikator verbessert sich im Oktober auf 2,1 Punkte und liegt damit erstmals seit Ausbruch des Irankriegs wieder über der Nulllinie.

Die Verbraucher schätzen die weitere wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands somit zunehmend optimistischer ein. Diese verbesserte Einschätzung führt bislang allerdings nicht zu einer höheren Anschaffungsbereitschaft.

Auch die Sparneigung ist rückläufig. Nachdem sie im September deutlich gestiegen war, sank sie im Oktober um 4,3 Punkte auf 17,2 Punkte. Trotz des Rückgangs bleibt sie auf vergleichsweise hohem Niveau.

„Auch der Tankrabatt sorgt offenbar nicht für die erhoffte Erleichterung. Die Hoffnung auf einen wirtschaftlichen Aufschwung ist da, aber die Bereitschaft, mehr Geld auszugeben, zieht bislang noch nicht mit“, so Bürkl.

Zurückhaltende Kaufbereitschaft bleibt Herausforderung für den Elektrohandel

Für die Elektrogerätebranche und den stationären Fachhandel liefern die aktuellen Ergebnisse wichtige Hinweise auf die Konsumstimmung vor dem Jahresendgeschäft.

Die weiterhin negative Anschaffungsneigung deutet darauf hin, dass Verbraucher größere Investitionen nach wie vor kritisch prüfen. Dazu zählen auch Haushaltsgroßgeräte, Unterhaltungselektronik und andere höherpreisige Elektroprodukte.

Vor diesem Hintergrund dürften ein nachvollziehbares Preis-Leistungs-Verhältnis, konkrete Produktvorteile und eine individuelle Beratung im Verkaufsgespräch von besonderer Bedeutung bleiben. Auch die Vermittlung langfristiger Nutzungsvorteile, etwa durch Energieeffizienz, Funktionalität oder Reparierbarkeit, kann für den Fachhandel ein Ansatzpunkt in der Kundenberatung sein.

Allerdings lässt sich aus den Konsumklimadaten nicht unmittelbar auf die tatsächliche Umsatzentwicklung einzelner Handelsbranchen schließen. Die Untersuchung bildet subjektive Erwartungen ab und bezieht sich auf die gesamten privaten Konsumausgaben, nicht ausschließlich auf den Einzelhandel.

Konsumklima für November bei minus 30,8 Punkten

Konsumklimaindikator im Vergleich:

−22,5
Nov. 2025
−30,6
Okt. 2026
−30,8
Nov. 2026

Angaben in Indexpunkten. Quelle: NIM Konsumklima powered by GfK, Oktober 2026.

Die Ergebnisse basieren auf rund 2.000 Verbraucherinterviews, die vom 1. bis 12. Oktober 2026 im Auftrag der Europäischen Kommission durchgeführt wurden. Das Konsumklima wird aus den Indikatoren Einkommenserwartung, Anschaffungsneigung und Sparneigung berechnet und dient als Frühindikator für die Entwicklung des privaten Konsums.